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Gemeinderat will kein Energiestadt-Label

Mehr als die Hälfte des Parlaments möchte, dass sich die Gemeinde für nachhaltige Energiepolitik auszeichnen lässt. Doch der Gemeinderat lehnt eine entsprechende Motion ab.

Massnahmen seien wichtiger als das Label «Energiestadt», findet der Langnauer Gemeinderat.
Massnahmen seien wichtiger als das Label «Energiestadt», findet der Langnauer Gemeinderat.
Patrick Gutenberg

Interessant an der Motion ist zum einen die Zusammensetzung der Männer, die sie als Erstunterzeichner im Langnauer Parlament eingereicht haben: Christian Oswald von der SP, der grünliberale Michael Moser und Beat Gerber von der SVP. Sie – und zwanzig Mitunterzeichnende – sprechen sich dafür aus, dass die Gemeinde Massnahmen ergreift, um mit dem Label Energiestadt ausgezeichnet zu werden.

Interessant ist aber auch, dass der Gemeinderat das Ansinnen zur Ablehnung empfiehlt. Und dies, obschon die Motionäre wohl meinten, sie würden der Exekutive mit ihrem Vorstoss bloss etwas Beine machen in einer Angelegenheit, die sie ohnehin anstrebe.

Denn 2006 habe der Gemeinderat in seinem Leitbild das Erlangen dieses Leistungsnachweises bereits als Ziel ins Auge gefasst, schreiben sie in der schriftlichen Begründung für ihren Vorstoss.

Die Parlamentarier stellen auch im Handeln der Gemeinde keinen Widerspruch dazu fest, im Gegenteil: Langnau bekenne sich zu einer nachhaltigen Umweltpolitik, attestieren sie und zählen etwa den Wärmeverbund, das Blockheizkraftwerk und die Fotovoltaikanlage auf dem Dach des Sekundarschulhauses auf.

Der Weg zum Label Energiestadt sei daher nicht mehr weit. «Es wäre schade, wenn die Gemeinde die weiteren Schritte unterlässt, die dafür nötig sind, das Label – und damit Fördergelder – zu erhalten», begründen die Motionäre ihren Vorstoss.

Koste viel und bringe wenig

Doch der Gemeinderat hat es sich anders überlegt. Er empfiehlt dem Parlament, das Begehren abzulehnen. Dabei argumentiert er einerseits mit den Kosten und dem personellen Aufwand, die nicht zu unterschätzen seien. Der Jahresbeitrag im Trägerverein Energiestadt würde 2600 Franken ausmachen, die fachliche Begleitung bis zur Zertifizierung würde 17 200 Franken kosten.

Bund und Kanton würden sich zwar beteiligen, aber netto würde die Gemeinde immer noch rund 10 000 Franken bezahlen müssen. Alle vier Jahre wäre eine Rezertifizierung nötig, die wieder gegen 10 000 Franken kosten würde.

Zudem müssten im Stellenplan nach Auskunft verschiedner Gemeinden 10 bis 20 Stellenprozent eines qualifizierten höheren Sachbearbeiters berücksichtig werden, gibt der Gemeinderat in seiner schriftlichen Antwort weiter zu bedenken.

Während die Exekutive den Aufwand recht hoch einschätzt, sieht sie wenig Nutzen im Label. Vom Bundesamt für Energie wären pro Jahr maximal 5000 Franken zu erwarten, allerdings nicht für bauliche Massnahmen, sondern etwa für Informationsanlässe oder Sanierungskonzepte.

Da es in der Schweiz 412 Gemeinden gebe, die über das Label verfügten, wäre auch die Pionierwirkung dahin. «Der Gemeinderat erachtet die zu realisierenden Massnahmen weiterhin als wichtiger als den Erwerb eines Labels», fasst er zusammen. In einer Woche wird das Parlament dar­über befinden.

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