Generalprobe vor ehrlichem Publikum

Langnau

Die Mitglieder des Seniorentheaters Langnau zeigten Heimbewohnern, was sie diesen Winter einstudiert haben. Ein lustiges Stück. Trotzdem warteten einige im Publikum vorab aufs Zvieri.

<b>Die Freude über die gefundene Million</b> wird nicht von langer Dauer sein.

Die Freude über die gefundene Million wird nicht von langer Dauer sein.

(Bild: Raphael Moser)

Susanne Graf

Bis die Aufführung beginnt, dauert es noch mindestens eine halbe Stunde. Aber vor dem Langnauer Kirchgemeindehaus steht bereits ein kleiner Bus. Eine im Rollstuhl sitzende Heimbewohnerin wird ausgeladen.

Sie gehört zu jenen Frauen und Männern, die entweder in einem Heim des Dahlia oder der Stiftung Lebensart wohnen und das Publikum bilden, vor dem die Theater spielenden Seniorinnen und Senioren von Langnau ihre Generalprobe abhalten.

Es ist ein Publikum, das dem Regie führenden Ehepaar Christina und Fred Schilt ungefiltert zu verstehen gibt, was es vom Gezeigten hält. Als Beatrice Täschler zu Beginn darauf hinweist, dass es im Stück wie so oft im Leben um Geld gehe, entfährt es einer Zuschauerin: «Ou, ou, ou.»

Als die Kirchgemeinderätin ankündigt, dass nach dem Dreiakter alle zu einem Zvieri eingeladen seien, frohlockt die gleiche Frau: «Ein Zvieri, oh!» Doch aus einer anderen Ecke tönt es grimmig: «Das cheibe aube no Zabe nä isch e Souerei.» Der Mann würde es wohl vorziehen, nach dem angekündigten «Lustspiel in drei Akten von Gottfried Schenk» gleich wieder ins Heim zurückzukehren.

Gesprächiges Publikum

Item, es geht los. Die Gruppe eröffnet das Stück «Öppe e Million» mit einem gemeinsamen Lied. Dann wird es kurz dunkel im Saal. Die Leute applaudieren, einige sagen «Bravo». Und jemand murmelt: «Isch das jetz aus gsi?»

Aber nein, die 15 Schauspielerinnen und Schauspieler haben ein schwungvolles Stück einstudiert, das die Zuschauer anderthalb Stunden rätseln lässt, was mit der Million, die in einem Plastiksack steckt, passieren wird. Als ein Angestellter des heruntergekommenen Sternen den Schatz entdeckt, kann er sein Glück kaum fassen.

Ausser sich vor Freude versucht er sich zu beruhigen mit den Worten: «Jetzt nur keine Herzbaracke, das wäre der dümmste Moment.» «Ja, das stimmt», bestätigt eine Zuschauerin. Wie nun die Spannung ihren Höhepunkt erreicht, hört man eine Stimme im Rücken, die jede Szene kommentiert – wie in einem Hörfilm. Der Mann fiebert mit. Wie auch jener, der mehrmals dazwischenruft «I ha ou Durscht», wenn sie auf der Bühne das Bier zum Mund führen.

Je länger das Stück dauert, umso seltener werden die Zwischenbemerkungen. Als es nach dem zweiten Akt für eine kurze Umstellung auf der Bühne wieder dunkel wird im Saal, meint jemand, man könnte jetzt «Zobe nä».

Aber die Züpfe muss noch warten. Noch hatten nicht alle Darsteller ihr Können unter Beweis gestellt. Noch waren sie nicht aus dem Häuschen geraten vor Freude über die gefundene Million und später am Boden zerstört ob ihrem Verlust. Wer wo was mit dem Geld anstellt, sei hier nicht verraten.

Die Aufführungen der Seniorengruppe finden im Kirchgemeindehaus Langnau statt: Donnerstag, 28.2., Freitag, 1.3., Samstag, 2.3., jeweils um 19.30 Uhr, Sonntag, 3.3., und Donnerstag, 7.3., jeweils um 14 Uhr, Freitag, 8.3., und Samstag, 9.3., jeweils um 19.30 Uhr.

Berner Zeitung

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