Getränke, Gesang und erster Gang

Lyssach

Über 5,5 Kilometer führte die einzigartige Jodlerwanderung. Doch statt der errechneten eineinhalb Stunden waren die Jodler sehr viel länger unterwegs. Unterwegs warteten Klubs aus allen Himmelsrichtungen auf sie.

Gelungener Mix: Der Jodlerklub Juraglöggli aus Orbe und die Emmen­ta­lische Alphornbläservereinigung Schüpbach.

Gelungener Mix: Der Jodlerklub Juraglöggli aus Orbe und die Emmen­ta­lische Alphornbläservereinigung Schüpbach.

(Bild: zvg)

Frauen in Trachten, Männer im Kühermutz oder wenigstens im Edelweisshemd, mit Kindern und Hunden – wer kennt die Zahl, wer nennt die Namen? In Scharen strömten sie der Mezwan zu.

Sie alle machten sich am Samstag, versorgt mit Konsumationsgutscheinen, auf den 5,5 Kilometer langen Weg rund um Lyssach. Die angegebenen 1,5 Stunden Wanderzeit entpuppten sich aber recht bald als falsche Angabe, ja eigentlich Fake-News im Sinne von Herrn Trump.

Denn unterwegs warteten Jodlerklubs aus allen fünf Teilverbänden des Eidgenössischen Jodlerverbandes auf die Wanderer – mit Gesang und Verköstigung aus ihrer angestammten Region.

Mit Raclette und Meringues der Jodlerklub Edelweiss Flamatt, Bärgecho Brienz mit Älp­lermakkaroni und Jodler-Cheli, Calanda Chur mit Bündner Gerstensuppe und Nusstorte. Schnitzelbrot und Mohrenkopftorte hielt der Jodlerklub Bärgbrünneli Liesberg bereit, und der Jodlerklub Alpnach wartete mit Brat­käse und Lebkuchen auf.

Knatternd zurück zum Ziel

Wen wunderts, dass trotz leichtem Rucksack die Beine bald schwer und schwerer wurden. Wer dieser Tortur nicht gewachsen war, wurde vom Rapid-Taxi zum Zielort zurückgebracht.

Wobei sich die Bezeichnung Rapid nicht etwa auf die Geschwindigkeit bezog, sondern vielmehr auf den Einachstraktor der gleichnamigen Marke mit Baujahr 1956, der mit gelegentlichen Fehlzündungen eine Festhütte auf Rädern hinter sich herzog.

Die zündende Idee

Die Idee zur Jodlerwanderung sei ihm während einer Vorstandssitzung in den Sinn gekommen, sagt Vereinspräsident André Vogel. Aus sonst zuverlässiger Quelle war ausserdem zu erfahren, dass ihn der Geistesblitz morgens gegen 4 Uhr getroffen haben soll.

Er fand Zustimmung, und so machten sich die 35 Mannen und 3 Frauen des Jodlerklubs Lyssach, im Alter zwischen 16 und 72 Jahren, flugs an die Arbeit. Und es gab viel zu tun, bis es nun am Samstag so weit war.

Kneippen unter Palmen

Zurück zum Start. Da gab gerade die Alphornbläservereinigung Schüpbach ein Ständchen, begleitet von einem Fahnenschwinger. Applaus. Danach schulterten die Frauen und Mannen ihr Instrument – es wiegt immerhin 8 bis 10 Kilo – und machten sich auf den Weg. Vorbei an der Wellnessoase, wo man unter Plastik- und Naturpalmen in einem Wassergraben kneippen konnte.

Eigentlich befand man sich hier auf dem Rückweg, wo die müden Füsse sich über die Erfrischung freuten. Doch den ausgeschilderten Weg rückwärts abzulaufen, war nicht etwa verboten. So erreichten die Wanderer bald Station Nummer 6, wo die Alpnach-Jodler das Chäsbrägle im Bauernhaus-Schopf kurz unterbrachen, um eins zu jutzen.

Die Pferde im Stall wieherten, auch sie freuten sich ob der Abwechslung. Zu den Alphornbläsern gesellte sich der Jodlerklub Juraglöggli, dessen Mitglieder trotz Herkunftsort Orbe Berndeutsch sprachen.

«Reden und singen können wir Deutsch und Welsch», erklärte Damaris Lauper in der Berner Tracht, und verteilte Einladungskärtchen für die Fête romande des Yodleurs nächstes Jahr in Yverdon.

Zusammen zogen die Jodlerinnen und Jodler dem Dorf zu, wo am Gartenzaun ein Schild aufforderte: «Hie eis singe». Gelesen, getan, und die Fenster ringsum gingen auf. Das Plakat sollte hängen bleiben.

Berner Zeitung

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