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Kehrtwende beim Bahnübergang

Happy End? Der Übergang Frechterstrasse wird nun doch nicht geschlossen. Die Gegner können aufatmen. Doch die Freude über den ­Erfolg ist verhalten.

Hier werden sich auch in Zukunft die Barrieren schliessen: Die BLS will den Bahnübergang Frechterstrasse doch nicht aufheben.
Hier werden sich auch in Zukunft die Barrieren schliessen: Die BLS will den Bahnübergang Frechterstrasse doch nicht aufheben.
Thomas Peter

Zuerst gab es nicht viel daran zu rütteln: Die BLS wollte den Bahnübergang Frechterstrasse in Wiler schliessen. Daran schienen auch der Unmut und die Ein­sprachen von Gemeinderat, Anwohnern und Landeigentümern nichts zu ändern.

Dann kam die Hiobsbotschaft von der Schliessung der Papierfabrik Utzenstorf. Diese stellt bekanntlich Ende Jahr ihre Produktion ein – und plötzlich war alles anders: Im August dieses Jahres bestätigte das Berner Bahnunternehmen, dass sich mit dem Aus der «Papieri» die Ausgangslage geändert habe.

Denn ursprünglich sollte der Übergang vor der Papierfabrik wegen neuer Rangierabläufe im Güterverkehr zugehen. Diese hätten sonst zu ­langen Barriereschliesszeiten geführt. Die BLS legte die Einspracheverhandlungen auf Eis und wollte die Sache nochmals prüfen.

Im Zeitplan

Das hat sie jetzt getan, wie BLS-Mediensprecherin Helene Soltermann sagt. All jene, die sich gegen die Schliessung der Querung gewehrt hatten, können aufatmen – zumindest vorläufig. «Wir müssen den Bahnübergang nicht aufheben», hält Soltermann fest.

Damit wird auch die geplante Verlegung der Strasse, die Kulturland gekostet hätte, hinfällig. Die Einsprecherinnen und Einsprecher habe man bereits ­informiert. Soltermann schiebt aber sogleich nach: «Wir wissen zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht, wie das Papierfabrikareal künftig genutzt wird.» Das müsse sich erst zeigen. Will wohl heissen: Die Schliessung könnte später erneut ein Thema werden.

Die BLS gibt nun die Projektänderung beim Bundesamt für Verkehr (BAV) ein. Dieses entscheidet über die Baubewilligung. Dort sind momentan noch 14 Einsprachen hängig, wovon 8 die Schliessung des Übergangs kritisieren.

Die BLS rechnet damit, dass das BAV im Frühling nächsten Jahres die Bewilligung erteilt. Im Sommer sollen wie geplant die Bauarbeiten starten und voraussichtlich bis Ende 2019 dauern. «Die Projektänderung sollte nicht zu Verzögerungen führen», sagt die Mediensprecherin.

Die Streckensanierung

Der Übergang Frechterstrasse ist nur ein Teilaspekt eines viel grösseren Bahnprojektes. Die BLS plant eine Streckensanierung durch das ganze Gemeindegebiet, künftig soll der Abschnitt doppelspurig geführt werden. Zudem ist die Modernisierung des Bahnhofs Wiler vorgesehen. Insgesamt 23 Millionen will die BLS investieren. Inwiefern sich nun etwas an diesem Betrag ändert, ist nicht bekannt.

Der Gemeinderat von Wiler kämpft seit Bekanntwerden der BLS-Pläne im letzten Jahr dafür, dass der Bahnübergang Frechterstrasse offen bleibt. Er gehört zu den Einsprechern und bemängelte vornehmlich, dass die Schliessung nicht zu Ende gedacht sei. Weiter befürchtete er wegen der Strasse, die hätte verlegt werden müssen, grosse Einschnitte im dortigen Landwirtschaftsland. Und er sorgte sich um die Kinder, die den Übergang als Schulweg nutzen.

Ein Wermutstropfen

Die Behörden dürften sich also über den Rückzieher der BLS freuen. Gemeinderatspräsident Christoph Jutzi gibt sich allerdings zurückhaltend – auf Anfrage sagt er lediglich: «Dem Gemeinderat ist dieser Fakt noch nicht offiziell mitgeteilt worden.» Er sehe der offiziellen Mitteilung jedoch positiv entgegen.

Der direkt betroffene Bauer Thomas Allemann, der hätte Land opfern müssen und sich ebenfalls gewehrt hatte, spricht zwar von einem «Teilerfolg» und davon, dass «auch mal ein Kleinerer gewonnen» habe, aber so richtig jubeln mag er nicht. Der Wermutstropfen sei, dass man derzeit nicht wisse, was mit dem Papierfabrikareal geschehe. Die Schliessung des Bahnübergangs sei nur auf Eis gelegt, meint der Landwirt.

Ausserdem gebe es weitere ungeklärte Punkte, die ihn stören würden. Er habe ohnehin einen Anwalt eingeschaltet und warte weiter ab. «Ich werde meine Einsprache genau gleich aufrechterhalten.»

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