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Kein Grossdealer, aber halt doch ein Drogenverkäufer

Zu einer teilbedingten Freiheitsstrafe von 18 Monaten verurteilt das Regionalgericht Emmental-Oberaargau einen ­gesundheitlich angeschlagenen Schweizer, der jahrelang mit verbotenen Substanzen handelte.

Ein Mann aus dem Emmental konsumierte und verkaufte illegale Substanzen.
Ein Mann aus dem Emmental konsumierte und verkaufte illegale Substanzen.
Keystone

«2 Gläser mit unbekanntem Pulver, 1 Filmdose mit 4 Minigrips weisses Pulver, 2 Minigrips mit 11 braunen Pillen, schwarze Klumpen, 2 Dosen Rüstreste, 50 Gramm Rüstabfälle, 3 Dosen mit Gras, 2 Säcke Blüten, 37 Gramm brutto Haschisch, 35 Gramm brutto Marihuanablüten, 1 Gramm Hanfsamen, 17 Pillen Ecstasy, 4 Milligramm brutto Kokain, 5 Joints angeraucht, Pistole Modell 75 inkl. Magazin»: Fein säuberlich – aber längst nicht abschliessend – listet die Staatsanwaltschaft in ihrer Anklageschrift auf, was die Polizei fand, als sie im Juli vergangenen Jahres ein Haus im Emmental durchsuchte.

Beträchtlicher Gewinn

Der auf der Stelle verhaftete Bewohner gab in der Untersuchungshaft zu, Drogen gekauft, konsumiert und weiterverkauft zu haben. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass er «von Juli 2012 oder Juli 2013» bis zum Zeitpunkt der Razzia mindestens 12,9 bis 24 Kilogramm Marihuana und 2,5 bis 7,2 Kilo Cannabis erworben hatte.

Zwischen 4,4 und 22,5 Kilo des Grases und 900 Gramm bis 7,2 Kilogramm des Cannabis habe er veräussert, um seine IV-Rente aufzubessern, glaubt die Anklagebehörde. In derselben Zeit ­habe er auch mit kleinen Mengen von Amphetaminen gedealt. Den Gesamtumsatz schätzt die Staatsanwaltschaft auf 50'000 bis 350'000 Franken, den Gewinn auf 10'000 bis 150'000 Franken.

Diese Angaben beruhen, wie die Anklägerin vor dem Regionalgericht Emmental-Oberaargau ausführte, auf Aussagen, die der Beschuldigte bei Einvernahmen gemacht hatte. Und auf der Buchhaltung, die er in Notizbüchern führte.

Nur für Bekannte und Freunde

Vor Gericht zog der einschlägig vorbestrafte und gesundheitlich offensichtlich angeschlagene Schweizer seine Geständnisse teilweise zurück. Drogen gekauft und konsumiert habe er, räumte er ein. Doch von Dealen könne keine Rede sein. Nur Bekannten und Freunden habe er gelegentlich Stoff abgegeben, wenn sie bei ihm zu Besuch gewesen seien.

Die Staatsanwältin empfahl dem Gericht, den Mann wegen gewerbsmässiger Widerhandlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz für 24 Monate hinter Gitter zu stecken und mit einer Geldstrafe von 1200 Franken zu belegen. Er habe seine Geschäfte «einigermassen professionell» und «mit einer beacht­lichen kriminellen Energie» ­abgewickelt. Weil er ohne Bewilligung eine Handfeuerwaffe erstanden habe, sei er zusätzlich mit 700 Franken zu büssen.

Eine bedingte Freiheitsstrafe von 12 Monaten und eine Busse von 500 Franken erachtete die Gegenseite als angemessene Sanktion. Bezüglich der Drogenmengen und des Deliktzeitraums würden grosse Unklarheiten bestehen, führte die Praktikantin der Pflichtverteidigerin aus. ­Darüber hinaus sei ihr Klient von Anfang an geständig gewesen. Um einen Grossdealer handle es sich nicht.

Nicht Pech, sondern Glück

Das Gericht verurteilte den Mann wegen gewerbsmässiger Widerhandlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz und einer Widerhandlung gegen das Waffengesetz zu einer Freiheitsstrafe von 18 Monaten. Die Hälfte dieser Zeit verbringt er hinter Gittern, der Rest wurde bedingt verhängt. Weiter hat er eine Geldstrafe von 30 Tagessätzen à 60 Franken zu bezahlen, eine Busse von 500 Franken zu entrichten und die Verfahrenskosten von 14'000 Franken zu tragen.

«Sie sind tatsächlich kein skrupelloser Grossdealer», sagte Gerichtspräsident Roger Zuber zum Frischverurteilten. Doch letztlich habe der Mann jahrelang mit Drogen gehandelt und dabei einen Umsatz von sicherlich 107'000 Franken und einen Gewinn von mindestens 24'000 Franken erzielt, rechnete Zuber vor.

Angesichts dieser Zahlen und mit Blick auf die Vorstrafe sei ein «Bedingter» für das Gericht «keine Option» gewesen. Wenn er glaube, mit diesem Urteil Pech gehabt zu haben, liege er falsch, gab Zuber dem Mann mit auf den Weg. Tatsache sei, dass er von Glück reden könne, nicht die ganze Strafe absitzen zu müssen.

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