Kultur zum Anfassen

Burgdorf

Bereits zum 11. Mal fand in Burgdorf die Kulturnacht statt. Kinder ab 5 Jahren und Erwachsene kamen auf ihre Rechnung: Musik, Theater, Märchen, Träumereien und Begegnungen – in den Gassen, in historischem Gemäuer.

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Die Sonne wärmt durch die Fenster des Gemeindesaals, als Mitglieder des gemischten Chors Cantabella ein Bett auf die Bühne bringen. Soll da – eingepackt in «sweet dreams» – wohl Unseriöses dem zahlreichen ­Publikum präsentiert werden? Natürlich nicht. Lediglich die Songs zu Träumereien werden damit eingelullt, bis zum finalen Schreckensschrei einer Schläferin, die unsanft vom Monster im Träumli aufgeschreckt wird.

Auch alles andere als harmlos geht es in den stimm- und wortgewaltigen Geschichten für kleine Leute von Lorenz Pauli in der Stadtbibliothek zu. Da bittet doch Mäuschen Rosa ausgerechnet den furchteinflössenden Leoparden Rigo um Schutz und ein weiches Lager in seinem kuscheligen Schwanz. «Du weisst aber, dass ich Fleisch fresse», knurrt Rigo, doch Rosa ist überzeugt, dass sie bei ihm gut schlafen kann und nichts befürchten muss. Genau so ist es.

Und auch der vorwitzige ­Affe Fips und ein hungriger Fuchs, der das Huhn nicht frisst, sondern lesen lernt, tummeln sich in den Geschichten von und mit ­Lorenz Pauli. Seine Präsenz, Stimmgewalt und Ausstrahlung ziehen die Kinder in ihren Bann.

Klänge in der Stadtkirche

Noch sind die Plätze und Gassen der Stadt relativ leer – das schöne Wetter ruft zu Gartenarbeiten und Spaziergängen. Nur am Imbissstand der Berliner Currywurst mit Pommes in den Marktlauben warten ein paar Hungrige auf die legendäre Wurst.

Und Drehorgeln und Steelband wetteifern um offene Ohren des Publikums. Die Töne steigen hinauf zum Schloss, wo Wortgebilde, vorgetragene Gedichte und mörderische Fantasien die Gräuel aus den Verliessen lebendig werden lassen. Dazwischen etwas Kunst im Knast, ein keckes It-Girl als Performerin oder edle Damen und Ritter im Schlosshof, wo sie im authentischen Look Turniere und Ritterzeit zelebrieren.

In der Stadtkirche erklingt die Messe von Josef Gabriel Rheinberger, intensiv dargeboten vom Vokalensemble Laudamus mit einfühlsamer Orgelbegleitung. Die Zuhörer geniessen diese Klänge, die zu Ruhe und innerer Einkehr auffordern. Denn die Kulturnacht ist noch jung und lang, da hat es für Mannigfaltiges Platz.

Etwa in der Musikschule, wo Cabaretsongs von George Gershwin und Benjamin Britten umwerfend gesungen und voller Witz und Charme präsentiert werden – mit Sandra Rohrbach (Mezzosopran) und Kathrin Hartmann am Klavier. Ein veritabler Top Act, der aufzeigt, dass sich auch schon früher Männer aus dem Staub machten, der Wunsch nach dem Aussehen einer Loreley nicht erst durch heutige Modelwettbewerbe ein Thema ist und der Tod des geliebten Haustieres eine Sinnkrise auslösen kann. Liebe, Lust und Eifersucht, voller Leidenschaft und Spielfreude interpretiert.

Mal laut, mal leise

Ganz andere Töne lässt das ­Grooveduo Chubby Buddy im restlos überfüllten Schmiedechäuer auf sein Publikum los. Die rockig-bluesigen Rhythmen reissen mit, bringen Beine zum Stampfen und Köpfe zum Wackeln. Die beiden Musiker haben den Dreh raus und verbrüdern sich verbal und musikalisch mit ihren Fans.

Noch ein Abstecher in den Stadthauskeller, wo Per­formerin Syléna Vincent eine ­unerfreuliche Dreiecksbeziehung unter Studenten thematisiert und diese dank peppigen ­Gitarrensongs zu einem friedlichen Abschluss bringt.

Noch viele laute oder leise ­Vorstellungen, Konzerte, Präsentationen und/oder Actions sind in 30 Hotspots zu sehen und zu hören. Zum Abschluss der diesjährigen Kulturnacht lässt Musikschuldirektor Armin Bachmann seine Posaune lautstark klare Töne über den Kronenplatz schweben. Freuen wir uns auf die nächste Burgdorfer Kulturnacht.

Berner Zeitung

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