Lauter Abschied von einem Kultanlass

Emmenmatt

Bye-bye Bridge-Party: Am Wochenende fand das Musikfestival auf der Holzbrücke zum einundzwanzigsten und letzten Mal statt. Viele treue Fans sorgten noch einmal für Stimmung.

Ein letztes Mal feiern, trinken und tanzen: Unter anderem griff die Grenchner Band Basement Saints auf der Brunnmattbrücke in die Saiten.

Ein letztes Mal feiern, trinken und tanzen: Unter anderem griff die Grenchner Band Basement Saints auf der Brunnmattbrücke in die Saiten.

(Bild: Andreas Marbot)

Sie soll noch einmal richtig ge­feiert werden: Die einundzwanzigste Ausgabe der Bridge-Party in Emmenmatt ist gleichzeitig die letzte. Schon lange waren deshalb der 11. und 12. August bei vielen Emmentalern in der Agenda für den Kultanlass reserviert.

Die Fans machen sich am Freitagabend nochmals auf, um gute Musik und ein paar Drinks auf der bebenden Holzbrücke zu geniessen. Während man bei zehn Grad, mit Nieselregen und kaltem Wind vom Parkplatz zur Brücke spaziert, kommen zwar etwas Zweifel an dem Vorhaben auf.

Doch man lebt ja schliesslich auf dem Lande und weiss sich entsprechend zu kleiden: Jeans, Stiefel, Winterpullover, dicke Lederjacke und Schal – ein eher untypisches Outfit für eine Party im August. Aber jammern gilt nicht, denn Hartgesottenere wollen trotz Kälte sogar in ihren Campern auf dem Festivalgelände übernachten.

Bier und Rock ’n’ Roll

«Wegen des starken Regens haben wir heute noch mehrere Stunden nach einer Lösung für die Parkplätze gesucht», sagt Thomas Brunner. Er war viele Jahre Präsident des Vereins Bridge-Party und ist nun zuständig für die Bands und das Areal.

Da die meisten Autos auf den Feldern parkiert werden müssen, sind bei dem nassen Wetter Landschäden vorprogrammiert. Doch deswegen gebe es – wie auch all die Jahre zuvor – keine Schwierigkeiten mit den Land­besitzern, meint Brunner.

Schon um 22.30 Uhr sind die Feldränder zugeparkt. Die Brücke ist gut gefüllt, und die erste Band steht auf der Bühne. Wie im Frühling angekündigt, ist der Eintritt dieses Jahr gratis. Ein Eintrittsbändeli gibt es trotzdem. «Um dem Jugendschutz Rechnung zu tragen», erklärt die Frau am Eingang.

Mit einem blauen Bändeli ums Handgelenk ist das erste Bier rasch organisiert. Zu den harten Klängen von «Basement Saints» wird angestossen und die Menge nach bekannten Gesichtern abgesucht. Mit alten Freunden begibt man sich sodann in die vorderen Reihen, als der nächste Act die Bühne betritt.

Zum Rock ’n’ Roll der «Modern Day Heros» aus Biel werden Haare geschüttelt, wird mit den Beinen gestampft und sogar ein sphärischer Tanz mit Leuchtstäbchen vollführt. Oder ist das Luftschlagzeugspielen?

Der harte Kern

Während sich Dreissigjährige an anderen Festivals schon etwas alt vorkommen müssen, gehören sie an der Bridge-Party eher zum jüngeren Publikum. Und der harte Kern der Bridge-Party-Besucher ist nicht nur zufrieden mit ihren Nachfolgern: «Wisst ihr Jungen eigentlich überhaupt noch, was Lärm ist?», fragt eine 46-Jährige, als der Applaus für das letzte Lied der Band nicht so laut ausfällt, wie sie es gewohnt ist.

Jedes Jahr sei sie am Festival gewesen, sagt die Frau aus Zäziwil. Und jedes Jahr treffe sie hier ihren 50-jährigen Bekannten aus Sumiswald. «Jetzt sehen wir uns ja gar nicht mehr», stellt sie plötzlich fest und tätschelt den Arm ihres alten Freundes.

Für sie sei es ein Schock gewesen, dass die Party dieses Jahr zum letzten Mal stattfindet. «Ich habe mein heute 20-jähriges Kind noch im Kinderwagen über diese Brücke geschoben.»

Ihr Begleiter ergänzt: «Wir haben schon hier in der Emme gebadet, als die Brücke noch gar nicht stand.» Doch auch jüngere Besucher verbinden viele Erinnerungen mit dieser Party: «Bei uns hat man sich verliebt, verlobt, Geburtstage und Polterabende gefeiert», sagt Thomas Brunner.

Prost: Vereinspräsident Jürg Zaugg (links) und der langjährige Festivalchef Thomas Brunner stossen auf die letzte Bridge-Party an. Bild: Andreas Marbot

Immer wieder ausverkauft

Der 45-Jährige hat mit dem ­SRF-3-Best-Talent Jack Slamer für den allerletzten Abend eine Band engagiert, die manchen Gast sogar zum ersten Mal an die Bridge-Party lockt. «Wir können der Band keine hohe Gage bezahlen, sie haben trotzdem rasch zugesagt», sagt Brunner.

Die Künstler würden vor allem die Ehrlichkeit des Festivals mögen. «Wir kochen sogar Hörnli mit Gehacktem und in Sirup eingelegte Apfelschnitze für die Bands. Andernorts bekommen sie nur Tortellini aus der Tüte.»

Der Aufwand lohnt sich: Der Besucher staunt nicht schlecht, als er am Samstagabend um 23 Uhr nur noch mit Glück ein Eintrittsbändeli ergattern kann. Denn über 450 Personen erweisen der Party die letzte Ehre. «Ich glaube nicht, dass ich schon einmal so viele Leute auf der Brücke gesehen habe», bemerkt ein junger Festivalgast.

Doch der ehemalige Vereinspräsident Brunner weiss: «Auch in früheren Jahren war die Party ausverkauft.» Dass nun auch an der letzten Ausgabe ein Eintrittsstopp verhängt wird, klingt doch sehr nach einem würdigen Abschied.

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