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Leerlauf statt Sonntagsverkauf

Am zweiten Sonntagsverkauf in Burgdorf dominierten grossmehrheitlich menschenleere Gassen und Geschäfte das Gesamtbild. Läden, die geöffnet hatten, bildeten die Ausnahme.

Leere Gassen und kein Glühwein: Sonntagsverkauf in Burgdorf.
Leere Gassen und kein Glühwein: Sonntagsverkauf in Burgdorf.
Olaf Nörrenberg
Vroni Schär nimmts gelassen. Tritt niemand in ihren Laden, vertreibt sie sich die Zeit mit Zeitunglesen.
Vroni Schär nimmts gelassen. Tritt niemand in ihren Laden, vertreibt sie sich die Zeit mit Zeitunglesen.
Olaf Nörrenberg
«Leider wurde der Sonntagsverkauf schlecht publiziert», findet Sibylle Gosteli (rechts) vom Blumenhandwerk.
«Leider wurde der Sonntagsverkauf schlecht publiziert», findet Sibylle Gosteli (rechts) vom Blumenhandwerk.
Olaf Nörrenberg
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Die Oberstadtgassen präsentieren sich an diesem dritten Advent grau und wirken eher abweisend. Nur gerade die Tannenbäumchen an den historischen Sandsteinfassaden lassen erahnen, dass in einer Woche Weihnachten ist. Weit und breit liegt kein Schäumchen Schnee, und es hängt auch kein Duft von Glühwein in der Luft. In den Gassen sind keine hektisch eilenden Menschen unterwegs, niemand ist auf der Suche nach einem letzten Weihnachtsgeschenk. Würde ein Plakat auf dem Kronenplatz nicht darauf hinweisen, dass der zweite Sonntagsverkauf stattfindet, würde man meinen, es handle sich um einen ganz gewöhnlichen Sonntag.

In der oberen Altstadt haben längst nicht alle Geschäfte ihre Türen geöffnet. Nebst der alteingesessenen Parfümerie Metzler warten der Laden Style and Home, das Blumenhandwerk Sibylle Gosteli oder das Geschäft für Innendekoration von Vroni Schär auf Kundschaft. Der Teeladen auf dem Kronenplatz, der von Thomas Grimm geführt wird, dagegen hat seine Türen geschlossen.

Auch nach Kinderspielsachen würde man an diesem dritten Advent vergebens suchen. Der «Kleine Buchi» in der Schmiedengasse macht nur ge­rade mit einem beleuchteten Schaufenster am Sonntagsverkauf mit. Dafür haben der altehrwürdige Buchladen Langlois und Messer Klötzli an der Hohengasse ihre Türen geöffnet.

Kein Miteinander

In der wenig belebten Schmiedengasse flaniert gegen Mittag ein jüngeres Ehepaar mit einem Kleinkind. Auf die Frage, ob sie am Ende wegen des Sonntagsverkaufs in der Altstadt unterwegs seien, winken sie desinteressiert ab. Derweil sitzt Vroni Schär in ihrem geschmackvollen Inneneinrichtungsladen und wartet auf Kundschaft. Ihr zu Füssen liegt ihr strubeliger Hund. Weit und breit sind keine potenziellen Käufer zu sehen.

«Ich nehme es locker», sagt Vroni Schär, die ihre Kundinnen und Kunden jeweils persönlich anschreibt, lächelnd. Das Einkaufsverhalten habe sich, nicht zuletzt wegen des Onlinehandels, stark verändert. Bereits vor einem Jahr sei die Situation ähnlich gewesen: kaum Laufkundschaft, trotz Sonntagsverkauf. Gegen die Langeweile helfe die Zeitungslektüre.

Dass längst nicht alle Läden am Sonntagsverkauf offen hätten, habe wohl auch mit dem «Gärtlidenken» der Geschäftsbetreiber zu tun. «Man spricht sich nicht ab.» Trotz Oberstadtanlässen wie der «Lange Tisch» bleibe leider vieles beim Alten, bedauert die frühere Designhaus-Geschäftsfrau.

Eine der wenigen Oberstadtpassantinnen sieht sich im aparten Blumenhandwerk Gosteli um. Die einzige Kundin Esther Kugler kennt sich aus mit der Geschäftsproblematik in der oberen Altstadt. Denn zwei Jahre lang hat sie im ehemaligen «Mädere»- Gebäude einen Kleiderladen geführt, den sie inzwischen aus Rentabilitätsgründen aufgegeben hat. Heute kauft sie bewusst in der Oberstadt ein. Gosteli freuts, auch wenn ihr Laden an diesem Sonntag ansonsten kaum Kundschaft hat. Leider sei der Sonntagsverkauf schlecht publiziert worden, bedauert sie.

Kaum Leute in der Unterstadt

Auch in der Unterstadt ist keine vorweihnächtliche Einkaufshektik zu spüren. Im Bahnhofsquartier bleiben ebenfalls viele Läden geschlossen. Ein Paar mit einem Kleinkind im Wagen, das nicht namentlich erwähnt werden möchte, sucht vor der Vestita vergebens nach einem Karussell. Dieses sei nur am Weihnachtsmarkt Anfang Dezember vor Ort gewesen, klärt eine rare Passantin auf. Wie die Familie hält auch Susanna Baumgartner spezielle Sonntagsverkäufe für unnötig. Dies wegen der bereits liberalisierten Ladenöffnungszeiten.

Martin Wüthrich vom Kleiderladen Vestita vermutet, dass der gleichentags in Bern stattfindende Sonntagsverkauf ein Grund sein könnte für das Ausbleiben der Kunden. Möglicherweise aber hätten sich viele bereits am Weihnachtsmarkt mit Geschenken eingedeckt. Dieser sei gut besucht worden.

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