Maschinen statt Holzelemente

Emmenmatt

Nach nur zwei Jahren im Zeughaus-Areal in Langnau wurde es der Spezialmaschinen-Entwicklerin Twin Automation zu eng. Nun steht der Umzug in die ehemalige Zimmereihalle der Holzbaufirma Hertig bevor.

Michael Studer in der neuen Firmenhalle. Im Hintergrund seine Mitarbeiter Christian Gerber (links) und Matthias Herrmann.

Michael Studer in der neuen Firmenhalle. Im Hintergrund seine Mitarbeiter Christian Gerber (links) und Matthias Herrmann.

(Bild: Thomas Peter)

Der Anhänger mit dem Werbeschriftzug «Twin Automation» steht nahe der Eingangstüre. Es macht fast ein bisschen den Anschein, dass hier ein ungeübter Autofahrer am Werk war. Doch das Bild täuscht: Die ungewöhnliche Position ist gewollt. «So finden uns die Kunden.» Denn die beschrifteten Schilder, die für den Eingangsbereich bestellt seien, würden erst in der nächsten Woche geliefert, erklärt Michael Studer, Geschäftsführer und Mehrheitsinhaber der Firma Twin Automation.

Der Anhänger steht in Emmenmatt bei der Halle der Walter Hertig AG. Bis vor kurzem wurden hier Holzelemente für Häuser angefertigt. Nun ist sie praktisch leer, lediglich ein Stapler, eine Hebebühne und einzelne Metallgestelle stehen darin. «Wir sind am Zügeln», sagt Studer. Ende Juni sollte der Umzug vom alten Standort, dem Zeughaus-Areal in Langnau, nach Emmenmatt abgeschlossen sein. Bereits eingerichtet sind indessen die Büroräume im Obergeschoss des Gebäudes. Michael Studer und zwei der Angestellten arbeiten bereits hier.

Ein Zufall

Die Halle ist ungefähr halb so gross wie ein Fussballfeld. «Es ist riesig im Verhältnis zu Langnau», sagt Michael Studer. Platzmangel war auch der Grund, wieso er sein Unternehmen nach Emmenmatt zügelt. Twin Automation fertigt Spezialmaschinen beispielsweise für die Verpackung von Bechern und Kaffeekapseln. «Derzeit haben wir unser Material in drei verschiedenen Räumlichkeiten gelagert», erklärt Studer, der sich schon seit längerem nach einem neuen Objekt umgeschaut hat.

«Allzu gross wollen wir nicht werden. So sind wir näher beim Kunden.»Michael StuderMehrheitsinhaber

Der Zufall wollte es, dass die Holzbau Hertig AG das Bauernhaus seines Bruders Niklaus renovierte. Und bei dieser Gelegenheit erwähnte Walter Hertig, der die Holzbaufirma gemeinsam mit seinem Bruder Beat in der vierten Generation führt, dass er einen Käufer für die Zimmereihalle suche.

Einige Monate und etliche Verhandlungen später sind nun Michael Studer und sein Bruder Niklaus die neuen Eigentümer. «Ich habe gesundheitliche Probleme. Aus diesem Grund mussten wir die Holzbauproduktion aufgeben und benötigten somit die Halle nicht mehr», erklärt Walter Hertig – und fügt hinzu, dass ihre Firma jedoch weiterhin Planungen und Bauführungen ausführe.

Planen, beraten und bauen

So gesehen haben die Holzbaufirma Hertig und Twin Automation eine Gemeinsamkeit: Planen, beraten und bauen – oder wie es Michael Studer ausdrückt: «Vom weissen Blatt bis zur fertigen Maschine.» Das heisst, Twin Automation entwickelt die Maschine und lässt die einzelnen Teile bei Partnerfirmen herstellen. Den Zusammenbau und die Inbetriebnahme der Maschinen übernehmen wiederum Michael Studer und seine Mitarbeiter.

Internationale Kundschaft

Twin Automation ist international tätig. Seit der Firmengründung im Mai 2015 hat sich der Umsatz praktisch versiebenfacht und betrug Ende 2017 etwa eine Million Franken. Derzeit beschäftigt das Unternehmen sieben Vollzeit- und Teilzeitmitarbeiter. Im Juli kommt ein weiterer dazu: Daniel, der Zwillingsbruder von Michael Studer, der ebenfalls über langjährige Branchenkenntnis verfügt. Doch allzu gross werden will Michael Studer nicht. «So sind wir näher beim Kunden.»

Berner Zeitung

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