Zum Hauptinhalt springen

Mit dem Rennvelo auf Gotthelfs Fährten

Fahrradrouten und Erlebnisräume statt Brauchtum und Traditionen: Christian Billau will den Tourismus in der Region neu erfinden. So soll Emmental Tourismus in Zukunft auch neue Attraktionen schaffen.

Christian Billau will Tagesausflügler zu längeren Reisen bewegen.
Christian Billau will Tagesausflügler zu längeren Reisen bewegen.
Thomas Peter

Die Zahl der Übernachtungen im Emmental hat im vergangenen Jahr um 1,8 Prozent zugenommen. Ein gutes Zeichen?Christian Billau: Das leichte Wachstum ist vor allem auf die Wiedereröffnung des Landhauses in Burgdorf zurückzuführen. So haben die Übernachtungen in Burgdorf um 26 Prozent zugenommen. Folglich sind sie andernorts zurückgegangen. Insbesondere die kleineren Gasthöfe verzeichnen einen massiven Rückgang. Die Leuchtturmbetriebe dagegen wie das Kemmeriboden-Bad oder der Bären ­Dürrenroth sind in der Region konstant.

Woran liegt das?Diese Gasthöfe befinden sich häufig in einer Negativspirale. Wegen der geringeren Einnahmen können sie weniger investieren. Und sind die Zimmer nicht mehr auf dem neusten Stand, vermerken dies die Touristen auf den Buchungsplattformen oder in Foren. Was zu noch weniger Buchungen führt. Zudem übernachten zunehmend Touristen lieber in den Zentren und machen von dort aus Tagesausflüge.

Woher kommen die Touristen, die das Emmental besuchen?Die Übernachtungsgäste kommen mehrheitlich aus der Schweiz. Die ausländischen Gäste kommen aus Deutschland, gefolgt von Frankreich, den Niederlanden und den USA.

Wie müsste sich das Emmental denn verkaufen, um Touristen nicht nur für kurze Ausflüge ­anzulocken?Es braucht eine klare Positionierung. Dazu muss man Mut zur Lücke haben und einen klaren Fokus legen. Wir von Emmental Tourismus sehen drei Schwerpunkte: aktiv in der Natur, Agrotourismus sowie Genuss und ­Kultur.

«Es sollen auch junge Touristen ins Emmental ­kommen.»

Und was ist mit Brauchtum und Tradition? Dafür ist das Emmental doch bekannt.Das fällt unter die Sparte Kultur. Wobei wir damit mehr die ältere Generation ansprechen. Dies zeigt die Erfahrung. Doch sollen auch jüngere Leute ins Emmental kommen.

Wodurch wollen Sie diese ­erreichen?In diesem Jahr wollen wir das ­Angebot für Rennvelofahrer beispielsweise ausbauen. Das Emmental bietet schöne Aussichtspunkte. Und es können auch Leute, für welche die Fahrt über einen Bergpass zu anspruchsvoll ist, die Strecken quer durch die hüglige Landschaft meistern. Das Terrain ist dafür optimal.

Wie will Emmental Tourismus dieses Angebot schaffen?Bis Ende Jahr werden acht bis neun Velorouten ausgearbeitet. Dafür werden wir mit den lokalen Rennveloclubs, den Fahrradläden, den Hotels und Restaurants zusammenarbeiten. Es sollen auf den Strecken die Verpflegungs- und Übernachtungsmöglichkeiten verzeichnet sein sowie die Geschäfte, wo das Fahrrad repariert werden kann. So sollen buchbare Packages entstehen. Zusammenarbeiten und gemeinsame Angebote schaffen ist wichtig für die Tourismusregion.

Welche Rolle spielt Emmental Tourismus bei dieser Zusammenarbeit?Wir möchten die Anbieter besser miteinander vernetzen. So organisieren wir ab diesem Monat Treffen für die verschiedenen Akteure wie Hotels, Museen und die Anbieter von Tourismusattraktionen und Gemeinden. Dadurch sollen weitere Angebote geschaffen werden.

Hat es im Emmental denn genug Touristen, damit sich das Aufbauen solcher Angebote überhaupt lohnt?Die Hauptattraktionen ziehen viele Leute an. Das Kambly-Museum hat 400 000 Besucher im Jahr. Die Schaukäserei 300 000. Doch nach wenigen Stunden sind diese Ausflügler wieder weg. Nun muss dafür gesorgt werden, dass deren Aufenthaltsdauer verlängert wird. Das kann man schaffen, indem die verschiedenen Attraktionen zusammenarbeiten, aufeinander verweisen, Tours anbieten oder kombinierte Tickets verkaufen. Damit sie dies können, müssen sie aber erst mehr über die anderen Angebote erfahren. Diesen Austausch sollen unsere Vernetzungstreffen fördern.

Will Emmental Tourismus nebst der Vernetzung die neuen Angebote auch vermarkten?Wir haben ein entsprechendes Netzwerk, um die Angebote zu streuen. Beispielsweise durch unsere Beziehungen zu Schweiz Tourismus und Bern Tourismus. Doch wir sehen uns nicht mehr als reinen Vermarkter.

Weshalb nicht?Bislang haben wir Werbung in verschiedenen Magazinen und auf Onlineplattformen gemacht. Das hat jedoch nicht viel bewirkt. Denn unser Budget ist zu klein dazu, grosse Kampagnen zu schalten. Da haben Bern Tourismus oder Schweiz Tourismus mehr Möglichkeiten. Mit ihnen wollen wir in Zukunft noch stärker zusammenarbeiten.

Weshalb hat sich denn Emmental Tourismus überhaupt so ­lange Zeit auf die Vermarktung konzentriert?Weil dies klassische Aufgabe einer Destinationsmanagementorganisation ist. Als Emmental Tourismus Anfang 2015 privatisiert wurde (siehe Box), haben wir uns jedoch neu ausgerichtet. Seither haben wir ein neues Mandat von der Regionalkonferenz. Dieses legt den Schwerpunkt weniger auf die Vermarktung.

Die Zahlen des Bundesamts für Statistik zeigen, dass im letzten Jahr Städte wie Olten bei den Hotelübernachtungen zulegen konnten, weil dort vermehrt Kongresse stattfinden. Könnte sich Burgdorf in diesem Markt ebenfalls etablieren?Grundsätzlich schon. Man könnte noch viel enger mit der Markthalle zusammenarbeiten und gemeinsam mit den Hotels Pauschalangebote für Kongresse anbieten. Gerade bei grösseren Versammlungen hat Burgdorf jedoch einen Nachteil. Es gibt kein Hotel, das genug gross ist und viele Zimmer hat.

Das wäre doch eine gute Möglichkeit für die Hotels zur ­Zusammenzuarbeit.Oft wünschen die Teilnehmer im selben Hotel zu sein. Es wäre deshalb sicher schwieriger, Burgdorf als Kongressstadt zu verkaufen.

Will Emmental Tourismus ­diesbezüglich aktiv werden?Wir könnten in Zusammenarbeit mit den grösseren Hotels und der Markthalle bestimmt bis zu einem gewissen Grad mithelfen. Doch haben wir auch nur beschränkte Ressourcen. Derzeit haben wir 150 Stellenprozente. Aber wir geben unser Bestes, und es bestehen aktuell Bemühungen seitens aller Akteure, dies anzugehen.

Sind in der Region auch ­Sharingplattformen wie Airbnb ein Thema?Es gibt schon recht viele Anbieter solcher Ferienwohnungen. Insbesondere im Raum Burgdorf und im oberen Emmental.

Macht Emmental Tourismus auch auf diese Angebote aufmerksam?Wir bekämpfen das Angebot von Airbnb nicht. Das gehört heute einfach dazu. Aber wir weisen auch nicht darauf hin. Grund ­dafür ist, dass die Anbieter dieser Übernachtungsmöglichkeiten keine Tourismusabgaben entrichten. Auf grössere Buchungsplattformen wie Booking.com oder E-Domizil weisen wir aber auf unserer Website schon hin. Aus dem einfachen Grund, weil diese ein flächendeckendes Angebot aufweisen.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch