Moser will bis zuletzt um die Luegarena kämpfen

Luegarena

Gegen den Abbruch der Überdachung der Luegarena formiert sich Widerstand. Lueg-Inhaber Jörg Moser will sich dem Bundesgerichtsentscheid nicht beugen: Er setzt auf politischen Druck und eine Umzonung.

Während der Eröffnung vor fünf Jahren strahlte Jörg Moser. Erst später stellte sich heraus, dass die Stahlträgerkonstruktion über der aussichtsreichen ­Tribüne in der Landwirtschaftszone in dieser Form nicht bewilligt worden war.

Während der Eröffnung vor fünf Jahren strahlte Jörg Moser. Erst später stellte sich heraus, dass die Stahlträgerkonstruktion über der aussichtsreichen ­Tribüne in der Landwirtschaftszone in dieser Form nicht bewilligt worden war.

(Bild: Daniel Fuchs)

Chantal Desbiolles

Empfindlich getroffen haben ihn die Gerichtsurteile. Lueg-Inhaber und Mäzen Jörg Moser sagt, nach dem Entscheid des Bundesgerichts sei er «abgetaucht»: Öffentlich zum verfügten Abbruch der Metallträgerkonstruktion über seiner Luegarena hat er sich seither nicht geäussert. Nun spürt der Mitinhaber der Seminarhotelbetreiberin Emmentaltop GmbH Unterstützung, die er dringend nötig hat: Ein Komitee hat sich formiert, das sich für die Rettung der Erlebnisbühne Emmental starkmacht.

Diese Bühne – Infrastruktur im Umfang von 1,2 Millionen Franken – habe er für die ganze Region bauen lassen, sagt Moser. Entsprechend erwarte er, dass sich die Regionalkonferenz auch für deren Erhalt starkmache. Lange spricht er über seine Vorstellung einer Erlebnisoase zwischen Schaukäserei Affoltern als Besuchermagneten und der Lueg, die er als «das Zentrum des Emmentals» bezeichnet. Auch sei er daran, einen Radiosender Lueg für ein volkstümliches Publikum aus der ­Taufe zu heben und ein volkstümliches Zentrum vor Ort aufzubauen.

Jörg Moser, ein Komitee soll Ihre Erlebnisbühne retten. Mit Nationalrat Hans Grunder, Touristiker Kurt Schär und Alt-Schwingerkönig Silvio Rüfenacht haben Sie prominente Zugpferde für Ihr Anliegen eingespannt. Was erhoffen Sie zu erreichen?Jörg Moser: Es sind viele Leute an mich herangetreten und haben gesagt: Wir können das nicht verstehen. Tut etwas!

Wie viele Leute sind dem Aufruf «Rettet die Luegarena» bisher gefolgt?Ich habe zurzeit keinen Überblick über konkrete Zahlen – es kommen täglich neue Anmeldungen dazu.

Warum kommt diese Mobilisierung so spät? Bereits das Verwaltungsgericht verlangte den Abbruch.(Seufzt) Solche Entscheide lesen die Leute doch nicht. Der Bundesgerichtsentscheid hat sie aufgerüttelt. Aufgehorcht haben sie, weil die Richter zum Schluss kamen, dass auch den Kanton und die Gemeinde und den Moser eine Schuld trifft.

Konkrete Schlussfolgerung der obersten Instanz ist, dass die Dachkonstruktion nicht bewilligt worden ist.(Enerviert) Ich kann doch nicht ein bewilligtes Dach am Himmel aufhängen!

Diese Feststellung hilft Ihnen nun auch nicht mehr weiter: Die Schlacht ist an der juristischen Front geschlagen und verloren.Warten Sie nur ab. Ich bin ein Kämpfer. Ich gebe nicht auf. Ich setze mich dafür ein, dass die Erlebnisbühne für das Emmental erhalten bleibt.

Mit welchen Waffen denn?Das kann ich zurzeit nicht sagen.

Wie wollen Sie verhindern, dass die Überdachung auf Ende dieser Spielzeit abgebrochen werden muss?Es geht darum, politischen Druck aufzubauen. Wir leben in einer Demokratie, da geht es auch um eine Volksmeinung und um Solidarität für die Region und das Emmental. Das ist allerdings nur eine Stossrichtung.

Und die andere?Es sind drei Schienen, auf denen wir jetzt parallel unterwegs sind: auf der juristischen, der planerischen Ebene und, ja, auch auf deren der Umsetzung.

Planerisch hiesse ja, Sie gehen den Bewilligungsweg von Anfang an neu.Nein. Wir sind hier in der Landwirtschaftszone. Vor zehn Jahren habe ich beantragt, die Lueg in eine Hotelzone zu überführen. Der Gemeindepräsident musste dazu die regionale Bedeutung unseres Betriebs nachweisen, was er getan hat. Beim Amt für Gemeinden und Raumordnung ist die Eingabe liegen geblieben. Vor drei Jahren haben wir die Gemeinde an die Umzonung erinnert. Während der Ortsplanungsrevision hat uns die Gemeinde ­jedoch vergessen. Nun haben wir Gespräche aufgenommen. Die Eingabe für eine Tourismuszone ist hängig. Sie soll noch in diesem Jahr in die Mitwirkung kommen. Inzwischen unterstützt die Gemeinde alles, was auf legalem Weg dazu führt, die Luegarena zu erhalten. Sie nimmt jetzt ihre wirtschaftliche Verantwortung wahr.

Die Träger müssen weg: Geht es nach den obersten Richtern, so werden sie im Herbst abgebrochen. Foto: Marcel Bieri.

Sprechen wir über die ­juristische Seite.Da habe ich Schritte eingeleitet. Mehr kann ich dazu zurzeit nicht sagen.

Also bleibt noch die dritte ­Schiene: der Rückbau.Da stellt sich die Frage des Masses. Ich habe eine Bewilligung für die Storen. Wenn, dann würden wir nur über einen Teilabriss sprechen, das müssen wir prüfen. Aber damit setze ich mich noch nicht auseinander. Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.

Ohne Überdachung keine Luegarena und keine Veranstal­tungen mehr, verstehe ich Sie richtig?Veranstaltungen der Spitzenklasse wie «Mühli Lueg» können Sie vergessen. Im Boden sind 28 Audiokabel eingelegt, unter dem Dach hängen zig Scheinwerfer, dann erst all die Anschlüsse . . . Das wird nicht mehr möglich sein.

Ich dachte an die Wettersicherheit: Das Risiko einer geringen Auslastung bei teuren Produktionen ist ohne Dach zu gross.Absolut. Denken Sie an Murten: Jene Veranstalter, die unter freiem Himmel grossartige Events angeboten haben, sind in Konkurs gegangen. Da bei Regen die Zuschauer das Geld zurückbekommen und aus zeitlichen Gründen kurzfristig nicht mehr zurückkommen können.

Und wenn sie herkommen, ­sehen sie statt «Moulin Rouge» nun «Mühli Lueg». Das muss Sie schmerzen.Das ist einfach nur peinlich. Da geht ein Pariser Goliath auf David im Emmental los!

Bei den Philistern findet Goliath am Ende den Tod. Haben Sie sich gegen die Klage wegen Verletzung des Markenrechts gewehrt?Wir hätten durchaus Chancen ­gehabt. Das Schweizer Recht besagt: Wenn in den letzten fünf Jahren kein Cabaret «Moulin Rouge» aufgeführt worden ist, darf die Marke verwendet werden. Internationales Recht, das übergeordnet ist, legt das sehr viel strenger aus. Dennoch wollte ich mich zur Wehr setzen. Aber drei Wochen vor der Premiere und mit der Androhung einer superprovisorischen Verfügung war das Risiko einer Absage zu gross. Wir haben sogar eine Beteiligung an den Einnahmen angeboten. Doch darauf wollte die Gegenseite nicht eintreten. Am Ende hat eine Kosten-Nutzen-Analyse den Ausschlag gegeben: Wir änderten den Namen.

Ist Ihnen die Lust am Veran­stalten dabei nicht endgültig vergangen?Definitiv nicht, nein. Ich wusste, dass wir eine wunderbare Inszenierung auf Weltklasseniveau ins Emmental bringen werden. All die positiven Reaktionen und ­Berichterstattungen geben uns recht. Es macht mir sehr viel Spass, den Leuten Freude zu bereiten.

Das Komitee kündigt eine Reihe von Aktionen wie Publikumsveranstaltungen und Sponsorenanlässe an.Das bezieht sich auf das Angebot, das wir hier bereits haben.

Sie setzen also allein auf die Strahlkraft von «Mühli Lueg»?Nein – auch auf eine Zukunft, in der wir noch viele unterhaltsame Stunden den Menschen bringen wollen. Unser Angebot hat über drei Jahre hinweg die Leute überzeugt. Wir hatten hier internationale Boxturniere, Marco Rima war da, Stephan Eicher, die Andrew-Lloyd-Webber-Gala und mehr, kurz: Wir haben dem Emmental etwas gebracht. Nun haben wir die besten Sänger und Tänzer aus Paris hier auf die Bühne gebracht und stehende Ovationen beim Publikum ausgelöst.

berneroberlaender.ch/Newsnetz

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt