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Neue Bussenpraxis sorgt für Ärger

Geschäftsbesitzern am Kronenplatz in Burgdorf sticht es gehörig in die Nase, dass die Polizei seit kurzem Kurzparkierer rigoros büsst. Die geänderte Regelung geht auf einen Beschluss des Gemeinderates zurück. Im Visier hatte dieser aber ein anderes Ziel.

Ein Parkfeld an der Hohengasse:?1950 konnten Autofahrer unbeschränkt lange parkieren, ohne gebüsst zu werden.
Ein Parkfeld an der Hohengasse:?1950 konnten Autofahrer unbeschränkt lange parkieren, ohne gebüsst zu werden.
Louis Bechstein
Das Parkfeld vor der E.?Seiler AG ist längst verschwunden:?Wer hier anhält, um Waren ein- oder auszuladen, riskiert einen Buszettel von der Kantonspolizei, obwohl der Warenumschlag gestattet ist.
Das Parkfeld vor der E.?Seiler AG ist längst verschwunden:?Wer hier anhält, um Waren ein- oder auszuladen, riskiert einen Buszettel von der Kantonspolizei, obwohl der Warenumschlag gestattet ist.
Thomas Peter
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In letzter Sekunde konnte Urs Mürner verhindern, dass ihm ein Kantonspolizist einen Bussenzettel unter den Scheibenwischer klemmte. Der Besitzer der Wychäuer Ämmitau GmbH in der Burgdorfer Oberstadt hatte seinen mit dem Firmenlogo beschrifteten Wagen just vor seinem Laden parkiert, um Weinkisten einzuladen, als der Polizist zur Tat schreiten wollte. Denn Parkieren ist an diesem Ort nicht erlaubt.

Die Kantonspolizei habe von der Sicherheitsdirektion der Stadt den Auftrag erhalten, Parksünder konsequenter zur Kasse zu bitten, habe ihm der Uniformierte erklärt. Mit diesem habe er dann ein gutes Gespräch geführt, so Mürner, und letztlich auch keine Busse erhalten.

In der Flanierzone

«Während der Geschäftszeiten, wenn wir Waren aus- und einladen, sollten wir nicht damit rechnen müssen, gebüsst zu werden», betont der Weinfachmann. Denn: «Ich kann ja nicht zehn Harassen Wein vom Parkhaus zum Laden tragen.» Urs Lüthi, Chef der Sicherheitsdirektion, bestätigt, dass der Gemeinderat mehr Kontrollen auf dem Kronenplatz angeordnet habe. Allerdings sei der Warenumschlag in dieser sogenannten Begegnungszone mit Tempo 20 gestattet: «Aber eben, ein- und ausladen ist nicht das Gleiche wie parkieren und längere Zeit nicht beim Auto sein.» Ab und an würde die erlaubte Zeit über Gebühr ausgereizt, sodass die Polizei einen Bussenzettel schreiben müsse.

Dass der Gemeinderat eine Verschärfung der Parkkontrollen beschlossen hat, negiert Annette Wisler (SP) nicht. Sie, die in der Exekutive dem Ressort Polizei vorsteht, präzisiert jedoch: «Wir hatten primär die Zeiten nach Ladenschluss und nachts im Visier.» Es gehe nicht an, wenn abends und nachts überall Autos auf dem Kronenplatz stünden, wo dieser doch in der Flanierzone liege. An diesem Negativum stört sich nicht nur der Gemeinderat, sondern auch die Geschäftsbesitzer an diesem Ort. Nicht nachvollziehen können sie jedoch, dass die Stadtregierung mit der verschärften Bussenpraxis jenen das Leben schwermache, die mit ihrer Geschäftstätigkeit für Leben in der Oberstadt sorgen würden.

Erst Freud, dann Leid

«Kunden reagieren genervt und sagen, wenn hier so restriktiv ­gebüsst werde, kämen sie nicht mehr in die Oberstadt», betont Beat Seiler von der E. Seiler AG an der Hohengasse. Jüngst habe ein Kantonspolizist eine Kundin, die eben Waren in ihr Auto geladen habe, gemahnt, sie solle umgehend wegfahren, wenn sie keine Busse riskieren wolle. Bisher sei dies anders gewesen: «Die Sicherheitsdirektion machte auch Kontrollen, aber mit Fingerspitzengefühl – da muss ich ihr ein Kränzchen winden.» Diesem Lob schliesst sich Joyce Herzog an.

Lüthis Direktion habe Feingefühl und Verständnis für die nicht einfache Situation der Ladenbesitzer in der Oberstadt bewiesen. Erzürnt ist die Geschäftsfrau von der Wohnform Thomas Herzog AG dagegen über die neue Bussenpraxis der Kantonspolizei: «Für unsere Tätigkeit sind die strengen Parkkontrollen während des Tages extrem negativ.» Gemeinderätin Wisler sagt dazu, die Stadt könne der Kantonspolizei nicht befehlen, wo und wann sie kontrollieren solle.

Für sie wäre auch ein Kurzparking denkbar, «doch würde ich mit dieser Idee im Gemeinderat wohl keine Mehrheit finden». Man müsse nicht Kurzzeitparkplätze aufmalen, «sondern nur den gesunden Menschenverstand walten lassen», sagt Herzog. Hierfür spricht sich auch Irene Christen von Blumen Garten an der Hohengasse aus: «Wenn Kunden mit dem Auto kommen, um einen Sack Erde einzuladen, muss dies möglich sein. Da muss eine gewisse Toleranz gelten, sonst können wir hier nicht mehr geschäften.»

Mit Ausnahme eines Handwerkers, der eine Parkbusse erhalten habe, obwohl er geschrieben habe, dass er in ihrem Haus arbeite, hat Trix Niederhauser von der Buchhandlung am Kronenplatz nichts von der neuen Bussenpraxis gespürt: «Ich habe zwar eine Busse erhalten, doch ich war selbst schuld.»

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