Planer stolpern über niedere Busperrons

Burgdorf

Der Bau des Bushofs beim Bahnhof verzögert sich, weil die Fachstelle Hindernisfreie Architektur Einsprache gemacht hat. Statt 2020 dürfte der neue Terminal ein Jahr später eröffnet werden.

Trotz Einsprache wird sich am neuen Bushof Burgdorf optisch nichts ändern. Visualisierung: PD

Trotz Einsprache wird sich am neuen Bushof Burgdorf optisch nichts ändern. Visualisierung: PD

Es schien alles aufgegleist: Nach dem Ja des Burgdorfer Stadtrats zum 6,8-Millionen-Franken-Kredit für den Bau des Bushofs beim Bahnhof wurde just vor einem Jahr das Baugesuch publiziert. Im Herbst 2018 hätten die Arbeiten beginnen sollen. Doch nun verzögert sich der Baustart. Blockiert wird das Projekt durch eine Einsprache der Schweizer Fachstelle Hindernisfreie Architektur.

Ganz überraschend kommt dieser erzwungene Stopp nicht. Wohl sprach Gesamtprojektleiter Hans-Jörg Riesen vor ziemlich genau einem Jahr gegenüber dieser Zeitung von einer verbesserten Behindertenzugänglichkeit. Allerdings verschwieg er nicht, dass Rollstuhlfahrer vom Perron aus nicht ebenerdig in den Bus fahren könnten, weil die Niveaus ungleich hoch seien.

Will heissen: Die Busperrons müssten ein paar Zentimeter höher gebaut werden. Dies sei jedoch nicht möglich, weil dann die Karosserie der Busse die Perrons touchieren würden. Folglich hätten die Chauffeure für Personen im Rollstuhl auch künftig Rampen legen müssen.

Klare Forderungen

Für Joe A. Manser, Geschäftsleitungsmitglied der Fachstelle Hindernisfreie Architektur, ist klar, dass das Burgdorfer Bushofprojekt die Anforderungen des Schweizer Behindertengleichstellungsgesetzes nicht erfüllt. Deshalb habe die Einsprache gemacht werden müssen. Grundsätzlich seien Haltestellen so anzuordnen, dass der autonome Einstieg für Personen mit Rollstuhl gewährleistet sei.

Abweichungen seien nur dort zulässig, wo es nicht möglich sei, die Voraussetzungen für hohe Haltekanten zu schaffen. Die Frage, ob im Fall Burgdorf eine Abweichung von der Regel nicht möglich sei, wollte Manser mit Blick auf das laufende Einspracheverfahren nicht beantworten.

Projektleiter Riesen hatte bereits vor Jahresfrist festgestellt, dass als Folge der umliegenden Hochbauten sowie der Zufahrt zum Park’n’Ride die «fahrgeometrischen Verhältnisse der Busse ausgereizt» würden. Ausgereizt heisst, dass die Karosserie der Busse über die Haltekanten hinausragen müssten. Dies sei aber nur bei einer Höhe von 16 Zentimetern möglich.

Architekt Manser forder, dass die Haltekanten mindestens 22 Zentimeter hoch sind. Nur so sei es möglich, dass Personen mit Rollstuhl und Rollator nahezu ebenerdig ein- und aussteigen könnten, ohne dass der Chauffeur zu Hilfe eilen und eine Rampe legen müsse. Gerade bei einem Bushof als zentraler Drehscheibe sei dies wichtig.

Noch ist das Einspracheverfahren nicht abgeschlossen. Die Baudirektion geht jedoch davon aus, dass Mitte dieses Jahres der Spatenstich erfolgen kann. Der Bushof könnte dann 2021 in Betrieb genommen werden.

Berner Zeitung

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