«Schuld ist die Mechanisierung»

Sie werden immer weniger, die langjährigen land- und hauswirtschaftlichen Angestellten. Das hat zur Folge, dass an den sogenannten Dienstbotenehrungen kaum mehr Leute ausgezeichnet werden können.

Der letzte Geehrte: Kurt Arndt (Mitte) mit Monika und Fritz Güdel, bei denen er lebt und arbeitet.

Der letzte Geehrte: Kurt Arndt (Mitte) mit Monika und Fritz Güdel, bei denen er lebt und arbeitet.

(Bild: PD)

Eine lange Zeit: Seit 55 Jahren arbeitet Kurt Arndt als landwirtschaftlicher Angestellter. Kürzlich wurde er vom Oekonomischen und Gemeinnützigen Verein (OGV) des ehemaligen Amtes Burgdorf dafür ausgezeichnet. Die Dienstbotenehrungen, wie sie genannt werden, finden jeweils im Vierjahresturnus statt.

Teilnahmeberechtigt sind land- und hauswirtschaftliche Angestellte, die während mindestens vier Jahren im gleichen Betrieb mitgearbeitet haben. Durchgeführt wurde heuer die Feier im Restaurant Hirschen in Kaltacker im kleinen Rahmen.

Denn konnten 1990 noch 71 Personen, 2006 noch 15, 2010 deren 6 und 2014 nur noch 4 Personen ein Geschenk entgegennehmen, war diesmal Kurt Arndt der Einzige. Der 69-Jährige arbeitet und lebt seit 1996 bei Monika und Fritz Güdel, Kaltacker. Und obwohl er das Pensionsalter erreicht hat, ist der Senior noch praktisch täglich im Stall anzutreffen.

Mit der Ehrung von Kurt Arndt geht eine lange Tradition zu Ende: Die OGV-Verantwortlichen haben beschlossen, den Anlass nicht mehr durchzuführen. Notgedrungen, denn trotz Ausschreibung hat sich niemand mehr gemeldet. Die Dienstboten sterben aus. Schuld daran sei die Mechanisierung, erklärt Franz Huber, Sekretär des OGV des ehemaligen Amtes Burgdorf.

Verein wurde aufgelöst

Auch dem OGV Trachselwald, dem zweiten solchen noch bestehenden Verein im Emmental, fehlen die Dienstboten. Die Verantwortlichen führen den Anlass alle 5 Jahre durch, letztmals im Jahr 2017. Damals waren es 10 Personen. Wie viele es 2022 sein werden, kann OGV-Präsident Andreas Mumenthaler nicht sagen. Denn die letzte Feier wurde gemeinsam mit dem OGV Oberes Emmental organisiert, der jedoch 150 Jahre nach der Gründung aufgelöst wurde.

Das Archiv ist seither bei der Oekonomischen Gemeinnützigen Gesellschaft Bern (OGG.) Deren Geschäftsführer Franz Hofer erklärt, dass die Arbeitsgruppe Landwirtschaftliche Angestellte derzeit analysiert, welche regionalen Organisationen noch Ehrungen durchführen. Eine Option aus Sicht der OGG wäre, im Kanton Bern die Ehrungen gemeinsam zu organisieren.

Auf die Meielisalp

Auch die OGG honoriert den Einsatz von Dienstboten. Zwar werden keine Urkunden vergeben, jedoch können seit vielen Jahren landwirtschaftliche und bäuerlich-hauswirtschaftliche Angestellte ein Wochenende auf der Meielisalp, oberhalb Leissigens, verbringen. «Das Angebot wird sehr geschätzt», sagt Hofer. Im letzten Jahr hätten etwa 80 Personen daran teilgenommen.

«Zwar werden die klassischen landwirtschaftlichen Angestellten immer älter, und einige können aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr dabei sein, aber es kommen jüngere Menschen nach», sagt Hofer und meint damit beispielsweise Gäste aus dem Betreuten Wohnen der OGG. Mit ihrer Tochtergesellschaft WoBe AG vermittelt sie Menschen ab 18 Jahren mit gesundheitlichen Einschränkungen an ausgewählte, kompetente Gastfamilien.

Berner Zeitung

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