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Sie hauchen der «Spanischen» Leben ein

Das Unternehmerpaar Johanna und Andreas Hugi hat die altehrwürdige Liegenschaft in der Burgdorfer Oberstadt vor einem Jahr gekauft. Nach einer umfassenden Sanierung soll hier auch ihre Begeisterung für Kunst auf fruchtbaren Boden fallen.

Kunstsammler, Obstbauern, Patrons: Das Ehepaar Hugi-Sommer lässt die Altstadtliegenschaft an der Schmiedengasse sanieren. Und will auch für das Restaurant einen Wirt suchen.
Kunstsammler, Obstbauern, Patrons: Das Ehepaar Hugi-Sommer lässt die Altstadtliegenschaft an der Schmiedengasse sanieren. Und will auch für das Restaurant einen Wirt suchen.
Thomas Peter

Er ist ein Mensch, der nicht an Zufälle glaubt. Seit 1983 stellt Andreas Hugis Firma Anlagen und Komponenten für die Lebensmittelindustrie her. Bekanntheit erlangte die Sulbana AG international mit Maschinen zur effizienten Herstellung von Mozzarella. In Finnland und im Piemont hat das Unternehmen Niederlassungen; sein Hauptsitz liegt im Winterthurer Hinterland.

Hier, in Elsau, lebt auch der 63-jährige Firmenpatron mit Gattin Johanna Hugi-Sommer auf einem Landwirtschaftsbetrieb, den sie führt. Er umfasst nicht weniger als 150 Hochstamm-Bioapfelbäume und ein Tenn, in dem das Unternehmerpaar regelmässig zu Ausstellungen lädt.

Denn Kunst sammelt Andreas Hugi schon ein wenig länger, als er Käse macht. Dank des Erfolgs in diesem Feld kann sich das Paar auch zeitgenössische Kunstwerke leisten. Unter ihren Freunden figuriert auch Eisenplastiker Basil Luginbühl.

Das Emmental als Heimat

Es handelt sich dabei nicht um den einzigen Bezug zum Emmental. Vielmehr ist Andreas Hugi in der Region in einfachen Verhältnissen aufgewachsen. Seine Grossmutter sei ein Verdingkind aus Schafhausen gewesen und ­habe auf einem Bauernhof gearbeitet, erzählt er.

Sein Onkel führte Hugi-Sport in Burgdorf, die Eltern die Käserei Steingrube in Oberburg. Da ging er zur Schule, ehe die Familie nach Hindelbank und später gen Zürich umzog. Geblieben sind über all die Jahre viele Anekdoten, etwa jene zum aufregenden Wocheneinkauf in Burgdorf. Es habe ihren Mann immer in die Region gezogen, stellt Johanna Hugi fest.

Ein Objekt für Liebhaber

Es war ein Ausflug zur Luginbühl-Stiftung mit anschliessender Altstadtführung, die Andreas Hugi zur Spanischen Weinhalle brachte. Dabei hörte er, der in der ­Winterthurer Altstadt soeben ein vergleichbares Sanierungsprojekt initiiert hatte, dass die bekannte Liegenschaft auf der historischen Stadtmauer zu verkaufen sei.

Schliesslich stand der Sammler während Max Sommers Kunstversteigerung neben Beat Fininger und kam mit dem Besitzer und Gastwirt ins Gespräch. Für Andreas Hugi ein Grund mehr, nicht an Zufälle zu glauben. Für Fininger, der während Jahren nach einem Käufer für die Liegenschaft gesucht hatte, war das schliesslich die Lösung.

Eine, die Zeit benötigte: Vor einem Jahr gingen die beiden aneinandergebauten Altstadthäuser an der Schmiedengasse in den Besitz von Hugis über. «Ein Liebhaberobjekt» nennt es Johanna Hugi. Zum Kaufpreis haben sie Stillschweigen vereinbart. Das neue Besitzerpaar verhehlt indes nicht, dass sich der Verkäufer mit der Ablösung vom Haus und seiner Geschichte schwergetan hat.

Neue Küche, alter Name

Auch, weil diese Geschichte eng mit seiner Familie verbunden ist. Gourmetkoch Beat Fininger, einst Hotelier am Zürichsee, hatte die Liegenschaft 1991 von seinen Eltern übernommen und das Lokal nach einigen Jahren in Gourmez-vous umgetauft. Auch wenn Fininger sich mit seiner Küche in die Herzen der Burgdorferinnen und Burgdorfer kochte, an den Namen gewöhnten sie sich nie. Es blieb bis heute die «Spanische», die nach der letzten Solätte Ende Juni schloss.

Vor gut vierzig Jahren hatten Finingers Eltern Dora und Emil Kurz die Weinhalle von Spaniern übernommen, die hier spanischen Wein verkauft hatten. Die Baslerin trug den Übernamen «Häx», eine markante Persönlichkeit, die sich auch nicht scheute, aufmüpfige Gäste vor die Türe zu setzen oder im Bademantel Gipfeli zu ­holen.

Legendäre Montagsessen veranstaltete Finingers Vater, der sich als Erster hier in die Küche stellte. Das Bistro (eine frühere Bäckerei), die Hilton-Bar sowie die Weinhalle selbst konnte Dora Kurz nach dem Schlegli ihres Mannes nicht mehr weiterbetreiben, da stieg Fininger ein. Er vermietete das Bistro und führte die Weinhalle zuletzt mit Partnerin Barbara Moser.

«Den Charme erhalten»

Geht es nach den neuen Besitzern, so soll die «Spanische» sich selbst bleiben. «Wir wollen ihren Charme möglichst erhalten», stellt Andreas Hugi klar. «Sie hat eine gute Ausstrahlung, und man spürt die Lust und die Leidenschaft, die über Generationen in sie gesteckt worden sind.» Die bordeaux-maron-farbenen Holzwände, die Horgen-Glarus-Stühle: Teil des Charakters, der nicht angetastet wird.

Die Liegenschaft in der Altstadt ist nicht nur Heim der Weinhalle, hinter dem Restaurant liegt die Hilton-Bar und hofstattseitig das Bistro. Bild: Thomas Peter
Die Liegenschaft in der Altstadt ist nicht nur Heim der Weinhalle, hinter dem Restaurant liegt die Hilton-Bar und hofstattseitig das Bistro. Bild: Thomas Peter

Im vergangenen Jahr hat das Unternehmerpaar Pläne entwerfen und die Sanierung der beiden leer stehenden Häuser planen lassen. «Gute Dinge brauchen eben Zeit», sagt Hugi. Das Ziel steht fest: Die alte Bausubstanz baubiologisch korrekt in Zusammenarbeit mit der Denkmalpflege zu erneuern. Dass sie das dringend nötig hat, ist offensichtlich.

Bistro wird zum Abstellraum

In den oberen Geschossen entstehen sechs Wohnungen, deren Grundrisse sich von den heutigen unterscheiden werden. Über den Dächern – besser: zwischen den beiden Walmdächern – sind Terrassen für die beiden Dachwohnungen vorgesehen. Aus dem Bistro in der Hofstatt wird Abstellraum für die Wohnungen. Die künftigen Mieter werden von der Seitengasse aus zu den Wohnungen gelangen; dieser Eingang wird vergrössert. Dadurch könne die «Spanische» um die Breite des Hausgangs vergrössert werden, erklärt Hugi.

Mit rund 1000 Franken pro Quadratmeter an Sanierungskosten rechnet Andreas Hugi. «Es sind insgesamt 3500 Quadrat­meter, rechnen Sie selber.» Den Gastrobereich wollen die Besitzer mit der Vermietung der Wohnungen quersubventionieren.

Fertig in zweieinhalb Jahren

Für die «Spanische» wollen sie sorgfältig nach einem Wirt suchen, der von der Hybridgastronomie genauso angetan ist: Tapas, spanischer Wein und Bratwurst mit Rösti, traditionell und einfach. Hugis planen auch den Keller auszubauen und überlegen sich «Symbiosen»: etwa, Wein zum Verkauf anzubieten. Die Vorstellung eines kulturellen Angebots hat sich ebenfalls festgesetzt – er zählt munter auf. «Hör auf», unterbricht ihn Johanna Hugi und lacht. «So weit sind wir noch nicht.»

Als Nächstes beginnt im Herbst der Rückbau, sodass die Liegenschaft rechtzeitig zur Solätte 2018 kein Gerüst mehr tragen wird. Danach folgt der Innenausbau mit dem Ziel, dass die Wohnungen im Herbst 2019 bezugsbereit sind.

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