Signau sicher, Schüpbach vielleicht

Ende November geht es um die Wurst: An der Urne wird entschieden, wo die Schüler künftig unterrichtet werden. Noch ist offen, welche von zwei Varianten der Gemeinderat zur Abstimmung bringen wird.

Die Schulgebäude in Signau müssten um einen Pavillon erweitert werden, wenn hier alle Schüler der Gemeinde unterrichtet werden sollen.

Die Schulgebäude in Signau müssten um einen Pavillon erweitert werden, wenn hier alle Schüler der Gemeinde unterrichtet werden sollen.

(Bild: Thomas Peter)

Es war der vielleicht letzte warme Sommerabend dieser Saison. Trotzdem füllten sich die Reihen in der Aula des Signauer Sekundarschulhauses, als der Gemeinderat zu einem Informations­anlass über das neue Schulreglement einlud.

Das Thema klingt ­unspektakulär, hat es aber in sich: Ende November sollen die Signauer an der Urne Nägel mit Köpfen machen und über ein Projekt entscheiden, mit dem sich der Gemeinderat seit sieben Jahren beschäftigt: die künftigen Schulstrukturen.

Heute führt die Gemeinde fünf Schulstandorte. Ab 2024 soll es noch jene in Signau und Schüpbach geben. Vielleicht auch nur einen in Signau. Eine Arbeitsgruppe hat in den letzten Jahren zwei Varianten erarbeitet, die der Gemeinderat am Montag präsentierte.

In zwei Wochen will er entscheiden, welche er dem Volk mit der Änderung des Schulreglements zur Abstimmung vorlegen wird. Erst wolle der Rat noch hören, wie es in der Bevölkerung ­töne, sagte Arno Jutzi, Vizegemeindepräsident und Leiter der Arbeitsgruppe.

Bauen hier, sanieren dort

Bei einer Zentralisierung in Signau müsste dort ein zusätzlicher Pavillon mit vier bis sechs Klassenzimmern gebaut werden. Und auch wenn Schüpbach bestehen bleibt, soll das Kindergartengebäude in Signau einen Anbau für den Mittagstisch erhalten. Die Nachfrage nach diesem Angebot nehme zu, betonte Schulkommissionspräsident Andreas Jutzi.

Zwei Mittagstische zu führen, könne sich die Gemeinde aber nicht leisten, sagte Arno Jutzi. Es sei also zu erwarten, dass Schüpbacher Eltern, die das Angebot nutzen wollten, ihr Kind in Signau zur Schule schickten, was in Schüpbach zu einer Ausdünnung der Klassen führen könnte.

Ob mit oder ohne Schulstandort Schüpbach müssen laut dem Gemeinderat in Signau eine neue Turnhalle mit Mehrfachnutzung sowie ein neuer Sport- und Allwetterplatz realisiert werden. Bleibt Schüpbach in Betrieb, gilt es das Haus für rund 3,5 Millionen Franken zu sanieren.

Wird es geschlossen, rechnet der Gemeinderat mit einem Verkaufspreis von 1,5 Millionen Franken. Die angrenzende Schreinerei Röth­lisberger AG signalisiere schon seit Jahren Interesse an dem Kauf, versicherte Arno Jutzi.

Das Schulhaus in Schüpbach hat das Interesse der angrenzenden ­Schreinerei Röth­lisberger AG geweckt. Bild: Thomas Peter

8,3 zu 4,5 Millionen Franken

Bei einer Zentralisierung seien in Signau Nettoinvestitionen von 4,5 Millionen Franken nötig. Fahre die Gemeinde mit zwei Schulstandorten weiter, müsse sie ­netto 8,3 Millionen Franken investieren, hat die Arbeitsgruppe in Zusammenarbeit mit einem Bauspezialisten ausgerechnet.

Die Differenz macht bei den Infrastrukturkosten pro Jahr 200'000 Franken aus, was laut Gemeindepräsident Martin Wyss einem Steuerzehntel entspricht. Kommt hinzu, dass bei der Konzentration auf einen Standort «die Klassen besser gefüllt» werden könnten, wie Arno Jutzi sagte. So könnte eine Klasse eingespart werden, womit die Gemeinde Ausgaben von jährlich 100'000 Franken einsparen könnte.

Diesen finanziellen Vorteilen stehen Mehrausgaben bei den Schülertransporten gegenüber. Bleibt Schüpbach erhalten, ist pro Jahr mit 80'800 Franken zu rechnen, im Falle der Zentralisierung wären es 95'800 Franken.

Dem Gemeinderat ist bewusst, dass bei einer Zentralisierung der von den Eltern verursachte Verkehr rund ums Schulhaus Signau zunehmen würde.

Auch könnte Schülern, die im einen Schulhaus schlecht zurechtkämen, keine neue Chance im anderen Schulbetrieb mehr geboten werden, zählte Arno Jutzi die mit einer Zentralisierung verbundenen Nachteile auf.

Dafür liesse sich das Hin und Her zum Besuch von Spezialunterricht vermeiden, und Angebote sowie Infrastruktur wären für alle Kinder der Gemeinde gleich. Auch das Thema «Durchlässigkeit», die es Realschülern erlauben würde, bestimmte Fächer auf Sekniveau zu besuchen, könnte aktuell werden, gab Schulleiter Ueli Marti zu bedenken.

Chancen und Risiken

Ob die Mehrausgaben für die Schulsozialarbeit schon eingerechnet seien, fragte eine Votantin, die sich vehement gegen die Zentralisierung wehrte, provokativ.

Andere konnten sich nicht vorstellen, dass 300 Schulkinder an einem einzigen Standort un­terrichtet würden, und ­sahen deren Bewegungsmöglichkeiten während der Pausen eingeschränkt.

Überhaupt hätten einige am liebsten, in Signau würde sich überhaupt nichts ändern. Mit einem Nein zum neuen Schulreglement können sie dafür sorgen.

Ändern oder murksen

«Dann müssten wir mit dem alten Reglement weitermurksen», sagte Arno Jutzi und erwähnte das Beispiel mit dem Aussenbezirksschulhaus Höhe. Dort hat der Kanton wegen tiefer Schülerzahlen keine Klasse mehr bewilligt, weshalb das Gebäude nicht mehr dem Unterricht dient.

Entwidmen und zum Verkauf ausschreiben kann es der Gemeinderat aber nicht, solange es als Schulstandort gilt. «Wir können alles werden lassen, wie es kommt. Dann kostet es halt einfach, was es kostet», sagte Arno Jutzi. Es gab aber auch Votanten, die sich für eine Reorganisation aussprachen.

«Wir müssen in die Zukunft blicken und uns auf eine der beiden Varianten einigen», sagte eine Mutter aus einem Aussenbezirk. «Es wäre schade, wenn Signau in Sachen Schulraum hinterherhinken würde», doppelte ein junger Vater nach.

Man darf gespannt sein, welche Variante der Gemeinderat im überarbeiteten Schulreglement verankern will.

Berner Zeitung

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