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Sind die toten Enten eine Ente?

Wurden beim Ententeich drei Küken erschlagen oder aufgespiesst sowie ein Igel gesteinigt und dann ertränkt? Anwohner behaupten dies auf Facebook. Die Kantonspolizei hat keine Meldung erhalten. Die Stadt klärt ab.

Diese Idylle am Ententeich könnte gestört worden sein: Anwohner wollen gesehen haben, dass Küken getötet wurden.
Diese Idylle am Ententeich könnte gestört worden sein: Anwohner wollen gesehen haben, dass Küken getötet wurden.
Thomas Peter

Ein Eintrag im sozialen Netzwerk erhitzt in Burgdorf die Gemüter: «3 von 5 Entenküken wurden gesteinigt oder aufgespiesst. Unser Igel, der uns manche Jahre erfreut hat, wurde gesteinigt und im Brunnen ertränkt.» Geschrieben hat diese Zeilen auf Facebook eine Bewohnerin des Hauses Friedeggstrasse 3, das unmittelbar neben Ententeich und Kinderspielplatz steht.

Schlimm genug sei schon, sagt die Frau, die nicht namentlich genannt werden will, dass in diesem schönen Park im Sommer fast jede Nacht gegrölt, laute Musik gehört und Flaschen zerschlagen würden. Und: «Am nächsten Morgen ist alles verwüstet, voll Müll und Dreck, Werbeschilder wurden umgelegt, Blut, Kondome und sogar Spritzbesteck am Boden.»

Urs Lüthi, Sicherheitschef der Stadt Burgdorf, negiert nicht, dass es an Sommerabenden zu mehr oder weniger lauten Festivitäten kommen könne. Und tatsächlich müsse der Park am folgenden Morgen ab und an von Unrat gesäubert werden. Doch davon, dass beim Ententeich Küken von Menschen getötet und ein Igel ertränkt worden sei, weiss er nichts.

Fakt sei aber, dass eine Person bei der Stadtverwaltung ein anonymes Schreiben ­abgegeben habe, in welchem die Tötung der Tiere und weitere unschöne Vorkommnisse erwähnt worden seien.

Keine Meldung an die Polizei

Von einem solchen Schreiben hat auch die Kantonspolizei Bern Kenntnis. Jedoch: «Eine Meldung oder konkrete Hinweise haben wir bis jetzt nicht erhalten», sagte Christoph Gnägi, Sprecher der Kantonspolizei Bern, am Mittwoch auf Anfrage. Man sei in Kontakt mit verschiedenen Stellen der Stadt Burgdorf. «Wir sind in ­Abklärungen betreffend allfäl­lige Widerhandlungen gegen die Tierschutzgesetzgebung», erklärt der Sprecher weiter.

Denn sollte der von der Facebook-Userin geschilderte Vorfall stattgefunden haben, wäre dies ein Of­fizialdelikt. Dann müssten von Amtes wegen Ermittlungen aufgenommen werden. Allein wegen der in sozialen Netzwerken verbreiteten Behauptungen werde die Kantonspolizei nicht aktiv. Deshalb betont Christoph Gnägi: «Wenn jemand solche Vorkommnisse beobachtet, soll er dies unverzüglich der Polizei melden. Der Notruf ist auch für solche ­Fälle.»

Die Augenzeugen

Bleibt die Frage: Warum hat die Frau, die ihre Erschütterung über die Tötung der Enten und des Igels auf Facebook kundtut, nicht direkt die Polizei angerufen? «Nicht ich, sondern Anwohner und Nachbarn haben dies beobachtet», antwortete die Schreiberin, die Mitglied der Facebook-Gruppe «Du bisch vo Burgdorf wed...» ist. Sie wohne jedoch im selben Haus neben dem Park, weshalb sie die Missstände einmal habe ansprechen wollen. «Den toten Tieren kann man nicht mehr helfen, aber vielleicht kann man den schönen Park vor weiteren Vorfällen bewahren», gab die Frau ihrer Hoffnung Ausdruck.

Allerdings gibt sie zu, die toten Entenküken und den ertränkten Igel nicht selbst gesehen zu haben. In ihrem Facebook-Beitrag schreibt sie, es gebe aber Augenzeugen, welche dies auch der Polizei und der Stadt gemeldet hätten. Die Augenzeugen seien Nachbarn sowie Mitarbeiter des Schulungs- und Arbeitszentrums für Behinderte Burgdorf (SAZ). Diese Institution hat von der Stadt den Auftrag erhalten, für Ordnung und Sauberkeit im Park beim Ententeich und beim gut genutzten Spielplatz zu sorgen.

SAZ-Direktor Thomas Ruprecht, der die beiden Mitarbeiter, welche am besagten Tag beim Ententeich im Einsatz waren, zu den Tiertötungen befragte, sagte am Mittwoch: «Die beiden Mitarbeiter haben weder erschlagene noch ertränkte Tiere im und beim Teich gesehen oder gefunden.» Jedoch sei eine Anwohnerin zu den Mitarbeitern gekommen und habe erzählt, dass sie beobachtet habe, wie Tiere getötet worden seien.

Trotz diesen Widersprüchen traf sich am Mittwoch eine Delegation von Verwaltung, Politik und Polizei im Park beim Ententeich zur Beratung der Situation. Die Frau, die den Stein ins Rollen gebracht hat, hofft, «dass der Park künftig videoüberwacht wird».

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