Theatergruppe Burgdorf: Ein Monsieur in Nöten

Burgdorf

Es ist so eine Sache mit Klassentreffen. Allzu leicht geraten sie aus den Fugen. Die Theatergruppe Burgdorf zeigt, was dann geschehen kann.

Mistingue (René Schärer, vorne) und Lenglumé (Ruedi Schütz) wissen nicht, wie ihnen geschieht.

Mistingue (René Schärer, vorne) und Lenglumé (Ruedi Schütz) wissen nicht, wie ihnen geschieht.

(Bild: Thomas Peter)

Lenglumé leidet. Er hat Kopfschmerzen, unbändigen Durst und – vor allem – keine Ahnung mehr, was in der vergangenen Nacht passiert ist. Er war an einem Treffen einstiger Internatszöglinge, das weiss der rechtschaffene und gut situierte Monsieur noch. Und bis zum Salat kann er sich auch an das Menü erinnern. Aber danach? Weniger als nichts. Keine Erinnerung, keine Idee.

Und so weiss er natürlich auch nicht, wie Kamerad Mistingue in sein, Lenglumés, Bett geraten ist. Damit nicht genug, drängt seine Frau zum Aufbruch, schliesslich steht an diesem Tag die Taufe der kleinen Tochter ihres Vetters an. Kein Wunder, ist sie ob des Besuchs Mistingues wenig entzückt. Zum Glück bekommt sie nicht auch noch mit, dass die beiden Herren in ein und demselben Bett genächtigt haben. Man mag sich nicht vorstellen, was die resolute Dame in diesem Fall mit ihrem Gatten anstellen würde.

Schreckliche Tat

Doch das dicke Ende soll für den gebeutelten Lenglumé erst noch kommen: Beim Essen entdeckt seine Frau in der Zeitung eine Schlagzeile, wonach in der vergangenen Nacht ein Kohlemädchen auf brutale Art und Weise gemeuchelt worden sei. Lenglumé und Mistingue sind bald davon überzeugt, dass nur sie die Mörder sein können.

Allzu viele Indizien weisen scheinbar auf sie beide als Täter hin. Und jetzt, schwankend zwischen Ausnüchterung und erneutem Alkoholexzess, entwickeln die beiden erst recht kriminelle Energie. Schliesslich stehen nichts weniger als die gutbürgerliche Existenz und der untadelige Ruf auf dem Spiel.

Die Theatergruppe Burgdorf serviert ihrem Publikum mit «Die Affäre Rue de Lourcine» von Eugène Labiche ein groteskes, witziges, zuweilen überdrehtes Stück. Unter der Regie von Matthias Fankhauser spielen die Akteurinnen und Akteure lustvoll auf, loten die Grenzen ihrer Figuren aus, überspannen den Bogen dabei aber nie.

Ruedi Schütz als Lenglumé und René Schärer als Mistingue überzeugen in ihrer Verzweiflung, aber auch in den kurzen Momenten des Glücks, wenn sie meinen, mit Händewaschen all ihre Probleme lösen zu können.

Auch das übrige Ensemble trägt seinen Teil zu einem gelungenen Theaterabend bei. Und dann wäre da noch Hansjörg Brodbeck: Er sitzt in einer Ecke neben der Bühne und verleiht dem Stück mit seinem Gitarrenspiel die passende musikalische Begleitung.

Auftritt im Hintergrund

Apropos Bühne: Das Theater Z ist vergleichsweise klein, es fasst gerade mal 75 Zuschauerinnen und Zuschauer. Entsprechend begrenzt ist der Raum für die Bühne. Viel Inventar passt da nicht hin, wenn sich auch noch bis zu sieben Personen darauf tummeln sollen.

Die Theatergruppe Burgdorf löst das Problem elegant: Die Darstellerinnen und Darsteller nutzen einfach den ganzen Raum. Diener Justin etwa sitzt beim Publikum, wenn er Lenglumés Kleider ausbürstet. Die beiden Krankenschwestern Bloody Resi und Gina Tonic warten hinter der Bar auf ihren nächsten Einsatz, und Gattin Norine erscheint mit ihrem bewusstlosen Stubentiger auf dem Arm auf der Treppe hinter dem Publikum.

Warum die Katze bewusstlos ist? Nun, Verzweiflung treibt zuweilen komische Blüten.

Theatergruppe Burgdorf, «Die Affäre Rue de Lourcine», Theater Z, Hohengasse 2, Burgdorf. Weitere Vorstellungen: 27. Februar, 1., 2., 6., 8., 9. und 10. März, jeweils 20.15 Uhr, sonntags 16 Uhr. Vorverkauf und weitere Informationen: www.tipo.ch oder an der Abendkasse.

Berner Zeitung

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