Und plötzlich war eine Wohnung da

Dürrenroth

Nicht immer wird so gebaut, wie es in der Baubewilligung vorgesehen ist. Die Gemeinde Dürrenroth ist derzeit mit einem besonders krassen Fall ­beschäftigt: Statt eines Lagerraums für Holz entstand auf einem Bauernhof kurzerhand eine Wohnung.

Auf diesem Hof in Dürrenroth wurde die nicht bewilligte Wohnung eingebaut.

Auf diesem Hof in Dürrenroth wurde die nicht bewilligte Wohnung eingebaut.

(Bild: Daniel Fuchs)

Mit dem Bauen in der Landwirtschaftszone ist es eine komplizierte Sache. Das haben nicht nur zahlreiche Bauernhausbesitzer feststellen müssen, denen grössere Dachfenster oder Anbauten irgendwelcher Art verwehrt worden sind. Wie diese Zeitung kürzlich berichtete, hat nun auch das kantonale Amt für Gemeinden und Raumordnung seine Erfahrungen gemacht: Der Bund hat der Behörde vorgeworfen, das ­nationale Raumplanungsgesetz zu lasch anzuwenden und Bau­gesuche nicht streng genug zu beurteilen.

Mit der Auslegung von Gesetzen für Umbauten an Bauernhäusern wird sich in nächster Zeit auch die Gemeinde Dürrenroth auseinandersetzen müssen. Denn sie sieht sich derzeit mit einem ungewöhnlichen Fall konfrontiert.

Dabei begann alles harmlos: Vor etwas mehr als einem Jahr hat sie den Bau eines Holzlagerraums mit Satteldach bewilligt. Das Lager sollte auf einem südöstlich des Dorfes ge­legenen, als schützenswert deklarierten Hof entstehen. Auf dem Gelände des Betriebs befindet sich auch die Holzschnitzelheizung, mit der unter anderem die Mehrzweckhalle beheizt wird.

Brisante Angelegenheit

Das Problem: Statt eines Lagers hat der Bauherr kurzerhand eine Mietwohnung erstellt. Das gibt im Dorf derzeit viel zu reden. Und aufseiten der Behörden ist man darob vor den Kopf gestossen. Das Regierungsstatthalteramt in Langnau beobachtet die Entwicklung rund um das Bauvorhaben nun sehr genau.

«In so einem Fall sind wir wohl verpflichtet, Anzeige zu erstatten.»Interims-Gemeindepräsident Andreas Minder

Der interimistische Dürrenrother Gemeindepräsident Andreas Minder ist sich der Brisanz der Angelegenheit bewusst. «So ein krasser Fall ist mir in den acht Jahren als Bauvorsteher noch nicht unter­gekommen.» Er selbst habe am 13. September an der Baukommissionssitzung erstmals davon gehört.

Eine «verzwickte» Sache

Dieser Zeitung liegt ein anonymes Schreiben vor, in welchem Bauvorsteher Andreas Minder vorgeworfen wird, in dieser Sache nichts zu unternehmen. Dagegen wehrt er sich. «Wir müssen uns vielleicht den Vorwurf gefallen lassen, nach Bekanntwerden der Fakten nicht sofort aktiv geworden zu sein.» Aber man habe beispielsweise sofort den Kontakt zum Regierungsstatthalteramt gesucht. Man nehme die Angelegenheit sehr ernst.

Die ohne Bewilligung gebaute Wohnung ist in der Zwischenzeit vermietet worden und wird nun bewohnt. «Das macht diese Sache ziemlich verzwickt», sagt Minder. Wäre sie nämlich noch nicht vermietet, hätte man die Wohnung einfach mit einem Benützungsverbot belegen können. «Das geht nun aber nicht mehr so einfach.»

Zu wenig Wohnraum

Und was sagt der Bauherr zur Angelegenheit? Ursprünglich sei geplant gewesen, eine alte Garage zu erneuern, hält dieser auf Anfrage dieser Zeitung fest. Auf dieser sollte ein Holzlager gebaut werden. Noch vor Baubeginn habe sich aber ein weiteres Projekt zu konkretisieren begonnen, führt der Landwirt aus: die Vergrösserung der bestehenden Schnitzelheizung. «Dadurch war auch klar, dass der Holzlagerraum über den Garagen nicht mehr nötig war.»

Dazu sei gekommen, dass im Bauernhaus zu wenig Wohnraum vorhanden sei. Da habe er sich entschlossen, statt des Holzlagers eine Wohnung für einen Lehrling oder einen Angestellten zu bauen. Und der Bauer führt aus, dass die Grundmasse und die Aussenansicht gegenüber dem bewilligten Bau nicht verändert worden seien.

Zur Vermietung ausgeschrieben habe er die Wohnung schliesslich, weil man in diesem Sommer keinen Lehrling für den Bauernbetrieb gefunden habe. Dass er den Holzlagerraum in «einen anderen Zweck abgeändert» habe, sei im Übrigen allgemein bekannt gewesen. Weder Nachbarn noch Behörden hätten interveniert. Zudem sei während der ganzen Bauzeit nie eine Kontrolle durch Letztere erfolgt.

Er hoffe nun, so schliesst der Landwirt seine Stellungnahme, dass die Wohnnutzung akzeptiert werde. Schliesslich entspreche sein Umbau der heutigen Politik, Kulturland nicht unnötig zu überbauen.

Es gibt wohl eine Anzeige

Der Einbau von Wohnungen in einen Bauernhof in der Landwirtschaftszone ist grundsätzlich nicht ausgeschlossen. Dafür müsse aber in einer bestehenden Wohnliegenschaft leer stehender Raum vorhanden sein, erklärt Max Gerber, Bauleiter beim ­Regierungsstatthalteramt. Und wie sieht es mit einer Angestelltenwohnung aus? Ausserhalb des bestehenden Gebäudevolumens seien die Anforderungen dafür sehr hoch, so Gerber.

«Ich hoffe, dass die Wohnnutzung akzeptiert wird. Schliesslich entspricht der Umbau der heutigen Politik, Kulturland nicht unnötig zu überbauen.»Der Bauherr

Ob der Bauherr mit seiner Argumentation bei den Behörden auf offene Ohren stösst, ist fraglich. Das Regierungsstatthalteramt hat die Gemeinde vergangene Woche aufgefordert, zusammen mit einem Vertreter des ­Amtes für Gemeinden und Raumordnung (AGR) vor Ort vorbeizuschauen. Zudem muss die Gemeinde eine Anzeige wegen Bauens ohne Baubewilligung prüfen. Interims-Gemeindepräsident Minder seinerseits geht davon aus, dass man dieser Aufforderung wohl Folge leisten werde. «In so einem Fall sind wir wohl dazu verpflichtet.»

Was mit der Wohnung passiert, wird nun von der Einschätzung des AGR abhängen. Die Chancen, dass das Amt in ein nachträgliches Baugesuch einwilligt, um die Wohnnutzung zu legalisieren, schätzt Andreas Minder als eher gering ein.

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