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Unmut im Schlossmattquartier

Das Referendum gegen den Beschluss des Burgdorfer Stadtrates zur Zone mit Planungspflicht Alpina ist zustande gekommen. Die Initianten wehren sich gegen die maximal mögliche Grösse eines Neubaus. Nun muss das Volk entscheiden, was gebaut werden darf.

Urs Egli

Gegen 500 Burgdorferinnen und Burgdorfern passt es überhaupt nicht, dass der Stadtrat im letzten Dezember bei der Teilrevision der baurechtlichen Grundordnung der Zone mit Planungspflicht «ZPP Alpina» zugestimmt hat. Deshalb haben die Unzufriedenen das von Hansueli Dür und Urs Weber lancierte Referendum gegen den Stadtratsbeschluss unterschrieben.

Mindestens 300 gültige Unterschriften sind nötig, damit die Stadt eine Urnenabstimmung ansetzen muss. Wann diese stattfinden wird, steht noch nicht fest – im schnellsten Fall ist dies im Mai, wahrscheinlicher jedoch erst im September.

«Überproportionaler Bau»

Warum haben Weber und Dür das Referendum ergriffen? «Alle Nachbarn und Anwohner des ­Alpina-Areals sind der Ansicht, dass der geplante Bau mit einer Länge von 70 Metern und fünf Etagen überproportional ist», betonen Hansueli Dür und Urs Weber, die in der Nachbarschaft wohnen. Ein solch dominanter Bau, der die kleinmassstäbliche Architektur des Schlossmattquartiers störe, beeinträchtige in erheblichem Mass auch den Blick von der Gebrüder-Schnell-Terrasse und vom Schloss gegen ­Süden in Richtung Alpen.

Dür macht allerdings klar, «dass wir nicht wollen, dass nichts gebaut wird, jedoch nicht so gross und städtebaulich vertretbar». Die Architektur müsse sich nach den Gegebenheiten in der Nachbarschaft richten und dürfe nicht als Solitär ins Quartier gedrückt werden, sodass sich alle fragen würden: «Was ist denn da los?»

Breite Unterstützung

Gegensteuer wollten Dür und Weber bereits zu einem früheren Zeitpunkt geben: «Wir haben uns schon an der Mitwirkung zum Baureglement beteiligt und eine Einsprache gemacht, doch wir konnten uns mit der Stadt nicht einigen.» Deshalb hätten sie mit den umliegenden Nachbarn, der IG Projekt Alpina, das Referendum ergriffen. Mit Erfolg.

Unterschrieben hätten nicht nur Leute aus dem Schlossmattquartier, sondern Bewohner aller Stadtteile, Junge und Ältere, Bewohner von Einfamilienhäusern und von Wohnblocks, Leute des gesamten politischen Spektrums. «Das ist ein sehr guter, repräsentativer Mix», resümiert Hansueli Dür. Diese Tatsache stimme die ganze Interessengemeinschaft IG Projekt Alpina zuversichtlich, dass das Burgdorfer Stimmvolk sich auf ihre Seite stellen und das Referendum gutheissen werde.

Übrigens: Dem letzten Referendum in Burgdorf war kein Glück beschieden: Im Juni 2016 schickten die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger das Begehren bachab und sagten damit Ja zur Einführung von Mehrweggeschirr an grossen Veranstaltungen.

Kritik übt Dür am Gemeinderat, der bis Ende 2016 amtierte. Das Führungsgremium habe beim Projekt Alpina-Areal nicht kritisch genug hingeschaut und bezüglich dem geplanten «massiven Riegel, der räumlich hätte unterteilt werden können», wenig Sensibilität bewiesen. Es gehe nicht an, dass ein solch grosses Bauprojekt ohne Rücksicht auf die Quartierbewohner vom Gemeinderat durchgewinkt werde, nur weil die städtische Baudirektion dazu Ja gesagt habe.

Kritik am Stockwerkbonus

Nicht von ungefähr kommt deshalb, dass sich das Referendum gegen den in der baurechtlichen Grundordnung enthaltenen sogenannten Stockwerkbonus richtet. Konkret: In einer Zone mit Planungspflicht kann der Gemeinderat auf Empfehlung des Fachausschusses Bau- und Aus­senraumgestaltung oder eines Preisgerichtes ein zusätzliches Stockwerk bewilligen. Von solch einem Bonus in der «ZPP Alpina» wollen die Initianten nichts wissen.

Für sie ist klar: «Drei Etagen plus ein Attikageschoss sind genug.» Dies habe man auch Patrick Oswald, dem Vertreter der Be­sitzerin des Alpina-Areals, der Schweizerischen Immobilien-Anlagestiftung Ecoreal, kundgetan: «Wir sagten ihm, wenn der 70 Meter lange Bau nur drei Etagen plus das Attikageschoss hoch wird, werden wir auf eine Einsprache verzichten.» Doch Oswald habe erklärt, er habe von der Stadt die Einwilligung erhalten, eine Etage höher zu bauen. Oswald selbst will auf Anfrage dieser Zeitung keine Stellung nehmen.

«Werden nicht Ruhe geben»

Für das Initiativkomitee steht eines fest: «Wir werden nicht Ruhe geben, bei der Überbauungsordnung Einsprache erheben und nötigenfalls weiterziehen. Alle Hebel werden in Bewegung gesetzt, damit letztlich mit Vernunft gebaut wird.»

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