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Vor ihm war noch kein Bärauer höchster Langnauer

Wenn Roland Zaugg am Montag erstmals durch die Sitzung des Grossen Gemeinderates führt, schreibt er Geschichte: Zum ersten Mal, seit die Gemeinde ein Parlament ein­geführt hat, wird es von einem aus seinem Bezirk präsidiert.

Die Turnhalle in Bärau war lange fast so etwas wie ein zweites Zuhause für Roland Zaugg. Aber dieses Jahr hat er mehr in Langnau zu tun.
Die Turnhalle in Bärau war lange fast so etwas wie ein zweites Zuhause für Roland Zaugg. Aber dieses Jahr hat er mehr in Langnau zu tun.
Thomas Peter

«Ich bin kein Mann der grossen Worte», sagt Roland Zaugg. Von ihm ist keine lange Antrittsrede zu erwarten, wenn er am Montag erstmals als Präsident durch die Sitzung des Grossen Gemeinderates von Langnau führen wird. Vielmehr hat er sich vorgenommen, auch seine Ratskolleginnen und -kollegen zur Mässigung aufzurufen.

Denn obwohl Zaugg dem Parlament in einem Wahljahr vorsteht und weiss, «dass es Parteien und Personen gibt, die sich profilieren wollen», hofft er auf konstruktive, zügige Sitzungen. «Es ist ja nicht nötig, dass jede Fraktion das Gleiche wiederholt», sagt er.

Doch Diskussionen werde er nicht unterbinden, verspricht der aktuell höchste Langnauer. Er weiss, dass sie dazugehören, wenn Vertreter verschiedener Interessen einen Kompromiss finden sollen. Denn beruflich steht er oft zwischen den Fronten und sieht sich in der Rolle des Vermittlers. Der 45-Jährige hat Zimmermann gelernt.

Doch wegen eines Rückenleidens wechselte er bei seinem Arbeitgeber, der Generalunternehmung Kühni AG, ins Büro. Hier organisiert und managt er seit sieben Jahren Um- und Neubauten. Da brauche es zuweilen durchaus Verhandlungsgeschick, damit zwischen den Interessen der Handwerker, der Bauherren und etwa der Denkmalpflege Kompromisse möglich würden.

Keine Zeit für Wahlkampf

Roland Zaugg war Fraktionssprecher der SVP, als die Frage auftauchte, ob er das Amt des Parlamentspräsidenten übernehmen würde. Ursprünglich wäre Paul Zürcher dafür vorgesehen gewesen.

Doch dann trat dieser aus zeitlichen Gründen aus dem Rat aus. Parteiintern kamen Beat Gerber und Roland Zaugg infrage. Für Gerber hätte gesprochen, dass er die mit dem Präsidium verbundene zusätzliche Publizität als Sprungbrett für die Wahlen im Herbst hätte nutzen können. Denn Gerber will in den Gemeinderat.

Während sein Kollege «eher der spontane Politiker» sei, «gehe ich strukturierter an die Aufgaben heran», erklärt Zaugg, weshalb die Partei schliesslich ihn vorschickte. Auf einen Sitz in der Exekutive aspiriert er allerdings nicht. Neben seiner Familie – Zaugg ist verheiratet und Vater eines neunjährigen Sohnes und einer einjährigen Tochter – liege das nicht drin.

Überhaupt hätte er gar keine Zeit für einen Wahlkampf. Denn Roland Zaugg übernimmt dieses Jahr erstmals die Hauptverantwortung für den Auf- und Abbau der Infrastruktur der Oberemmentalischen Gewerbe- und Landwirtschaftsausstellung.

Ein Bärauer durch und durch

Für das Bild in dieser Zeitung wollte Roland Zaugg nicht in dem Haus posieren, in dem er aufgewachsen ist und seit sechs Jahren mit seiner Familie wohnt. Er wählte als Kulisse die Umgebung des Schulhauses und der Turnhalle Bärau. Denn hier habe er einen grossen Teil seines Lebens verbracht, erklärt er.

Neun Jahre ging er in Bärau zur Schule, danach investierte er den grössten Teil seiner Freizeit in den Turnverein Bärau. Heute sei er zwar «nicht mehr der aktivste Turner», aber die Geselligkeit sei ihm nach wie vor wichtig. Fünfzehn Jahre leitete er die Jugi, sechs Jahre amtete er als Präsident, und bis vor einem Jahr war Roland Zaugg als J+S-Coach für den Verein unterwegs.

Auch künftig werden die Vereinskollegen auf seine Mithilfe zählen können. 2018, wenn in Langnau das kantonale Turnfest stattfindet, oder 2020, wenn der Turnverein Bärau hundertjährig wird, will er mitanpacken.

Jetzt schwingt der Bärauer also das Zepter als höchster Langnauer. Dass er damit in die Geschichte eingehen würde, wusste Roland Zaugg bis anhin selber nicht. Aber Gemeindeschreiber Samuel Buri stieg auf eine Anfrage dieser Zeitung ins Archiv, konsultierte sämtliche Verwaltungsberichte seit 1970 und stellte fest: «Roland Zaugg ist der erste GGR-Präsident aus dem Bezirk Bärau.»

«Es ist wichtig, dass auch Leute aus den Aussenbezirken vorne dabei sind und ihren Einfluss ­geltend machen können», sagt dieser. Heisst das also, dass sich die Bärauer gegenüber dem Dorf Langnau benachteiligt fühlen? «Gewisse Leute haben manchmal das Gefühl, wir kämen zu kurz», bestätigt Zaugg und spricht damit etwa auf die schon lange gewünschte Umfahrung Richtung Gohlgraben an.

Aber selber findet er: «Wir Bärauer können absolut nicht jammern.» Von Jammern hält der SVP-Politiker ohnehin nichts. «Das macht nur, wer keine eigenen Ideen hat.»

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