Warum Waldbesitzer trotz allem Holz schlagen sollten

Wirtschaftlich lohnt es sich kaum mehr, sich beim Holzen die Hände schmutzig zu machen.

Forstunternehmer wie Martin Rindisbacher (links) sind auch in sturmlosen Zeiten auf Aufträge angewiesen.

Forstunternehmer wie Martin Rindisbacher (links) sind auch in sturmlosen Zeiten auf Aufträge angewiesen.

(Bild: Thomas Peter)

Susanne Graf

Die Schweiz ist europäische Spitzenreiterin. Mit einem Holzvorrat von rund 350 Kubikmetern pro Hektare liegt sie vor Deutschland und Österreich mit je rund 300 Kubikmetern. Und die Waldabteilung Voralpen des Kantons Bern, zu der auch das Emmental gehört, bringt es gar auf 440 Kubikmeter. Das ist ein unrühmlicher Wert. Denn das heisst: Im Emmentaler Wald stehen zu viele zu alte Bäume.

«Sie sind anfällig für Sturm- und Käferschäden», sagte der Truber Revierförster Beat Reber am Bäreggforum im Inforama Emmental. Es widmete sich der Frage, wie der Wald sinnvoll bewirtschaftet werden kann. Denn der Holzpreis ist nicht dazu angetan, die Waldbesitzer für ein Engagement in der Holzernte zu begeistern. Konnten 1950 mit dem Verkauf eines Kubikmeters Holz noch 35 Stundenlöhne bezahlt werden, seien es heute noch ein bis zwei.

So veranschaulichte Reber die Entwicklung zwischen steigenden Kosten und sinkenden Einnahmen. «Bis 1999 war der Wald das Sparheft des Bauern», sagte der Truber Landwirt und Waldbesitzer Fritz Fankhauser. Doch grosse Vorräte bedeuten spätestens seit Sturm Lothar, nach dem die Preise massiv sanken, keinen Reichtum mehr.

«Bis 1999 war der Wald das Sparheft des Bauern.»Fritz Fankhauser,Landwirt und Waldbesitzer

Zu dicke Stämme

Kommt hinzu, dass dicke Bäume in den Sägereien nicht mehr gern gesehen werden. «Mit der Überalterung nimmt die Holzqualität ab», stellte Thomas Lädrach fest. Der Leiter der Olwo Sägewerke in Worb und Erlenbach kündete zwar an, in Produkte investieren zu wollen, für die er dicke Stämme verwenden könne. Abergefragt und der heutigen Technologie entsprechend sind Bäume, die auf Brusthöhe einen Durchmesser von nicht mehr als 50 Zentimetern haben.

Das heisst: Die Waldbesitzer müssen ihren Besitz regelmässig durchforsten. Mit steter Bewirtschaftung könnten sie auch dazu beitragen, ihn für den Klimawandel fitzumachen, betonte Förster Reber. Szenarien der Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Lawinen zeigen, dass die heute stark verbreiteten Fichten und Tannen bis 2050 im Emmental kaum mehr vorkommen werden. Es sei deshalb eine breite Palette an Baumarten anzustreben. Vor allem aber müssten alte Bäume Platz machen, damit ein klimaresistenter Wald nachwachsen könne.

Weniger «Waldwissen»

Nun holzen aber nicht alle Waldbesitzer mit Freude, so wie Fritz Fankhauser. Anstatt im Winter auswärts einem Nebenerwerb nachzugehen, verdient sich der Truber lieber mit dem Verkauf von Holz etwas dazu. Weil er die Arbeit im Wald selber mache, habe er bisher noch kostendeckend wirtschaften können, obwohl sich der Holzpreis seit 1986 halbiert habe. Doch im oberen Emmental gehören laut Beat Reber 27 Prozent des Waldes privaten Besitzern, die nicht in der Landwirtschaft verankert seien.

Viel «Waldwissen» gehe zunehmend verloren und damit das Bewusstsein, was mit Wald passiere, der nicht genutzt werde. Gerade diese Waldbesitzer hatte die Emmentaler Wald und Holz GmbH im Auge, als sie Waldpflegeverträge anbot. Geschäftsführer Beat Zaugg erklärte im voll besetzten Saal auf der Bäregg: «Auf der Kostenseite kann man durchaus etwas beeinflussen.» Wenn über Parzellengrenzen hinweg ein Eingriff organisiert und professionell ausgeführt werde, könne mehr Geld verdient werden. «Aber unser grosses Problem ist es, an die Waldbesitzer zu kommen, um ihnen zu zeigen, was möglich wäre.»

Die Schlagkräftigen

Thomas Lädrach brach auch eine Lanze für die Forstunternehmungen. Für jene gut ausgerüsteten Betriebe also, die alle Hände voll zu tun haben, wenn Stürme wie Burglind Schäden anrichten. «Sie sind ein wichtiger Player und sollten ein regelmässiges Auftragsvolumen haben», sagte er. «Sie können ihr Personal nicht einfach einfrieren», doppelte Förster Beat Reber nach und ermahnte die Besitzer: «Ihr seid verantwortlich für das, was mit dem Wald passiert.»

Berner Zeitung

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