Was vom Amt übrig blieb

Koppigen

Der ehemalige Regierungsstatthalter Markus Grossenbacher erzählte Anekdoten in Koppigen aus seinem früheren Alltag.

Er würde seinen Beruf jederzeit wieder wählen: Markus Grossenbacher, gewesener Emmentaler Statthalter.

Er würde seinen Beruf jederzeit wieder wählen: Markus Grossenbacher, gewesener Emmentaler Statthalter.

(Bild: Thomas Peter)

Sein Beruf sei gleichsam anspruchsvoll wie vielfältig gewesen. «Ich würde ihn jederzeit wieder wählen», bekannte Markus Grossenbacher, Alt-Regierungsstatthalter des Verwaltungsbezirkes Emmental. Vor gut gefüllten Stuhlreihen kramte er in Erinnerungen an sein erfüllendes Amt.

Zum frühmorgendlichen Termin strömten die älteren Herrschaften zuhauf ins Kirchgemeindehaus, um den Anlass aus der Veranstaltungsreihe 60 plus der Kirche Koppigen zu verfolgen. Sie wurden nicht enttäuscht: Obschon Grossenbacher seit geraumer Zeit pensioniert ist, ist das Feuer für seine Tätigkeit noch immer spürbar.

Der Weg ins Schloss

Mit sieben Geschwistern in einem Heimet in Affoltern aufgewachsen, war er der Natur immer zugetan. Zur Schule gegangen sei er mit Alt-Bundesrat Johann Schneider-Ammann. Sein Werdegang habe ihn als Primarschüler, wie er lächelnd sagt, von der Verwaltungslehre in Dürrenroth über die Gemeindeschreiberausbildung bis zum Regierungsstatthalteramt im Schloss Trachselwald geführt.

«Der Kontakt mit Menschen stand für mich im Zentrum.»Markus Grossenbacher, Emmentaler Alt-Statthalter

Zu Beginn der Lehre habe ihn das Eingeschlossensein in einem Büro fast die Wände hochgetrieben, bekannte Grossenbacher. «Ganz besonders, wenn draussen der Frühling erwachte.» Während der Erzählungen über seinen früheren Arbeitsplatz im idyllischen Schloss kommt er ins Schwärmen.

Gleichzeitig erinnere der herrschaftliche Sitz doch auch an die unschöne Täuferverfolgung. «Während eines Besuches von Täufern aus den USA habe ich mich bei ihnen für die schrecklichen Vorkommnisse entschuldigt», erzählte Grossenbacher. Die Täufernachfahren seien zu Tränen gerührt gewesen.

Neuer Arbeitsplatz   

Nach der Verwaltungsreform vor neunzehn Jahren habe sich dann so einiges verändert. Sein Arbeitsplatz befand sich nunmehr in Langnau. Und aus den ehemals 10 Gemeinden habe sich der Verwaltungskreis Emmental auf 42 Gemeinden vergrössert. «Früher habe ich jeden gekannt!»

Doch unabhängig vom vergrösserten Wirkungskreis seien seine Zielsetzungen immer die gleichen geblieben: die Nähe zum Bürger und die Bereitschaft, möglichst jederzeit erreichbar zu sein. Das habe mitunter auch zu skurrilen Erlebnissen geführt. Etwa als eine schwangere Frau telefonisch wissen wollte, ob sie sich in diesem Zustand eigentlich impfen lassen dürfe. Er habe sie dann an einen Arzt weitergeleitet.

Ob bei häuslicher Gewalt oder den ewig gleichen Querulanten, er habe immer versucht, möglichst deeskalierend zu wirken: in persönlichen Gesprächen, bei Streitigkeiten von Bauabständen etwa auch vor Ort. «Allerdings haben Bedrohungen aller Art in den letzten Jahren signifikant zugenommen.»

Die Belastung

Das Amt des Regierungsstatthalters umfasste neben der Verwaltungsjustiz viele Aufsichts-, Koordinations- und Bewilligungsaufgaben, ausserdem die Katastrophenbewältigung. Als emotional belastende Tätigkeit innerhalb dieses Arbeitsgebietes nannte Grossenbacher die anspruchsvollen Koordinationsaufgaben bei Katastrophen.

Die gezeigten Bilder von Bränden und schweren Überschwemmungen im oberen und im unteren Emmental sprachen für sich. «Der Kontakt mit Menschen stand für mich im Zentrum», betont der gläubige Christ. Den Brief einer betagten Frau hat er nie vergessen. Sie schrieb ihm, dass sie täglich für ihn bete. 

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