Wenn Lebensfreude aus Bildern spricht

Sumiswald

Erstmals zeigt Chaim Huber in seinem neuen Atelier eine Retrospektive seiner Bilder und Holzskulpturen. Seine künstlerische Tätigkeit ist die Folge eines schweren Unfalls in der Kindheit.

Retrospektive: Chaim Huber in seinem neuen Atelier.

Retrospektive: Chaim Huber in seinem neuen Atelier.

(Bild: Andreas Marbot)

«Nein, in der Behindertenwerkstatt hat es mir nicht gefallen», sagt Chaim Huber dezidiert. Zu eintönig und langweilig sei diese Arbeit gewesen, doppelt er nach. Das war vor langer Zeit. Heute zeigt er den Besuchern am Tag der offenen Ateliertür im Länggässli in Sumiswald sein vielseitiges Schaffen. Seit bald einem Jahr malt der 45-Jährige an dieser Adresse. Die Holzarbeiten dagegen fertigt er in seiner «Schnäfustube» an seiner Wohnadresse im Sumiswalder Generationenhaus.

14-jähriges Schaffen

Der grosse Atelierraum ist mit unzähligen farbigen Bildern und berührenden Holzskulpturen bestückt. In der Raummitte befindet sich Hubers Ateliertisch, ­umgeben von Arbeitsutensilien wie unterschiedlichsten Farben, Pinseln und Collagenmaterialien. Die Atelierausstellung ist eine Retrospektive seiner Arbeiten der Jahre 2004 bis heute. Von den bemalten Vogelhäuschen, den Bildcollagen und den Acrylbildern bis hin zu den kleinen Holztieren und den grossen Holzskulpturen – die Vielfalt ist beträchtlich.

Bilder für Pirmin Zurbriggen

Letztgenannte stehen in ihrer Massigkeit gleichsam stoisch vor den grossen Glasfenstern. Trotz reduzierter Formengebung berühren die Figuren durch ihre Ausdrucksstärke. Genauso wie die unterschiedlich grossen ­Acrylbilder und Collagen. Stolz zeigt der Künstler, der jede Besucherin und jeden Besucher herzlich empfängt, auf vier ganz spezielle Bilder im Katalog. Diese Collagen hingen in den Zimmern des Hotels von Pirmin Zurbriggen in Saas-Almagell, ergänzt ­seine Mutter Susanne Huber, die ausgebildete Kunsthandwerkerin ist.

Ein zweites Leben

In seiner künstlerischen Tätigkeit hat Chaim Huber gleichsam einen Weg in seinem geschenkten zweiten Leben gefunden. Nach einem schweren Unfall mit elf Jahren war er lange Zeit gelähmt, konnte nicht mehr sprechen, sitzen und gehen. Es folgten unzählige Therapien und eine Spezialschule. Der Start in sein neues Leben war denn auch ein veritabler Kraftakt. Dank eisernem Willen, der umfassenden Betreuung durch seine Mutter und der fachlichen Unterstützung zahlreicher Helferinnen und Helfer kann er heute ein fast eigenständiges Leben führen. Nicht zuletzt dank Assistentinnen der Invalidenversicherung, welche Huber während zwölf Stunden pro Woche begleiten.

Seit Jahren erhält er auch grosse Unterstützung durch seine Förderin, die Heilpädagogin Monika Etter, welche ihm das Arbeiten im neuen Atelier ermöglicht hat. Inzwischen ist er in der Region dank Ausstellungen, unter anderem auch mit seinem Künstlervater Gianni Vasari, längst kein Unbekannter mehr. Auch wenn ihn ab und an, als Folge ­seines Unfalls, epileptische Anfälle plagen, seine Hände zittern oder er die Welt in Doppelbildern wahrnimmt, bleiben seine Lebensfreude und seine künstle­rische Schaffenskraft unge­brochen.

Berner Zeitung

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