Wenn zwei Männer sich wegen einer Frau prügeln

Burgdorf

Nach einer Rangelei wegen einer Frau wurde ein 35-Jähriger per Strafbefehl wegen einfacher Körperverletzung zu einer Geldstrafe verurteilt. Dagegen wehrte er sich. Das Regionalgericht in Burgdorf reduzierte die Strafe leicht.

Das Regionalgericht Emmental-Oberaargau reduzierte eine Strafe wegen einfacher Körperverletzung.

Das Regionalgericht Emmental-Oberaargau reduzierte eine Strafe wegen einfacher Körperverletzung.

(Bild: Thomas Peter)

Tobias Granwehr

Es muss eine Szene gewesen sein in jener Nacht in einem Dorf in der Region Burgdorf, wie sie heutzutage wohl fast täglich irgendwo im Fernsehen zu sehen ist. Zwei Männer geraten sich wegen einer Frau in die Haare, es kommt zu einer Rangelei, wobei einer der beiden verletzt wird. Schliesslich wird die Polizei hinzugezogen. So war es auch im am Donnerstag vor dem Regionalgericht Emmental-Oberaargau verhandelten Fall.

Der Staatsanwalt kam zum Schluss, einer der beiden Männer sei wegen einfacher Körperverletzung mit einem gefährlichen Gegenstand schuldig zu sprechen. Er brummte dem 35-jährigen Türken eine Geldstrafe über 7700 Franken auf. Mit diesem Straf­befehl war der Mann nicht ein­verstanden und zog vor Gericht.

Wer hat wen angegriffen?

Was genau in jener Januarnacht dieses Jahres geschehen war, konnte auch vor Gericht nicht in allen Einzelheiten rekapituliert werden. Klar ist so viel: Der Beschuldigte suchte um etwa ein Uhr nachts die Frau auf, die damals in seiner Wohnung lebte. Dort hielt sie sich mit einer Nachbarin sowie ihrem Freund auf, einem 31-jährigen Iraker. Beide Männer hatten eine Beziehung zur 30-jährigen Bulgarin. Doch wer wie lange mit ihr zusammen war, ging aus den Ausführungen der Beteiligten nicht hervor.

Gemäss Anklage griff der Beschuldigte in der Folge den Iraker mit einem Stuhl an. Danach habe er den Mann zu Boden gedrückt, ihn getreten und seinen Kopf gegen den Boden geschlagen. Auch eine Rohrzange soll dabei im Spiel gewesen sein. Dabei verletzte sich der Iraker im Gesicht und am linken Unterarm. Zudem brach er sich einen Mittelfinger sowie eine Rippe.

Bei der Befragung des Beschuldigten sowie des Opfers zeigte sich, dass die beiden völlig unterschiedliche Ansichten zur Rangelei haben. Der Beschuldigte behauptete, er sei vom Opfer angegriffen worden und habe sich nur gewehrt. Schliesslich habe ihn der Mann noch mit Pfefferspray besprüht und sich daraufhin mit der Nachbarin in deren Wohnung verzogen, so der Beschuldigte.

Das Opfer wiederum sagte, er sei vom Türken heftig angegriffen, ge­stossen und geschlagen worden. Dieser habe ihn auch mit der Zange schlagen wollen. Nur dank der Hilfe der Nachbarin habe er sich befreien und nach dem Einsatz des Pfeffersprays flüchten können.

Sprachliche Hindernisse

Nur wenig Licht ins Dunkel brachten die Aussagen der beiden Zeuginnen, der jungen Bulgarin sowie der italienischen Nachbarin. Erschwert wurde die Arbeit des Gerichts durch sprachliche Hindernisse, die den Einsatz von Über­setzern notwendig machte. Die beiden Frauen schilderten die Auseinandersetzung aus jeweils ihrer Sicht, wobei Widersprüche auftauchten, wie auch der Anwalt des Beschuldigten in seinem Plädoyer festhielt. Die Glaubwürdigkeit der Bulgarin sei zudem be­einträchtigt, weil sie arg betrunken gewesen und ein Alkoholwert von über 1,8 Promille festgestellt worden sei.

Der genaue Ablauf des Vorfalls lasse sich deshalb nicht klären. Der Anwalt wies zudem darauf hin, dass verschiedene Punkte der Rangelei unklar seien, weshalb der Grundsatz «In dubio pro reo» angewendet werden müsse. Gerichtspräsidentin Regula Masanti folgte den Forderungen des Anwaltes zwar nicht, reduzierte aber die Strafe des Beschuldigten. Sie verurteilte ihn wegen einfacher Körperverletzung zu einer be­dingten Geldstrafe von 6050 Franken mit zwei Jahren Probezeit sowie einer Busse von 550 Franken.

Berner Zeitung

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