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Wohnungen stehen öfter leer

Der Immobilienboom im Emmental ist ungebrochen. Vermehrt bleiben Vermieter aber auf ihren Objekten sitzen.Der Leerwohnungsbestand hat innert Jahresfrist erneut zu­genommen. Eine Trendwende ist bei tiefen Zinsen nicht in Sicht.

Nicht in allen neuen Überbauungen in Kirchberg (im Bild das Hofstattwegquartier) können sämtliche Räumlichkeiten vermietet werden.
Nicht in allen neuen Überbauungen in Kirchberg (im Bild das Hofstattwegquartier) können sämtliche Räumlichkeiten vermietet werden.
Olaf Nörrenberg

64'893 Wohnungen standen in der Schweiz am 1. Juni leer, 8375 mehr als vor einem Jahr. Dies entspricht einer Zunahme von fast 15 Prozent. 1,47 Prozent sämtlicher Wohnungen «warteten» damit auf Mieter oder Käufer.

Allein im Kanton Bern waren 10'745 Wohnungen unbesetzt. Binnen eines Jahres nahm die Zahl um 1436 Einheiten zu. Mit 1,92 Prozent liegt der kantonale Leerwohnungsbestand deutlich über dem gesamtschweizerischen Wert. Dies zeigt die neueste Zählung des Bundesamts für Statistik (BFS).

Im Emmental ist die Situation freilich nicht so dramatisch. In jenen vier Gemeinden mit mehr als 5000 Einwohnern, die das BFS für seine Erhebung berücksichtigt, hat sich die Anzahl leer stehender Wohnungen zwischen dem 1. Juni 2016 und dem 1. Juni dieses Jahres unterschiedlich entwickelt: in Burgdorf von 103 auf 108, in Kirchberg von 104 auf 119, in Langnau von 32 auf 30 und in Sumiswald von 2 auf 23. Das Total ist binnen eines Jahres von 241 auf 280 gestiegen.

Auf Vorrat gebaut

Wird sich die Leerwohnungsziffer nach acht Jahren in Folge auch künftig nach oben bewegen? Prognosen seien erfahrungsgemäss schwierig zu machen, sagt Ruth Humbert. Die Immobilienvermarkterin der Humbert Immobilien AG in Langnau ist jedoch überzeugt, dass sich die Entwicklung des Wohnungsbaus in jenen Gemeinden etwas abflachen werde, in welchen kaum neues Bauland eingezont werde könne und keine grossen Flächen für Überbauungen zur Verfügung stünden. Zumindest für Langnau erwartet sie eine leichte Entspannung.

Dass der Boom beim Bau von Mietwohnungen ungebrochen ist, hat für Ruth Humbert Gründe: «Investoren und Pensionskassen haben in den letzten Jahren als Folge des tiefen Niveaus der Hypothekarzinsen und der Negativzinsen der Banken verstärkt auf Immobilien und weniger auf Börsenwerte gesetzt.» Dies auch dann, wenn die Renditen teilweise sehr klein seien. Wohnungen in neuen Überbauungen, die über Monate leer stehen, werden in Kauf genommen.

Dass es vor allem Drei- und Vierzimmerwohnungen sind, die nicht vermietet werden könnten, ist für die Langnauer Immobilienspezialistin kein Zufall: «Wenn zu viel auf Vorrat gebaut wird, kann die Menge vom Markt nicht mehr absorbiert werden.» Kommt dazu, dass nicht nur Investoren vom tiefen Hypothekarzins profitieren wollen, sondern ebenso viele Private, die sich ihren Traum von den eigenen vier Wänden erfüllen wollen. Sie alle kommen dann als Mieterinnen und Mieter nicht mehr infrage.

Möglich ist allerdings, dass nicht primär neue, sondern ältere Wohnungen leer stehen. Denn die Statistik des BFS sagt nichts darüber aus, ob es sich um neue oder alte Objekte handelt, die ­aktuell nicht bewohnt sind. Ruth Humbert denkt dabei an Häuser in Langnauer Quartieren in der ­Nähe der Kniematte oder im Sonnenfeld: «Wohnungen mit veralteten Grundrissen, kleinen Zimmern und abgeschlossenen Küchen stehen oft leer.» Objekte, die frei werden, weil deren Bewohner oft nach Jahrzehnten ausziehen, weil sie altersgerechte und mit einem Lift erschlossene neue Wohnungen vorziehen.

Die fehlende Qualität

Aus Erfahrung weiss Humbert, dass es heute auch einmal zwei oder drei Monate dauert, bis in Langnau und Umgebung Wohnungen vermietet werden könnten. Dies gelte für neue Objekte ebenso wie für ältere mit Charme, und dies selbst an guter Verkehrslage. Noch vor fünf Jahren habe man sich als Interessent für eine Wohnung auf einer Warteliste eintragen müssen.

Der Komfort einer Mietwohnung ist das eine, der Preis das ­andere. «Trotz sehr tiefen Hypothekarzinses verlangen Vermieter bei Neubauten auch einmal Preise, die am obersten Limit oder darüber sind», sagt Ruth Humbert. Dass zum Beispiel in Kirchberg 42 Drei- und 41 Vierzimmerwohnungen leer stehen, ist für sie keine Überraschung. Der Preis und die Qualität würden oft nicht übereinstimmen. Komme dazu, dass in dieser Gemeinde im unteren Emmental sehr viel gebaut worden sei.

Die Preise

Ein Blick in das Immobilienportal Immoscout 24 zeigt, dass in Kirchberg die Bandbreite bei den Mietwohnungspreisen besonders gross ist: Drei Zimmer gibt es monatlich schon für 800 Franken, die teuersten Dreieinhalbzimmer sind für 2600 Franken zu haben. Die günstigste Vierzimmerwohnung kostet 1515 Franken, für ein Loft mit vier Zimmern und 213 Quadratmetern Wohnfläche muss man 3280 Franken bezahlen.

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