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Erbssuppe erleichtert die Arbeit

Die Zäziwiler sind am Samstag früh aufgestanden, um mit Pickeln und Schaufeln ihre Wege und Bänke instand zu stellen.

Samstagmorgen halb neun am Bahnhof Zäziwil. Zwei Männer hantieren mit Werkzeug am Bänkli auf dem Bahnhofplatz herum und diskutieren über Schraubengrössen. Patrick Oppliger versucht, den beiden die Zeit fürs Znüni in Erinnerung zu rufen: «Um halb zehn bei der Waldmatte, gell», sagt er und steigt in seinen Wagen. Er macht sich auf den Weg zu den dutzenden weiteren freiwilligen Arbeitern, die im Dorf verteilt sind. Sie alle packen mit an, um am Bank- und Wäglitag die Wege und Bänke Zäziwils wieder auf Vordermann zu bringen. Der Koch hat eine Panne «Wo musst du hin?», fragt er kaum hundert Meter weiter einen Mann am Strassenrand. Sivam Arumugam ist auf dem Weg zur Arbeit, und sein Auto ist kaputtgegangen. Patrick Oppliger hat das gleiche Ziel und weist den Mann an, auf dem Rücksitz Platz zu nehmen. Dieser ist froh, sich die Höhenmeter bis zum Restaurant Eintracht sparen zu können. «Ich habe heute viel zu tun, ich muss literweise Erbssuppe mit Gnagi kochen», sagt Sivam Arumugam und verschwindet im Wirtshaus. Bald muss Oppliger das Auto stehen lassen, ohne 44 kommt man im Waldboden nicht mehr vorwärts. Zu Fuss geht es an steilen Abhängen entlang. «In anderen Jahren haben nach dem Winter ganze Teile des Längwegs gefehlt», sagt Oppliger. Doch dieses Jahr sieht es gut aus. Präsident packt mit an Am stotzigen Buhlenbergweg pickelt der höchste Zäziwiler überwachsene Treppenstufen frei. Zwei junge Burschen schaufeln die Grasmutten zur Seite, ein weiterer recht alles zusammen. «Der Bank- und Wäglitag war am Einschlafen», sagt Gemeindepräsident Hanspeter Schaffer, «Patrick Oppliger hat ihn wiederbelebt». Oppliger ist seit seiner Kindheit beim Bank- und Wäglitag dabei. Seit einigen Jahren ist der 35-Jährige Präsident des Orts- und Verkehrsvereins Zäziwil. «Ich versuche, die Leute nach ihren Stärken einzusetzen und ihnen Verantwortung zu übertragen», sagt er. Zum Znüni sitzen 25 Leute um die Brätlistelle und lassen sich Brot vom örtlichen Beck, Käse aus der Käserei, Wein und Bier vom Restaurant Bahnhöfli und Schweinswürstli vom Metzger munden. «Wie jedes Jahr wurde alles gesponsert», sagt Patrick Oppliger. Nur das Mineral hätten sie selber kaufen müssen. Auch die Geräte und Maschinen sind alle zur Verfügung gestellt. «Nicht in jeder Gemeinde sind die Wanderwege so gut in Schuss wie bei uns», sagt Oppliger nicht ohne Stolz. «In einem Dorf ist alles ein Geben und Nehmen. Wir helfen heute mit, und dafür kommen die Leute an einen Anlass unseres Turnvereins», sagt einer der jungen Helfer. Obwohl Gemeindepräsident Schaffer stolz ist auf die Jungen, wünscht er sich mehr Unterstützung vom Gemeinderat: «Ausser mir ist heute keiner hier.» Nagelfluh und Erbssuppe Als Patrick Oppliger nach dem Znüni am Schlattweg eintrifft, stehen Ernst Rothenbühler und Frank Hofer vor einem Problem. Das Loch für ein neues Bänkli wird einfach nicht tiefer: «Statt in Erde, buddeln wir hier in beinharter Nagelfluh», sagt Rothenbühler, der Bänklichef. Patrick Oppliger versucht, einen Bohrer zu organisieren, leider ohne Erfolg. Nach einem Kraftakt steht das Bänkli trotzdem. Die Arbeiten neigen sich dem Ende zu, die Wanderwege und Bänke sind bereit für den Sommer. Patrick Oppliger fährt zurück zum Waldmätteli, wo das gesponserte Zmittag aus dem Restaurant Eintracht wartet. «Ein weiterer Grund, warum jedes Jahr so viele freiwillig schuften, ist das Zusammensein danach», sagt Oppliger und beginnt, dampfende Erbssuppe mit Gnagi zu schöpfen. Tanja Kammermann >

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