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«Ermotti soll aus Investmentbanking aussteigen»

UBSNach dem Rücktritt von Konzernchef Oswald Grübel steht die Zukunft der Investmentbank im Zentrum der Aufmerksamkeit. Ein Ausstieg aus dem riskanten Eigenhandel wäre laut dem Zürcher Bankenexperten Hans Geiger im Sinne der Aktionäre.

«Der Chefwechsel bei der UBS kommt zu einem sehr ungünstigen Zeitpunkt», sagt Hans Geiger, emeritierter Zürcher Bankenprofessor. Man müsse sich vorstellen, die UBS-Mitarbeiter seien seit dem Jahr 2007 in einer schwierigen Situation und stark verunsichert. Die UBS findet nach dem Fastbankrott und dem jüngsten Zockerskandal des Londoner Händlers Kweku Adoboli kaum mehr aus den negativen Schlagzeilen heraus. «Oswald Grübel hat mit seinem Amtsantritt 2009 intern die Stabilität zurückgebracht», so Geiger. Er ist darum überzeugt, dass der neue, interimistische UBS-Chef Sergio Ermotti erst einmal das Vertrauen der Mitarbeiter gewinnen muss. Der 51-jährige Tessiner gilt in Bankenkreisen als Favorit für die permanente Nachfolge Grübels als Konzernchef. Mit seiner umfassenden Branchenerfahrung soll er an der Umsetzung der Strategieanpassung der UBS weiterarbeiten. «Unter der Voraussetzung, dass Ermotti die nächsten zwei bis drei Monate gut meistert, wird er an der Spitze bleiben können», ist Geiger überzeugt. Denn ein erneuter Chefwechsel würde sowohl die Aktionäre als auch die Mitarbeiter stark verunsichern. Geiger bringt es auf den Punkt und sagt: «Die UBS muss jetzt Konstanz demonstrieren.» Geiger hofft auf Ermottis Mut Finanzexperten erwarten gespannt, wo Ermotti, aufgrund seines Werdegangs mit dem Investmentbanking gut vertraut, in dieser Division bei der UBS den Hebel ansetzt. Der Tessiner gilt nicht als Freund von allzu starken Regulierungen. Er betonte mehrmals, die Schweiz solle nicht voreilig strengere Regeln für Grossbanken einführen als andere Länder. Im internationalen Geschäft könne es damit zu schwerwiegenden Wettbewerbsnachteilen kommen. Geiger hofft, dass Ermotti den Mut hat, im Investmentbanking Veränderungen durchzuziehen: «Die guten Zeiten für den Eigenhandel sind vorbei. Ohne Eigenhandel wäre die UBS deutlich mehr wert.» Geiger, der selber als Banker bei der Credit Suisse arbeitete, wird noch klarer und sagt: «Sergio Ermotti soll aus dem Investmentbanking aussteigen.» Er betont jedoch, das sei unwahrscheinlich. «Aus der Sicht der Aktionäre wäre bereits viel gewonnen, wenn die UBS sich auf das klassische Investmentbanking konzentrieren würde», sagt Geiger. Gemeint ist eine Konzentration auf die Kapitalmarktgeschäfte sowie die Ausgabe von Obligationen und Aktien für Firmen, Institutionen und Staaten. Den Handel sollten die Investmentbanker laut dem emeritierten Professor nur noch betreiben, um einen liquiden Markt für die Papiere der Kunden zu gewährleisten. Riskante Wetten mit dem Kapital der Bank sollte man aber unterlassen. Ob die UBS sich dazu durchringen kann, ist offen. Mehr wird man voraussichtlich im November wissen. Ermotti wird zu dem Zeitpunkt den Investoren einen Plan präsentieren, welche Bereiche die UBS herunterfahren will. Der UBS-Kurs ist gestiegen «Die Entwicklung des UBS-Aktienkurses hängt nun stark vom Verhalten Ermottis ab», ist Geiger überzeugt. Die entscheidende Frage ist: Trauen ihm die Aktionäre die Aufgabe zu, die anstehenden Probleme bei der UBS zu lösen? «Dass ein gewisses Vertrauen für den neuen Mann da ist, zeigt, dass der Aktienkurs gestern weiter an Wert zugelegt hat», so Geiger. Am ersten Handelstag nach dem Rücktritt von Oswald Grübel stand der UBS-Kurs nach Börsenschluss bei 10.63 Franken 5,04 Prozent im Plus. Und dies, obwohl die Zukunft der Bank nach dem Chefwechsel von Grübel zu Sergio Ermotti für Finanzexperten unklar ist. Rahel Guggisberg>

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