Erst die Hunde, dann das Rennen

Lenk

An der Lenk begann seine Karriere als Musher, hier wurde er 2006 Schweizer Meister, und am Wochenende nahm Ueli Lüthi aus Hondrich hier am 41. Internationalen Schlittenhunderennen teil.

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Er kam mit seinen acht Siberian Huskies an die Lenk, wo er in seinem Wohnwagen übernachtete. Seine Hunde schlafen während der Rennwochenenden in ihren Holzboxen, die Lüthi als gelernter Schreiner extra für sie gezimmert hat.

Passgenau wird der Raum im weissen VW-Bus genutzt. Hera, die Leithündin, Halina, Haika, Hannia, Diva, Dido, Jacky und Haiak fiebern am Samstagmorgen im Stake-out, dem Bereich, wo Hunde und Musher sich neben den Rennen aufhalten, dem Start entgegen.

Noch sind sie ruhig, obschon sie wissen, dass es nicht mehr lange dauert, bis sie auf den Trail dürfen. Ueli Lüthi ist Musher aus Leidenschaft und erzählt, wie er 1985 auf einer Abenteuerreise in Kanada einem schwarzen Siberian Husky begegnete, der das Zelt von Indianern bewachte. Dieser Hund habe ihn mit seiner souveränen Art derart begeistert, dass er vom Moment an keine andere Hunderasse wollte. Bis heute hält er den schwarzen Huskies die Treue.

Am Anfang war die Lenk

Lüthi hielt sich vor 30 Jahren als Besucher während des Schlittenhunderennens an der Lenk auf, als ein herrenloses Schlittengespann mit acht Hunden seinen Weg kreuzte. Er überlegte nicht lange, sprang auf den Schlitten und zügelte die Hunde, bis ihr Musher kam. «Dieses Erlebnis hat mich mit dem Schlittenhundevirus infiziert», lacht der 58-jährige Hondricher und erzählt, wie darauf die Anzahl seiner Siberian Huskies stetig stieg.

Es folgten ein grosses Bauernhaus und erste Zuchterfolge. Bald hatte er acht Hunde, mit denen er starten konnte. Sein allererstes Rennen bestritt er an der Lenk, wo er später sogar Schweizer Meister wurde. Es ging ihm nie um die Trophäen, sondern um die Zusammenarbeit mit seinen Hunden.

«Die Symbiose zwischen Mensch und Tier fasziniert mich!», so Lüthi. Diese Faszination liess ihn schliesslich zusammen mit einigen Kollegen das mittlerweile legen­däre Wagenrennen in Thun gründen.

Auf höherer Ebene

Mit seinen Hunden ein gutes Team sein sei das Wichtigste für ihn, betont der Musher. Seine Verbindung mit den Hunden wird deutlich, wenn er seine Kommunikation mit ihnen erklärt. «Ich bin über einen unsichtbaren silbernen Faden mit der Leithündin verbunden», ist er überzeugt. Seine Befehle lauten nur «links» oder «rechts».

Je leiser er spreche, desto besser hörten ihn die Hunde. Aber auch das sei nicht wirklich wichtig. Denn Leithündin Hera wisse auch ohne Worte, wohin sie laufen müsse. Sie kenne seine Befehle, noch bevor er sie ausgesprochen habe. Nach jedem Rennen bedankt sich Lüthi bei seinen Hunden.

So auch am Samstag an der Lenk. Und die Laufzeit? «Die ist mir egal», winkt Lüthi lachend ab und versorgt zuerst seine Hunde. Wenn Ueli Lüthi sagt, dass seine Hunde an erster Stelle kommen, ist das keine Floskel, sondern ein Versprechen.

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