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«Es tut mir gut, etwas für den Kopf zu machen»

FussballWie der FC Thun ist Christian Schneuwly nach

Zwei Wochen sind vergangen, seit Christian Schneuwly widerfuhr, was er als «etwas vom Schlimmsten, das einem Fussballer passieren kann» bezeichnet. Gegen Xamax wurde der Mittelfeldspieler des FC Thun (gemeinsam mit Teamkollege Muhamed Demiri) von Trainer Bernard Challandes bereits in der 41.Minute vom Feld beordert. Ein Spielertausch noch vor der Pause ist ein starkes Zeichen im Fussball. Challandes unterstrich damit, beim Stand von 0:2, seine Unzufriedenheit. Die Massnahme zeigte keine Wirkung, Thun verlor 0:4. Zu einem Gespräch zwischen Challandes und den früh ausgewechselten Spielern kam es hinterher nicht. «Das war auch gar nicht nötig. Der Trainer muss seinen Entscheid nicht begründen», sagt Schneuwly rückblickend. Nach dem Training sitzt er vor dem Thuner Stadion, den Match und die Ereignisse in Neuenburg hat er hinter sich gelassen. Mit dem Spiel im Cup-Sechzehntelfinal in St.Gallen steht er nach der zweiwöchigen Pause wegen der Länderspiele vor der nächsten Herausforderung. «Für die zweite Cuprunde hätte ich mir eine leichtere Aufgabe vorstellen können. Aber wenn wir den Cupsieg holen wollen müssen wir jeden Gegner schlagen. Ich freue mich auf das Duell», sagt der 23-Jährige vor der Partie morgen gegen den Leader der Challenge League. Sinnbild für Saisonverlauf Die Partie in der Ostschweiz soll die Trendwende bringen für den FC Thun. Seit 5 Meisterschaftspartien sind die Oberländer ohne Sieg, vor einer Woche ging auch das Testspiel gegen den Challenge-League-Klub Delsberg 0:1 verloren. «Wir brauchten die Länderspielpause, um uns zu erholen», sagt Schneuwly, «die Müdigkeit nach den vielen Spielen zu Saisonbeginn machte uns zu schaffen.» Zwar betraf der Leistungseinbruch nach dem überzeugenden Start das ganze Team, doch Christian Schneuwly darf ein wenig als Sinnbild für den Thuner Saisonverlauf gelten: Von den Young Boys im Sommer für ein Jahr ausgeliehen, fügte er sich sofort in das Thuner Team ein. Er übernahm auf der rechten Seite von Anfang an viel Verantwortung, vom ersten Spiel in Genf gegen Servette kehrte Schneuwly mit einem Tor und einem Assist zurück. Er traf auch im zweiten Auftritt gegen GC und in der fünften Runde gegen Lausanne, dazu kamen überzeugende Leistungen in den Europa-League-Qualifikationsspielen gegen Palermo. Seit einigen Wochen aber ist es dem Techniker nicht mehr gelungen, sein Potenzial auszuschöpfen. Sportchef Andres Gerber erstaunt das nicht: «Es ist nicht aussergewöhnlich, dass ein junger Spieler, der viel mehr Einsatzzeit als zuvor erhält, nach einem starken Auftakt plötzlich in ein kleines Loch fällt.» Bloss 16 Meisterschaftsspiele bestritt Schneuwly letzte Saison für YB. Die höhere Belastung nun in Thun war auch für die muskulären Probleme verantwortlich, die ihn zuletzt von Zeit zu Zeit behinderten. Den Schwierigkeiten zum Trotz, Schneuwly hat nie bereut, der Ausleihe von Bern nach Thun zugestimmt zu haben. Dem Familienmenschen gefällt die Atmosphäre beim Oberländer Kleinklub. Dafür nimmt er auch in Kauf, dass sein Arbeitsweg von Wünnewil, wo er noch im Elternhaus wohnt, etwas länger geworden ist. Und was sich bei den Young Boys tut, das erfährt er von seinem Bruder Marco. Der Stürmer dachte im Sommer ebenfalls über einen Wechsel nach Thun nach. Nach dem Trainerwechsel bei YB wollte er sich die Gelegenheit, unter Christian Gross zu trainieren und zu spielen, aber nicht entgehen lassen. Am Abend in der Schule Gemeinsam gehen die Schneuwly-Brüder seither nur noch auf den Golfplatz. Allerdings besitzt Christian Schneuwly seit einigen Monaten weniger Freizeit als auch schon: Im Frühling hat er an der Feusi in Bern mit der Ausbildung zur Berufsmatura begonnen. «Ich habe gemerkt, dass es mir gut tut, wenn ich neben dem Fussball etwas für den Kopf mache. Ich brauche diesen Ausgleich», sagt er. Noch bis nächsten Sommer besucht er an zwei Abenden pro Woche und am Samstagmorgen die Schule. Wobei die Lektionen am Samstagvormittag oft ohne den Fussballer stattfinden. «Den Stoff hole ich aber jeweils im Selbststudium nach.» Heute aber verpasst Christian Schneuwly keine Schulstunde, es sind Herbstferien. Um 15.30 Uhr trainiert er mit dem FC Thun. Gleich im Anschluss steigt er mit den Teamkollegen in den Bus und fährt in die Ostschweiz. Die Anreise am Vortag eines Spiels ist bei den Thunern unüblich, was die Bedeutung des Cupspiels unterstreicht. Alexander Wäfler>

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