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Experte Müller: «Es wird eng»

Viele Projekte sind in Bipp gescheitert. Wie beurteilt Fachmann Hansruedi Müller die Chancen für den

Herr Müller, der neue Freizeitpark kostet 150 Millionen Franken. Lassen sich solch hohe Kosten wieder hereinholen? Hansruedi Müller: Das ist tatsächlich eine sehr hohe Investition. Ökonomisch rechnet sie sich nur mit regelmässigen, hohen Frequenzen. Und das mit stolzen Eintrittspreisen. Die Initianten rechnen mit 380000 Besuchern pro Jahr. Diese Zahl könnte realistisch sein. Das Problem ist nur, dass 380000 nicht genügen. Das Alpamare in Pfäffikon hat 500000 Eintritte, und das 80-Millionen-Projekt Acquaparco Ticino rechnet mit bis 450000 Eintritten. Für die Initianten offenbar kein Grund zur Sorge. Sie gehen von einem «Einzugsgebiet» mit 4,5 Millionen Menschen aus – das heisst, alle, die den Freizeitpark in 90 Minuten erreichen. Bei einer Investition von über 100 Millionen ist ein 90-Minuten-Radius okay. Die entscheidenden Fragen sind aber: Wie viele der potenziellen Besucher aktiviert werden können und wie die Konkurrenzsituation ist. Denken wir an das Westside oder an die Wasserwelt in Pratteln. Neben dem Alpamare in Pfäffikon sind in den letzten Jahren im Einzugsgebiet einige Anlagen entstanden. Es wird eng! In Bipp sind zuletzt mehrere Grossprojekte gescheitert. Glauben Sie, ein Freizeitpark findet bei den Leuten mehr Akzeptanz ? Schwer einzuschätzen. Um eine Mehrheit der Bevölkerung von Sinn und Machbarkeit zu überzeugen, braucht es einen seriösen Businessplan und einen glaubhaften Investor. Beide sind mir zurzeit nicht bekannt. Warum ist der Raum Bipp eigentlich so begehrt für überregionale Grossprojekte? Wegen der zentralen Lage und der Verkehrserschliessung. Der Standort ist das A und O gerade auch von Freizeitparks. Der Landbedarf von 90000 Quadratmetern ist riesig, Wertschöpfung und die Zahl neuer neue Jobs aber relativ gering. Wenn es sich nicht um die Umnutzung einer Brache handelt, sind 90000 Quadratmeter tatsächlich enorm. Vorausgesetzt, die Anlage könnte wirklich rentabilisiert werden, würde ich die Wertschöpfung allerdings nicht unterschätzen. Aber die Zeit der grossen Freizeitparks ist doch vorbei? Unser Land hat sich noch nie als geeignet für grosse Freizeit- oder Themenparks erwiesen. Denn die ganze Schweiz ist ja eine Art gigantischer Freizeitpark Zum Schluss eine persönliche Frage: Als Stadtberner sind auch Sie problemlos in 90 Minuten in Niederbipp. Könnten Sie sich vorstellen, einmal im «Aquamania» baden zu gehen? Ja, aus purem Gwunder. Und um meiner Enkelin eine Freude zu bereiten. Interview: Stefan AerniHansruedi Müller (63) ist Direktor des Forschungsinstituts für Freizeit und Tourismus der Universität Bern. >

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