Experten machen sich für Kreisel stark

Reichenbach

reichenbach Ein Kreisel soll in Reichenbach Staus minimieren. Das haben Ingenieure aufwendig simuliert, berechnet und erörtert. Einige Anwohner sind skeptisch, dass der Verkehr im Kandertal in Zukunft rundläuft.

Markus Wyss (links) und Marino Sansoni am Informationsabend in Reichenbach.

Markus Wyss (links) und Marino Sansoni am Informationsabend in Reichenbach.

(Bild: Rösi Reichen)

Markus Wyss verspricht nicht, dass alle mit dem Kreisel als Staulösung in Reichenbach zufrieden wären. «Aber ich setze mich dafür ein, dass endlich eine Lösung gebaut wird und sie bis 2020 fertig ist», sagte der Oberingenieur des Kreises I des Tiefbauamts des Kantons Bern an der Infoveranstaltung im Kirchgemeindehaus Reichenbach. Die Besucher wurden ermuntert, schriftliche Eingaben für und gegen das bis zum 13. September aufliegende Vorprojekt auf dem Mitwirkungsfragebogen an die Gemeindeverwaltung Reichenbach zu richten.

Starke Überlastung

Seit 1999 gibt es die Vision einer Umfahrung des Dorfes Reichenbach. Tatsache ist, dass die heutige Lichtsignalanlage bei der südlichen Talquerung bei hohem Verkehrsaufkommen stark überlastet und daher in Touristenkreisen «berühmt-berüchtigt» ist.

Nach einem ersten Infoabend im vergangenen Jahr wurden ­Anliegen vom Kanton (Heinz Schmid), von Marino Sansoni von der LP Ingenieure AG und Heinz Suter (B + S AG) gesichtet und ausgewertet, wurden Messungen zu den Frequenzen gemacht, Lösungen visualisiert und erklärt. Ab 950 Fahrzeugen pro Stunde und Richtung stocke der Verkehr bei der Abzweigung Kien und bei jener zur alten Strasse.

Kreisel wird favorisiert

Durch einen Kreisel mit 34 Metern Durchmesser könnte die Leistungsfähigkeit auf 1200 Fahrzeuge pro Stunde erhöht werden, bei einer optimierten Lichtsignalanlage wären es 1400. Der Kreisel sei zu favorisie­ren, weil ab 1200 Fahrzeugen ein Stau im Dorf (Bahnhofstrasse) entstehe. Der Verkehr rolle mit dem Kreisel flüssiger, halbiere die 120 Stunden des jährlichen Staus und verbessere die Situation. Mit flankierenden Massnahmen, wobei die Geschwindigkeit temporär zur Abschwächung des Staus auf 60 reduziert wird (wie jetzt schon in der Gemeinde Kandergrund fix), soll eine Entschärfung gelingen. Schleichwege werden nicht mehr attraktiv sein.

Lösung für Bahnhof

Mit der BLS, der Postauto AG und der Gemeinde zusammen wurde auch für den Bahnhof und die Einmündung der Bahnhofstrasse eine Lösung gefunden, wie sich Marino Sansoni freute, der Geschäftsführer und Inhaber der LP Ingenieure AG.

Ein Landwirt war enttäuscht, dass die Landbesitzer nicht in die Verhandlungen einbezogen wurden. Mehrere Leute wollten bessere Lösungen für Schulwege und erinnerten daran, dass das Kandertal Ersatz für den vorgesehenen Rawil gewesen und eine wichtige Achse zwischen Hamburg und Rom sei, wobei der Autoverlad lange Schlangen verursache. Das Kandertal sei «mehr und mehr verstopft», wurde behauptet.

Dagegen und gegen die Verkehrszunahme von 1,5 Prozent pro Jahr habe Wyss leider auch kein Rezept. Aufwendige Lösungen wie eine Umfahrungsstrasse, Über-, Unterführungen und Rampen wären erst durch Übernahme der Strasse durch den Bund ein Thema. Wegen zweier verlorener Abstimmungen und der Planänderungen für Bus und Bahn werde der Platz knapper.

Einige der Veranstaltungsteilnehmer verstanden nicht, dass 50 Prozent weniger Staus ein Erfolg ist, und machten deutlich, dass sie sich rollenden und nicht stehenden Verkehr wünschen.

Berner Zeitung

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