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Federer einmal mehr der Beste

Auch als Vater ist Roger Federer erfolgreich. Das Schweizer Tennisgenie

Nach seinem neuerlichen Triumph fühlte sich Roger Federer schlicht «überwältigt». Er holte sich den Titel in Melbourne zum vierten Mal nach 2004, 2006 und 2007. Nur der Australier Roy Emerson, nach dem in Gstaad der Centre-Court benannt ist, gewann das Australian Open häufiger als Federer (6 Mal). Vor allem aber war Federer nach dem gewonnenen Final sehr zufrieden mit seinen Leistungen: «In den letzten beiden Wochen spielte ich hier das beste Tennis meiner Karriere.» Tatsächlich blickte Federer nach dem Fehlstart im Viertelfinal gegen Nikolai Dawydenko (2:6, 1:3) nie mehr zurück. Jo- Wilfried Tsonga wurde im Halbfinal deklassiert (6:2, 6:3, 6:2), und Andy Murray, der möglicherweise sein bestes Turnier bestritt, reichte es im Final ebenfalls nicht zu einem Satzgewinn. Auch gegen Murray legte Federer die Basis zum Sieg mit einem Blitzstart. Nach weniger als einer Stunde führte er 6:3, 3:1, nachdem er Murray 3 der ersten 6 Aufschlagsspiele abgenommen hatte. Der letzte Satz des Finals erwies sich als krönender Abschluss des Australian Open, das 653860 Zuschauer mobilisierte, fast 50000 mehr als im bisherigen Rekordjahr 2008. Andy Murray führte im dritten Satz mit 5:2, später besass er im Tiebreak 5 Satzbälle (bei 6:4, 6:5, 7:6, 9:8, 11:10). Roger Federer liess den Kopf aber nie hängen und wehrte alle ab. Heikle Phase Nochmals heikel wurde es nach 2 Stunden und 40 Minuten. Beim zweiten Matchball (bei 10:9 im Tiebreak) wähnte sich Federer bereits als Turniersieger; er liess den eigentlich harmlosen Passierball Murrays am Netz vorbei, und der Ball plumpste schliesslich noch ins Feld. «Ich ärgerte mich über den Lapsus», erzählte Federer später, denn «ich habe so schon Matches verloren» – zum Beispiel 2005 in Melbourne den Halbfinal gegen Marat Safin. Einen Ballwechsel später besass Murray wieder Satzball. Federer: «Im Kopf habe ich es schon kommen sehen Ich verliere zuerst den Satz und dann den Match.» So weit kam es dann doch nicht: Mit einem Servicewinner glich Federer zum 11:11 aus. Dann folgten zum Abschluss ein Gewinnschlag von Federer (12:11) und ein letzter unerzwungener Fehler von Murray (13:11). Der Brite konnte an der Siegerehrung – genau gleich wie Roger Federer vor einem Jahr nach der Niederlage gegen Rafael Nadal – die Tränen nicht zurückhalten. Aber immerhin verlor Murray nicht den Humor: «Ihr seht, ich kann weinen wie Roger. Ich kann aber leider nicht so gut spielen wie er.» Neue Momentaufnahme Nicht nur wegen Murrays Vermerk auf Federers Tränen lohnt sich der Blick zurück. Vor einem Jahr schien Federer am Boden. Selbst Experten glaubten damals, Federer gewinne nie mehr ein Grand-Slam-Turnier, und Nadal gewinne künftig alles. Ein Jahr später sieht alles anders aus: Federer besitzt im Moment wieder drei Grand-Slam-Titel, Nadal keinen mehr. Federers Vorsprung in der Weltrangliste beträgt 3040 Punkte auf Novak Djokovic und 3550 Punkte auf Andy Murray. Für einen Grand-Slam-Titel gibt es 2000 Weltranglistenpunkte. Auch auf Hartplatz, wo es zuletzt die meisten Niederlagen für Federer absetzte, scheint wieder «alles Roger» zu sein. Federers Perspektiven sind mittlerweile wieder blendend. Die Gegner sind es, die sich mit Problemen herumschlagen: Djokovic (neu ATP 2) scheint für Grand-Slam-Turniere zu weich, Murray (ATP 3) verlor auch seinen zweiten Majorfinal ohne einen Satzgewinn, Nadal (ATP 4) plagen schon wieder Knieschmerzen, Del Potro (ATP 5) schmerzt seit dem US-Open-Triumph das Handgelenk und Dawydenko (ATP 6) reüssierte bislang an den Majors noch nie. Und das Hintergrund- Magazin der ATP-Tour stellt die Frage, ob Federers Rekorde wohl irgendwann von irgendjemandem gefährdet werden könnten. Die Chance, dass jemand wie Federer im Zeitraum von 27 Grand-Slam-Turnieren 16 Titel holt, schätzen die Experten der ATP auf ein minimes Prozent. Immerhin eine Zwei-Prozent-Chance wird eingeräumt, dass nochmals jemand wie Federer in 19 aufeinanderfolgenden Major-Turnieren 18 Mal den Final erreicht. Das nächste Turnier bestreitet Federer Ende Februar in Dubai, seiner zweiten Heimat. Erst im März trifft sich die gesamte Elite wieder in Indian Wells und Key Biscayne. Da Federer vor einem Jahr keines dieser Turniere gewann, dürfte er die Nummer 1 der Welt die nächsten Wochen problemlos verteidigen. 18 Wochen als Nummer 1 fehlen Federer noch zu einem weiteren «ewigen Rekord»; dann hätte er Pete Sampras’ 286 Wochen als Nummer 1 egalisiert. Rolf Bichsel, Melbourne >

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