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Fischer fischen in «extremen» Seen

Iseltwald162 Tonnen Fisch fingen die 18 Berner Berufs-

Schweizer Durchschnitt ist im Kanton Bern nur der Thunersee mit Fangerträgen «auf einem stetigen, aber recht tiefen Niveau», wie Berufsfischer Hans Sieber an der Hauptversammlung des Kantonal-Bernischen Berufsfischer-Verbandes (KBBV) vom Samstag in Iseltwald berichtete. «Die beiden anderen grossen Seen sind Schweizer Meister», sagte Christoph Küng, stellvertretender Fischereiinspektor des Kantons Bern. Die magersten Erträge liefert der Brienzersee: In keinem anderen Schweizer See werden im Verhältnis zu seiner Grösse weniger Fische gefangen – und es werden immer noch weniger. 2010 betrug der Fangertrag noch 1,9 Kilogramm Fisch pro Hektare Seeoberfläche. Konstant an der Spitze Das Gegenstück dazu ist der Bielersee mit Erträgen um 50 Kilo pro Hektare. «Solche Werte erreicht nur der Sempachersee in seinen besten Jahren», sagte Küng. Und der sei wegen seiner Überdüngungsprobleme nach wie vor ein «Patient», der auch ganz schlechte Jahre habe. «Der Bielersee liefert aber seine hohen Erträge konstant – und diese Konstanz lässt schliesslich eine Berufsfischerexistenz zu.» Zudem zeigen die Fangstatistiken, dass auch die Angelfischer im Bielersee kräftig zulangen: Bei den Felchen lag ihr Fangertrag 2009 bei 33 Tonnen – einem Drittel des Felchenertrags der Berufsfischer. «Das ist viel im schweizerischen Vergleich», meinte Küng. Trotzdem gebe es keine Hinweise auf eine Überfischung des Bielersees. Zwar steige der gesamte Fangertrag auf dem Bielersee seit Jahren nicht mehr; aber das liege wohl eher daran, dass nicht mehr Boote auf dem See Platz haben. «Die Fischbestände im Bielersee werden nachhaltig genutzt.» Die mageren Verwandten Das Gleiche gilt für die Oberländer Seen. So werden auch die Felchenbestände im Brienzersee nicht übernutzt. Aber seit ihre fetteste Nahrung, die Daphnien, in den letzten Jahren manchmal fast ganz verschwunden ist, werden die Brienzerseefelchen immer kleiner und bleiben immer weniger in den Netzen der letzten beiden Berufsfischer am Brienzersee hängen –1,7 Tonnen waren es 2010. Weil die Brienzerseefelchen so klein sind – im Durchschnitt bringen sie mit 42 Gramm gerade noch einen Sechstel einer Thunersee- oder Bielerseefelche auf die Waage –, gibt ihre Verarbeitung auch viel mehr zu tun. Zudem werde es schwieriger mit dem Absatz, wie Beat Abegglen, Obmann vom Brienzersee, berichtete. «Naturprodukte mit gewissen Grössen- und Gewichtsunterschieden werden zusehends durch genormte Zuchtfischprodukte ersetzt.» Nahrung für den Brienzersee? Im Schweizerischen Berufsfischerverband werde deshalb diskutiert, ob sich die Lage mit mehr Nährstoffen verbessern liesse, sagte KBBV-Präsident Silvano Solcà. Fischereiinspektor Thomas Vuille erklärte, dass seine Abteilung und die Eawag (Wasserforschungsinstitut der ETH) in den nächsten Monaten einen Faktenbericht zum Brienzersee vorlegen werden. Der Bericht soll als Grundlage dienen für eine Aussprache des Fischereiinspektorates mit dem Bundesamt für Umwelt über mögliche Massnahmen im Nährstoffbereich. Zur Diskussion stehen dürfte dabei die Frage, welcher Reinigungsaufwand bei Kläranlagen noch sinnvoll ist. Wie Vuille weiter berichtete, werden im Thunersee die Gonadenmissbildungen bei Felchen in einem Folgeprojekt erneut untersucht. Die Fischer haben den Eindruck, dass die Missbildungen in letzter Zeit nicht mehr so oft vorkommen. Am Bielersee schliesslich wird derzeit im Auftrag der kantonalen Volkswirtschaftsdirektion und mithilfe der Fischer das Ausmass der Kormoranschäden erhoben – als Grundlage für mögliche Eingriffe in den Brutkolonien dieser Fisch fressenden Vögel. Sibylle Hunziker>

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