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Fliegende Wurst und dicker Hintern

Was gelingt und vor allem was misslingt einem Fernsehmann? Peter Balzli referierte in Burgdorf – die Lacher waren auf seiner Seite.

Manchmal kann eine schmackhafte Rauchwurst aus dem Emmental einen Gottesdienst im fernen London empfindlich stören. Dies vernehmen die Zuhörerinnen und Zuhörer gegen Ende dieses Abends bei der Casinogesellschaft in Burgdorf. Rund eine Stunde lang hat Peter Balzli, der Hiesige, der vielen von seinen ersten Artikeln im Burgdorfer Tagblatt her noch bestens in Erinnerung ist, aus seinem Leben als Schweizer Fernsehkorrespondent berichtet. Seit 2007 arbeitet er in dieser Funktion in England – nun liest er noch ein paar wahre Geschichten, auch jene von der ominösen Wurst also, und die erzählt er. Ein Schatz auf Abwegen Mit Freunden traf sich Balzli auf Heimatbesuch im Emmental zum Ramsen und gewann in der Tat eine Wurst. Den duftenden Schatz nahm er zurück nach London und bewahrte ihn, um die Wohnung zu schonen, auf dem Balkon auf. Dummerweise fegte in der folgenden Nacht ein Sturm durch die Stadt, und die Wurst landete nebenan auf dem Areal einer Kirche. Als er nachschaute, unterbrach der Pfarrer umgehend Gospelgesang und Predigt, um den vermeintlichen Dieb zu stellen. Alles Erklären über die Schweiz, das Kartenspiel und die Würste nützte nichts – eben: «Wie eine entflogene Emmentaler Qualitätswurst», Balzli wiederholt es schmunzelnd, «einen Gottesdienst unterbrechen kann». «Faisceau» und «fessu» Auch sonst unterhält der 45-Jährige mit allerhand Bemerkungen, die meist nicht allzu ernst gemeint sind. So bittet er sein Publikum gleich zu Beginn, sich mit Reaktionen zurückzuhalten, «weil ich zwar gelegentlich vor der Kamera, aber kaum je vor so vielen Leuten auftrete». Im Alltag bekomme es deshalb nie direkt mit, wie über seine Arbeit geschimpft werde. Dann erzählt er, dass sein Interesse für den ersten Auslandsposten in Paris gar nicht gross gewesen sei. Umso lockerer habe er im Jahr 2002 in die Bewerbungsrunde einsteigen können. «Ich dachte, ich kenne mich ja in den französischen Weinen aus, und ein paar Tage später hatte ich den Job.» Gleich beim Einstieg passierte ihm eine peinliche Panne. «Ich bestellte beim französischen Fernsehen Material über den Club méditerrané, die Kollegen fragten, ob sie ‹par courrier› oder ‹par faisceau› liefern sollten, ich sagte spontan ‹par fessu›» – auf ihr schallendes Lachen hin blätterte er im Wörterbuch nach: Statt «per Post» oder «per Richtstrahl» hatte er «per dicken Hintern» bestellt. Das ominöse Schiff Die Burgdorferinnen und Burgdorfer dürfen weiter grinsen, denn Balzli zeigt bewusst nicht die guten Beispiele seines Schaffens – «das wäre zu einfach» –, sondern die schlechten. So bekommen sie einen sichtlich stolzen Frankreichkorrespondenten zu sehen, der, eine erneute Sprachpanne, eben von Jacques Chirac Antwort erhalten hat und nun in der Übersetzung etwas von der Schweiz als Schiff im Herzen von Europa schwafelt. Dabei hatte der Präsident mit dem Wort «bâteau» das Schweizer Segelschiff Alinghi gemeint, das er für den America’s Cup nach Marseille holen wollte – «für diesen Fauxpas» wurde ich in der Zeitschrift ‹Facts› gegrillt». Wobei, mit Schalk in den Augen: «Mich gibt es heute noch, ‹Facts› nicht mehr.» Später gibt der gleiche Frankreichkorrespondent mit völlig verkniffenem Gesicht Antworten auf Fragen aus dem Studio Zürich. Die Mimik wirkt derart komisch, dass sie im Saal Lacher um Lacher erntet. «Der Kameramann wollte unbedingt einen Riesenscheinwerfer gegen mich gerichtet haben», erklärt er. Damit man die Küste im Hintergrund noch sehe. Schwarze Mattscheibe Als Dessert zeigt Balzli eine Liveschaltung nach Brasilien, von wo aus er während der Fussballweltmeisterschaft 2006 berichtete. Mit überschwänglichen Worten beschreibt er die Riesenstimmung in diesem fussballverrückten Land, er redet von einem bunten Umzug, von knallendem Feuerwerk – allein, im Hintergrund, wo die Party abgehen sollte, bleibt es so ruhig und dunkel wie zuvor. Plötzlich wird die Mattscheibe ganz schwarz, und statt des gestikulierenden Reporters sieht das Publikum nur noch eine steife Foto. Zu spät auf Sendung Hier sei alles schiefgegangen, was habe schiefgehen können, erzählt Balzli. Und liefert die konkreten Hintergründe, indem er eine weitere Geschichte liest. Strömender Regen hatte an diesem Tag die sonst fröhlich feiernden Leute vom Strand vertrieben. Mit Ach und Krach stellte er einen Umzug auf die Beine, doch lange liess sich der Tross nicht zurückhalten. Da nützte es auch nichts, dass ein Kollege den Weg versperren wollte – «kaum waren die Letzten aus der tanzenden Menge um die Ecke verschwunden, ging ich endlich auf Sendung».Stephan Künzi>

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