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Harte Arbeit für den guten Ton

Stéphane Brügger schmiedet Treicheln und giesst Bronzeglocken. Der Besuch in seiner Werkstatt in Villars-sur-Glâne ist ein Ausflug in eine vergangene Welt: Vom ersten bis zum letzten Arbeitsschritt erledigt er alles von Hand.

Stéphane Brügger heizt den Ofen ein, um dort aus Stahlplatten Treicheln zu formen.
Stéphane Brügger heizt den Ofen ein, um dort aus Stahlplatten Treicheln zu formen.
Aldo Ellena

Im schwarzgerussten Ofen glühen die roten Kohlen. Hammerschläge dröhnen. Jeder einzelne Handgriff sitzt, wenn Stéphane Brügger in seiner Werkstatt Treicheln schmiedet. Er legt den zugeschnittenen Stahl ins Feuer – auf 1200 Grad wird das Material erhitzt. Die Erfahrung zeigt Brügger, wann er das rotweiss glühende Stück Stahl mit der Zange packen und auf die Modellform legen muss. Regelmässig fährt sein abgerundeter Hammer auf den erhitzten Stahl und formt daraus die Hälfte einer Kuhglocke. Rund zehnmal wird eine Hälfte im Feuer erhitzt und geschlagen, bis sie die richtige Form hat.

Alles selber gelernt

«Eine Lehre gibt es für diesen Beruf nicht», sagt Stéphane Brügger. Sein Vater Marius hat die Werkstatt aufgebaut. «Er hat sich dafür interessiert, wie Glocken gegossen werden – und hats einfach ausprobiert.» Marius Brügger kaufte die Marke des Treichlenherstellers «P.Morier, Morges», und «seither läuft das Geschäft», sagt Stéphane Brügger. Die Glocken giessen Brüggers unter ihrem Namen.

Der Schmied und Glockengiesser hat eine Lehre als Heizungszeichner gemacht, bevor er im Unternehmen seines Vaters einstieg. Zehn Jahre lang haben sie zusammen gearbeitet, 1997 ging der Vater in Pension. Stéphane Brügger hatte auch Angestellte, doch «es ist schwierig, gute und motivierte Leute zu finden.» Darum arbeitet er nun alleine. «Wir haben einen speziellen Beruf, den man lieben muss.» Stéphane Brügger gefällt, dass er abends sieht, was er gemacht hat. «Wenn die Glocken nach getaner Arbeit schön tönen, dann bin ich zufrieden.»

Keine Zeit für Ferien

Brügger macht alles alleine: Er produziert die Köppel, schweisst die Hälften zusammen, schleift sie ab, bringt die Halterung an und hat einen Sandstrahler für die Treicheln. «Ich will autonom sein, so bin ich sicher, dass die Arbeit richtig gemacht wird.» Brüggers Firma ist schweizweit die einzige, die Glocken sowohl giesst als auch schmiedet.

Brügger macht Schellen nur auf Bestellung. Die Glocken tragen persönliche Inschriften – «zudem habe ich zu viel zu tun, um ein Lager anlegen zu können», sagt er. Diesen Sommer macht er keine Ferien: «Ich habe einen Auftrag für hundert Treicheln, da bleibt keine Zeit fürs Verreisen.»

Eine Treichel kostet 640 Franken, eine Bronzeglocke 460 Franken, obwohl ihr Rohstoff teurer ist: Für die Treichel wendet Brügger fünf Stunden Arbeit auf, eine Glocke ist in eineinhalb Stunden fertig. Mit verziertem Riemen und Schnalle kosten beide Schellen bis zu 1700 Franken. Die meisten sind Geschenke für Hochzeiten und Geburtstage. Brügger: «Das ist schade. Ich mache das Möglichste, damit die Glocke einen guten Ton hat – und sie wird gar nie ertönen.»

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