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Freispruch für Ex- Heimleiter

MissbrauchFreispruch vor Gericht: Dem ehemaligen Leiter des Stadtberner Weissenheims kann kein Missbrauch von jugendlichen Heimbewohnern nachgewiesen werden.

Die Vorwürfe waren happig. Im Juli 2009 erhielt die Kantonspolizei Hinweise auf mögliche Übergriffe auf Jugendliche durch den damaligen Leiter des Berner Weissenheims. Hier leben Jungen und Mädchen zwischen 5 und 18 Jahren mit einer Lernbehinderung oder einer geistigen und psychischen Behinderung. Der Untersuchungsrichter leitete eine Strafverfolgung ein. Der Trägerverein suspendierte den Mann und erteilte ihm ein Betretungsverbot des Heimareals. Seine Frau, mit der er das Heim gemeinsam geleitet hatte, übernahm interimsmässig die Leitung. Dann fand das Weissenheim eine Stellvertreterlösung. Mehr als zwei Jahre später hat nun die Gerichtsverhandlung stattgefunden. Das Urteil: Das Regionalgericht Bern-Mittelland spricht den heute 65-Jährigen vom Verdacht auf sexuelle Handlungen mit Kindern vollumfänglich frei. Die strafrechtlichen Vorwürfe haben sich laut dem Richter als unbegründet erwiesen. Die Freisprüche erfolgten in einem Fall mangels Beweisen, in zwei Fällen mangels Tatbestandes von sexuellen Handlungen. Das Gericht hielt fest, dass der Heimleiter allenfalls gegen Heimrichtlinien verstossen habe. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Es läuft die zehntägige Berufungsfrist der Staatsanwaltschaft. 15 Jungen befragt, 3 Fälle Im Rahmen der Untersuchungen wurden fünfzehn Bewohner befragt – alles Knaben. Bei zwölf davon kam die Staatsanwaltschaft letztlich zum Schluss, dass keine strafrechtlichen Verfehlungen vorliegen. In drei Fällen wurde weiter ermittelt. In einem der drei Fälle ging es um eine Tröstsituation: Beim Mittagessen spielte der Heimleiter mit einem Knaben jeweils ein Ritual durch, bei dem er ihm an den Bauch fasste. So zeigte er spielerisch, wo das Mittagessen nun sei. Als es dem Jungen an einem Abend nicht gut ging, wiederholte er das Spiel beim Zubettgehen. Im zweiten Fall ging es um Intimrasur. Der Ex-Heimleiter wusste, dass sich einige Jungen intim rasierten. Weil es unter der Dusche zu Mobbingszenen gekommen war, beaufsichtigte er das Duschen. Als er den Jungen fragte, weshalb er dies mache, zeigte dieser seinen rasierten Unterbauch, worauf der Leiter die rasierte Stelle berührte. Der dritte Knabe äusserte sich erst im Nachhinein und hielt sich bei seinen Aussagen zum Teil an jene der beiden anderen Buben. Das Gericht ging davon aus, dass die Aussagen nicht von einem echten Erlebnis stammten. Ein Junge nahm nach den rapportierten Erlebnissen Opferhilfe in Anspruch. Für alle drei gab es therapeutische Unterstützung. Heute pensioniert Der Freigesprochene hatte seine Leitungsstelle im Weissenheim 2000 angetreten. Anfangs 2011 wurde er regulär pensioniert. Seine Frau, die weiter in der Institution arbeitete, ist im Sommer 2011 pensioniert worden. Für das Weissenheim sei der Freispruch eine grosse Erleichterung, sagt Hans Gamper, Präsident des Vorstands Weissenheim. wr>

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