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«Für eine Radsportnation wie die Schweiz ist das ein Desaster»

Thomas PeterDer Berner Oberländer (32) arbeitet seit

Befindet sich der Schweizer Strassenradsport in der Krise? Thomas Peter: (überlegt lange) Nein. Wir stehen an einem frühen Morgen nach einer verregneten, kalten Nacht. An der Tour de Suisse nahmen nur neun Schweizer teil, so wenige wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Ich will nichts beschönigen. Mit Fabian Cancellara haben wir eine Ausnahmeerscheinung, einen Star der Szene. Es folgen mit Michael Albasini, Martin Elmiger und Gregory Rast, der immerhin 4. bei Paris–Roubaix wurde, drei Fahrer, die Rennen gewinnen können. Sie sind aber über 30 Jahre alt – hinter ihnen beginnt die Krise. Im Vorjahr ist nur einem Schweizer der Sprung ins Profigeschäft gelungen, für eine Radsportnation wie die Schweiz ist das ein Desaster. In der U-23-Klasse sind wir so schwach wie nie. Aber es gibt Licht am Horizont. Inwiefern? Matthias Frank hat als 6. der Tour de Suisse sein Potenzial aufgezeigt. Und vor allem die Junioren bereiten mir Freude. Wir haben das Förderungskonzept restrukturiert; auf U-17-Stufe wird übergreifend gearbeitet. Bahnfahrer, Biker, Radquer-Fahrer und Strassenradfahrer trainieren nun zusammen. Dadurch sind sie sehr vielseitig und technisch versiert. Dieses Konzept bewährt sich, international sind einige Schweizer konkurrenzfähig. Hat man die Nachwuchsförderung um die Jahrtausendwende etwas vernachlässigt? Ich will die Arbeit meiner Vorgänger nicht beurteilen. Allenfalls hat man sich von den goldenen Jahren, in welchen Rominger, Richard, Zülle, Dufaux und Camenzind serienweise siegten, etwas blenden lassen. Die Rennkalender in der Schweiz sind ausgedünnt, die Teilnehmerzahlen stark rückläufig diese Tatsachen bereiten mir Kopfschmerzen. Die Entwicklung ist nicht Knall auf Fall, sondern schleichend eingetreten. Es gibt nur noch wenige Freiwillige, die sich engagieren, in einigen Klubs gibt es nur noch vier oder fünf Aktive. Zudem ist es zeitaufwendig und teuer geworden, eine Bewilligung für Strassenbenutzungen respektive Strassensperrungen zu erhalten. Mein Ziel ist es, die Basis zu stärken. Es gilt, die regionale Szene besser abzustützen. Die Breite muss sich wieder mit der Spitze identifizieren. In den ersten zwei Profi-Stärkeklassen gibt es kein Schweizer Team. Matthias Frank erklärte unlängst, die Situation für einheimische Talente sei frustrierend. Wir versuchen hartnäckig, ein Pro-Continental-Team (zweite Division/die Red.) aufzubauen. Dafür braucht es aber drei bis vier Millionen Franken – Geld, das im Moment niemand investieren mag. Derzeit gibt es nur drei drittklassige Schweizer Equipen, in diesen Teams fahren die meisten Athleten fast gratis. Die holländische Rabobank-Mannschaft hat Vorbildfunktion. Sie hat eine eigene Nachwuchs-Truppe, setzt konsequent auf einheimische Talente. Die Erfolge der Holländer an der Tour de Suisse kamen nicht von ungefähr. Der Stellenwert des Radsports ist in den vergangenen Jahren gesunken, gewiss auch wegen der Dopingproblematik. Existiert ein Imageproblem? Ja, aber es stehen noch immer tausende Fans am Strassenrand. Die Dopingbekämpfung wird besser; wenn im Radsport jemand überführt wird, ist die Berichterstattung in den Medien jedoch aggressiver als bei positiven Fällen in anderen Sportarten. Dies ist aufgrund der Geschehnisse in der Vergangenheit nicht verwunderlich, schreckt aber viele Investoren ab. Es braucht nun klare Signale. Als etwa Thomas Frei des Dopings überführt wurde, haben wir ihn lebenslang vom Nationalteam ausgeschlossen. Wie prekär ist die finanzielle Situation von Swiss Cycling? Wir befinden uns in der Sanierungsphase, haben einen wesentlichen Teil der Schulden abgebaut. Uns fehlen aber nach wie vor die Ressourcen zur Bewältigung der Kernaufgaben, etwa der Nachwuchsförderung. Weil sich die Hobbyradfahrer nicht mehr mit der Spitze identifizieren, sind die Erträge durch Mitgliederbeiträge gesunken. Zudem sind unsere Sponsoringmöglichkeiten beschränkt. Stars wie Cancellara verkaufen ihren Wert an die Teams, wir dagegen können nur an der WM Werbung betreiben. Mangelt es zwischen Verband und Athleten an Vertrauen? In gewisser Weise schon. Der Verband muss die Anliegen der Athleten ernster nehmen. An den Schweizer Meisterschaften in Kirchdorf (siehe Text unten/die Red.) werde ich mit den Profis diskutieren. Zuletzt habe ich auch mit Vertretern der regionalen Vereine Gespräche geführt. Viele haben ihre Geschichte erzählt und geklagt, es sei zuletzt fast alles falsch gelaufen. Ich muss nun die Wogen glätten, denn mir ist wichtig, dass wir wieder eine Einheit werden.Interview:Philipp Rindlisbacher>

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