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«Für Exportfirmen bleibt es schwierig»

WirtschaftDas Rettungspaket für Griechenland bringe für die Schweizer Exportindustrie noch nicht die Wende zum Guten. Das sagt Pascal Gentinetta, Geschäftsführer des Wirtschaftsdachverbandes Economiesuisse.

Der jüngste Rettungsschirm für Griechenland hat den Franken gegenüber dem Euro kurzzeitig abgeschwächt. Ist das mehr als ein kleiner Hoffnungsschimmer für Schweizer Exportfirmen? Pascal Gentinetta: Die Stärke des Schweizer Frankens hängt unmittelbar von der Fähigkeit der Eurozone ab, ihre strukturellen Probleme zu lösen. Jetzt steht fest, dass es innerhalb der EU zu einschneidenderen Schritten kommt als auch schon. Das ist ermutigend. Trotzdem gibt es noch zu viele Unsicherheiten in Bezug auf die Umsetzung. Von einer nachhaltigen Stabilisierung der Eurozone kann man wohl noch nicht sprechen. Das klingt nicht so, als hätten Sie grosses Vertrauen in das Krisenmanagement der EU-Staaten. Es braucht noch weitere Bestätigungen, dass es der EU Ernst ist. Denn Griechenland ist ja nicht das einzige angeschlagene Land, Portugal und Irland haben auch mit Problemen zu kämpfen. Für eine Entwarnung an die Chefs der Schweizer Exportfirmen ist es also noch zu früh? Ja, dafür ist es definitiv zu früh. Wird die Exportkrise in der Schweiz nicht schlimmer dargestellt, als sie tatsächlich ist? Immerhin wuchsen die Ausfuhren zwischen Januar und Mai 2011 um sieben Prozent. Das muss man sektoriell betrachten. Einerseits stimmt es, dass aufgrund der guten Auftragslage die Exportzahlen generell noch gut sind. Es gibt aber sehr wohl Branchen, die bereits stark leiden. Betroffen sind vor allem Exporteure von Produkten mit tiefen Margen, die im Euroraum starke Konkurrenz haben. Bei der Chemie-, Textil- und Papierindustrie etwa sind die Exporte schon rückläufig. Ich gehe davon aus, dass wir die grossen Auswirkungen der Währungskrise erst verzögert spüren werden. Falls der Frankenkurs wieder ansteigt, wie lange halten die Exportfirmen noch durch, bevor sie Stellen abbauen müssen? Es sind ja bereits Unternehmen bekannt, die Schwierigkeiten haben. Jüngstes Beispiel ist die Schliessung der Papierfabrik in Biberist. Ich rechne damit, dass die Situation in den kommenden Monaten schwierig bleibt. Bleibt der Franken über längere Zeit so teuer, droht der Schweiz innerhalb Europas die Isolation. EU-Befürworter sagen, die Schweiz komme dann nicht um einen EU-Beitritt herum. Wie beurteilen Sie das aus wirtschaftspolitischer Sicht? Die Schweiz darf jetzt erst recht nicht der EU beitreten. Dem bilateralen Weg und der damit verbundenen unabhängigen Geld-, Steuer- und Wirtschaftspolitik haben wir es zu verdanken, dass die Schweiz so gut durch die letzte Weltwirtschaftskrise gekommen ist. Die Nettoverschuldung und die Arbeitslosigkeit blieben verhältnismässig tief. Der Schweizer Regierung wird vorgeworfen, sie mache zu wenig, um das Problem der Frankenstärke zu lösen. Welche Forderungen stellt Economiesuisse an Volkswirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann? Die Frankenstärke ist ein latentes Problem, das sich nicht durch übereilte Interventionen lösen lässt. Viel wichtiger ist, dass die Politik die Rahmenbedingungen für die Wirtschaft weiter verbessert. Das heisst: Die Schweiz muss mit weiteren Staaten Freihandelsabkommen abschliessen. Im Moment sehen wir, was passieren kann, wenn unsere wirtschaftlichen Aussenbeziehungen zu stark auf eine Region ausgerichtet sind. Eine grössere Diversifizierung wäre hier wünschenswert. Steuersenkungen braucht es keine? Doch, das ist eine weitere Forderung von uns. Der Staat muss die Unternehmen weiter entlasten und die Steuerbelastung senken. Der Kanton Neuenburg hat es kürzlich vorgemacht, indem er die Unternehmensbesteuerung halbiert hat. In dieser Richtung müsste es weitergehen. Interview: Philippe Müller >

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