Ganz aus innerer Ruhe heraus gestaltet

Gstaad

Die Pianistin Yuja Wang, die Staatskapelle Dresden und der Dirigent Myung-Whun Chung sorgten am Menuhin- Festival für einen grossen Schlussabend.

Atemberaubend: Die chinesische Pianistin Yuja Wang liess im dritten Klavierkonzert von Rachmaninow keine Wünsche offen.

Atemberaubend: Die chinesische Pianistin Yuja Wang liess im dritten Klavierkonzert von Rachmaninow keine Wünsche offen.

(Bild: PD/Raphael Faux)

Ein Hauch von Glamour wehte durch das fast vollbesetzte Festival-Zelt Gstaad, als die chinesische Pianistin Yuja Wang im golddurchwirkten langen Kleid auf die Bühne stöckelte. Würde sie also in Rachmaninows drittem Klavierkonzert den virtuosen Star, die Tastenlöwin geben?

Mitnichten! Die 32-jährige Künstlerin gestaltete ganz aus innerer Ruhe heraus, oft erstaunlich schlicht und mit weit gespannten Bögen. Doch dies war nicht alles: Bisweilen wirkte sie auch spielerisch, mit wieselflinkem «jeu perlé», in dem ihre Finger nur so über die Tasten huschten. Und schliesslich gab es natürlich ebenfalls die kraftvollen Höhepunkte, die sie eher sparsam, dafür (etwa im Finale) umso wirkungsvoller einsetzte. All dies tat sie völlig unangestrengt. Scheinbar mühelos. Einzigartig.

Begleitung auf höchstem Niveau

Nach Standing Ovations schenkte sie dem Publikum gleich zwei Zugaben: Poesie pur in einer kurzen Rachmaninow-Piece, Raserei im dritten Satz aus Prokofjews siebter Klaviersonate. Die renommierte Staatskapelle Dresden und ihr erster Gastdirigent Myung-Whun Chung nahmen Wangs Impulse feinfühlig und elastisch auf. Da wurde auf höchstem Niveau begleitet.

In der zweiten Sinfonie von Brahms schöpfte auch Chung aus fast magischer innerer Ruhe. Auf der Basis eher breiter Tempi in den lyrischen Passagen liess er die Musik ganz organisch entstehen, wachsen, aufblühen: posenlos, ernst, aufs Wesentliche fokussiert. Dadurch entstand Raum für Feinheiten und Beseelung.

Erst im Schlusssatz gab der südkoreanische Maestro (66) seine bisweilen asketisch anmutende Zeichensprache auf und fand zu markant dramatischer Aussage.

Natürlich kennen und können die Musikerinnen und Musiker der Staatskapelle Dresden ihren Brahms aus dem Effeff. Umso schöner war, dass sie sich dennoch ganz auf Chungs Intentionen einliessen. Sowohl die Wahrung der grossen Linien wie auch die Pflege der solistischen Details lag bei ihnen denn auch in besten Händen. Dieser oft samtene, immer hochkultivierte Klang wird lange nachhallen.

In der Zugabe, dem ersten ungarischen Tanz ebenfalls von Brahms, zeigten Dirigent und Orchester, dass sie auch extrovertiert zu sein vermögen, wenn sie wollen. Ein grosser Schlussabend!

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