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«Gemeinde ist wie ein Hotel»

21 Jahre lang hat René

«Die Gemeindeverwaltung ist wie eine Hotelreception. Hier erhält der Bürger Auskünfte und Hilfe. Er ist mit dem Gast im Hotel vergleichbar.» Der erfolgreiche Kandersteger Hotelier René Maeder weiss auch, wie man diese Reception noch aufwerten könnte: «Eigentlich sollte hier nicht nur der Bürger, sondern eben auch der Gast Hilfe erhalten – zum Beispiel touristische Auskünfte. Meine Vision wäre ein Haus des Gastes nach deutschem Vorbild.» Diese Idee wird er nun aber definitiv nicht mehr umsetzen können, denn Ende Jahr tritt er nach 21 Jahren in der Lokalpolitik als Gemeindepräsident ab. Guter Zusammenhalt Die stetige aber sanfte Entwicklung der Gemeinde ist für Maeder einer der Erfolgsfaktoren für die Zukunft. «Vor allem wichtig ist das touristische Verständnis der Bürger. Und das ist gross. Sowohl Gewerbe als auch Landwirtschaft und Tourismus ziehen immer wieder bei wichtigen Projekten ohne Neid miteinander am Strang», lobt er. Das zeigte zum Beispiel auch die letzte Gemeindeversammlung, an der grosse Unterstützung für Tennisplätze, Kongresssaal und Schanzen gezeigt wurde. Zentral ist jedoch für Maeder auch, dass die Gemeindeautonomie möglichst unangetastet bleibt. «Zusammenarbeit ist nur dann sinnvoll, wenn die Partner das wollen. Nicht, wenn sie auf Druck von oben müssen.» Unter dem Begriff Kosteneinsparung würden oft genug funktionierende Strukturen in den Gemeinden auseinandergerissen. Urne statt Versammlung Und noch ein Anliegen hat der Abtretende: «Wichtige Geschäfte sollten auch in Kandersteg künftig an der Urne und nicht an der Gemeindeversammlung entschieden werden. Namentlich für die Gemeindewahlen ist dies wünschenswert. Denn wer arbeitet, krank oder andersweitig abwesend ist, dem werden die demokratischen Rechte verweigert. Auch an der letzten denkwürdigen weil fünfeinhalbstündigen Versammlung konnten trotz über 300 Anwesenden 60 Prozent der Stimmbürger nicht mitmachen.» Bei Urnenwahlen würden dann plötzlich die Parteien eine stärkere Rolle spielen, die heute kaum wichtig sind. »Ich bin gespannt, wie sich dies auswirken würde», sagt der Gemeindepräsident. Allgemein sei das Volk heute weniger obrigkeitshörig, würde an den Versammlungen Stellung beziehen, mitreden. Für Maeder ist dies eine sehr positive Entwicklung während seiner Amtszeit. Neue Horizonte Vier Jahre Gemeinderat, zwei Jahre Vize-Gemeindepräsident/ Vize-Gemeinderatspräsident, sechs Jahre Gemeindepräsident/Gemeinderatspräsident und neun Jahre Gemeindepräsident umfasst der politische Lebenslauf von René Maeder. «Die neuen Erfahrungen, neben der Arbeit auch andere Aspekte der Gemeinde und die Kandersteger kennenzulernen, war für mich sehr prägend und lehrreich», sagt er rückblickend. An 47 Gemeindeversammlungen war er in einer Funktion dabei, 32 davon hat er geleitet. Doch die Lust am Politisieren hat Maeder noch nicht verloren, denn im Frühjahr will der frühere Kandersteger FDP-Präsident für die BDP in den Grossen Rat. «Und wenns nicht klappt: Ich habe genug Arbeit.» Zudem hätte er dann vielleicht mehr Zeit für seine Hobbys Curling und Reisen. Kandersteg und Ogi Obwohl er lieber nach vorn als zurück schaut, bleibt eine Zeit in unvergesslicher Erinnerung, und zwar als Gastgeber wie als Politiker: Adolf Ogis Bundesrats- und Bundespräsidentenzeit. «Das hat Kandersteg bekannt gemacht, hat uns wirklich viel gebracht.» Unter anderem auch einen Brief von einem tschechischen Autogrammsammler mit folgender Adresse: «An den hoch verehrten Oberbürgermeister der Bundeshauptstadt Kandersteg, Schweiz/Switzerland…» Hans Rudolf Schneider Nachfolger von René Maeder als Gemeindepräsident wird der frühere Gemeinderatspräsident Bruno Jost. >

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