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Gemüseberge am Strassenrand

Serie zum Tram Bern-West: Im Stöckacker reiben sich Vegetarier die Hände, und Truckerherzen schlagen höher.

Ein bitterkalter Wind weht durch die Häuserschluchten Bern-Bethlehems. An der Haltestelle «Stöckacker» hat sich – noch bevor die ersten 8er-Trams durchs Quartier rollen – ein kleines Handelszentrum gebildet. Die Migros steht schon lange da. Das sieht man ihr an. Die Nase trieft. Taschentücher vom Kiosk nebenan schaffen Abhilfe. Der freundliche Verkäufer bietet das Päckchen für 60 Rappen feil. Die vierlagigen Luxustüchlein sind eine Wohltat für die vom kalten Wind geplagte Nase. Der Blick schweift zur gegenüberliegenden Strassenseite. Prachtvolle Gemüse- und Fruchtberge türmen sich am Strassenrand. Es ist eine Augenweide. Mit einem solch reichhaltigen Frischwarenangebot kann die Migros – selbst wenn es eine 3-M-Migros wäre – nicht mithalten. Im Alima-Supermarkt kommen Vegetarier voll auf ihre Kosten. Granatäpfel liegen neben Kakis in den verschiedensten Formen. Wer Bohnen will, hat die Qual der Wahl. Und Auberginen sind hier auch in runder, hellerer Version erhältlich. Staunend kann sich der Autor – an das immer gleiche Angebot des Quartier-Coops gewöhnt – von diesem Schlaraffenland fast nicht lösen. Die Fladenbrote verbreiten einen angenehmen Duft. Einige sind mit Mohnsamen besprenkelt. Dem Autor geht ein Lichtlein auf. Auf seiner Reise entlang der Tramschienen in Berns Westen hat er davon in Form von Döner Kebab bereits einmal gekostet. Neben Broten, Börek und Süssspeisen präsentiert sich das Eingemachte. Nicht nur eine Sorte Ajvar (Brotaufstrich aus Paprika und Auberginen) steht im Sortiment, sondern gleich viele verschiedene. Losgelöst von diesen Leckereien, gehts wieder in die Kälte. «Trucker Bar» steht auf einem Schild geschrieben. Die Inhaber sind sichtlich bemüht, ein Trucker- und Cowboyambiente zu schaffen. Steaks dominieren die Speisekarte, und die Stars-and-Stripes-Farben prägen das Innenleben der Bar. Dass kein einziger Truck beim Lokal steht, hat weniger mit dem Lokal zu tun als mit dessen Standort. Die Platzverhältnisse im Wohnquartier lassen das Parkieren für Lastwagen schlicht nicht zu. Trotzdem verströmt das Lokal etwas Prärieromantik. Wenn schon nicht an einem US-Highway gelegen, dann wenigstens in Berns Wildem Westen.Daniel Fuchs>

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