Geschichte aus dem Fototruckli

Brienz

Peter Ernst fotografierte ab 1961 Leute im Dorf. Andreas Staeger stellt jetzt im Buch «Brienzer Fototruckli» eine Auswahl der Bilder vor und erzählt in kurzen Texten aus ihrem Leben.

Fotograf Peter Ernst (links) und Autor Andreas Staeger mit dem Buch «Fototruckli», das von Menschen in Brienz erzählt.<p class='credit'>(Bild: Anne-Marie Günter)</p>

Fotograf Peter Ernst (links) und Autor Andreas Staeger mit dem Buch «Fototruckli», das von Menschen in Brienz erzählt.

(Bild: Anne-Marie Günter)

Eigentlich ist es noch gar nicht so lang her, dass in Brienz die Bäckerin mit einem der ersten Autos im Dorf Brot ausfuhr. Dass Handwagen mit einem geflochtenen Korb als Transportmittel dienten, Nachrichten mündlich ausgerufen wurden und Schwemmholzsammeln im Sinn des Wortes notwendig war. Dass viele Leute Kühe oder wenigstens Geissen hatten, es Störmetzger, Schuhmacher, Drechsler und Schneider gab, Bankgeschäfte in einer Bauernstube abgewickelt wurden, arme Leute keine Krankenkasse hatten. «Die Bilder von Peter Ernst schlagen eine Brücke in diese berührend nahe und doch ferne Vergangenheit», schreibt Andreas Staeger im Vorwort zum Buch «Brienzer Fototruckli», das er im Eigenverlag herausgibt.

Aus dem Alltag

Das Buch stellt fünfzig Menschen aus Brienz, Schwanden und Hofstetten vor, die Peter Ernst seit 1961, als er als Briefträger nach Brienz zurückkehrte, fotografiert hat. Immer mit ihrem Einverständnis. Warum? Peter Ernst sagt: «Es hat wohl einfach so sein sollen.» Fotografiert hat er schon als Bub, seine Mutter schenkte ihm zur Konfirmation einen Fotoapparat, er fotografierte vieles aus der Natur.

Und dann Menschen, weil sie ihn interessierten und weil er sie so achtete, wie sie waren. Meist ältere Leute, Handwerker, Gewerbler, Amtsträger und solche, die oft allein am Rande der Gesellschaft lebten. «Ich habe fast etwas Längizyti nach ihnen», sagt der heute 78-jährige Ernst. Trotz geflickter Kleider und fehlender Zähne: Ernst ist den Porträtierten «mit tiefer Achtung gegenüber ihrem Schicksal begegnet», schreibt Staeger. Und das ist zu spüren. Ausserdem auch das Talent, das Ernst fürs Fotografieren hat.

Zu den Fotos schrieb er jeweils nur den Namen, das Geburtsdatum und das Todesdatum. Nun hat der Brienzer Autor und Journalist Andreas Staeger zusammen mit Peter Ernst aus dem Fundus fünfzig Bilder ausgewählt und die Lebensumstände der Porträtierten erfragt. Seine Begleittexte, oft nur eine Seite lang, sind erstaunlich vielseitig: Sie lassen die Menschen aufleben, wie sie beim Fototermin waren, zeigen ihre besondere Art und spezielle Wesenszüge auf, erklären ihre Arbeit im Alltag, ihren Platz im Leben und in der Dorfgemeinschaft.

Eine Oberländer Dorfgemeinschaft, die sich in den letzten 60 Jahren rasant verändert hat. Das Buch ist deshalb eine besondere Form eines Zeitzeugnisses, definiert über eine Reihe von Menschen und ihren Alltag. Morgen findet um 19.30 Uhr in der Burgergalerie Brienz die Buchvernissage statt. Eingeladen ist die Bevölkerung von Brienz, Schwanden und Hofstetten. Das Buch kostet 28 Franken und ist ab 8. November auf den Gemeindeverwaltungen und dem Burgerbüro Brienz und bei Tourist-Information Brienz erhältlich.

www.fototruckli.ch

Berner Oberländer

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