Zum Hauptinhalt springen

Geschichten aus dem Alltag

Frutigen Walter Däpp besuchte die Gemeinde-

Walter Däpp ist ein aufmerksamer Zuschauer und Zuhörer. Das ist vielleicht nicht unbedingt die vordringlichste Eigenschaft, die man einem Menschen, der seit vielen Jahren beim Radio arbeitet, zuschreiben würde; einem, den man vor allem als selber Sprechenden kennt. Doch was und wovon er erzählt, lässt auf einen gespürigen Mann mit einem wachen Auge für die kleinen Dinge schliessen. Es sind Geschichten aus dem Leben, Szenen aus dem Alltag, die Däpp in seinen Geschichten aufgreift. Seit nunmehr zehn Jahren werden seine «Morgengeschichten» auf DRS 1 ausgestrahlt. Eine Auswahl der besten Erzählungen hat Däpp in zwei Büchern zusammengetragen; «We das jede wett» und «Drunger u drüber» heissen sie. Mit diesen und zwei weiteren Büchern aus seiner Feder war Däpp am vergangenen Freitag in der Gemeindebibliothek Frutigen mit einer Lesung zu Gast. Clooneys Kaffee «Muesi das wüsse?», frage er sich gelegentlich, gesteht Däpp, wenn er gewisse Meldungen in Zeitungen lese. Müsse er wissen, dass sich Heidi Klum von Seal getrennt habe, dass Prinz Charles gerne Dreiminuteneier verspeise und ob George Clooney privat denselben Kaffee trinke wie in der Werbung, fragt Däpp lakonisch. In seinen Geschichten greift er oft Alltägliches auf. Etwa eine Szene, wo Vater und Sohn im benachbarten Zugabteil beim Spiel, bei dem die letzte Wortkomponente eines Wortes jeweils ein neues Wort eröffnen soll («Gartenzaun – Zaunkönig – Königskuchen» - «Kuchenblech») plötzlich bei «Baumstamm» landen und sich im Zirkel «Baumstamm» – «Stammbaum» – «Baumstamm» zu verlieren drohen. Allzu oft verlören sich auch Politiker im selben Zirkel, sinniert Däpp, bei dem «kem es nöis Wort meh z’Sinn chunnt». Nicht selten schlägt Däpp mit seinen Beobachtungen den Bogen zur Bühne der grossen Themen. Auch Aktuelles greift er auf, etwa die Lichtshow an der Jungfrau oder die Wirtschaftskrise. So habe neulich ein Freund statt eines SBB ein UBS-Abonnement lösen wollen oder im Musikgeschäft statt nach einer CD von Tom Jones nach dem Dow Jones gefragt: «Es tuet mer leid, aber dä hei mer im Moment grad nid a Lager.» So verbindet Däpp immer wieder Humorvolles mit Ernstem, ringt trockenen Alltagssituationen die eine oder andere Pointe ab. Inspiriert von Job Seine seriöse Seite lebte Däpp als Redaktor bei DRS 1 und als Journalist beim «Bund» aus. «Als Journalist hat man das Glück, vielen interessanten Menschen zu begegnen», meint Däpp zwischen zwei Geschichten. Diese Begegnungen hätten ihn oftmals zu neuen Geschichten inspiriert. Etwa die Begegnung mit Eddie «the Eagle» Edwards, dem notorisch erfolglosen Britischen Skispringer, der manchmal auch so geübt habe, dass er vom Schrank aufs Bett gesprungen sei. Als Letztklassierter an den Olympischen Spielen von Calgary habe sich Edwards aber nicht unterkriegen lassen. Auch das Verlieren wolle geübt sein, zitiert ihn Däpp. Mit solchen Anekdoten aus seinem Berufsleben entliess Däpp das zahlreich erschienene Publikum in dessen Alltag. Und wer weiss, vielleicht wird die eine Besucherin oder der eine Besucher diesem, inspiriert von Däpp, mit etwas offeneren Augen begegnen.Nik Sarbach >

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch