Greenfield: Keine Gewitter, wenig Bobos, aber 25 Hochzeiten

Organisatoren, Polizei und Sanitäter sind sich einig, die 14. Ausgabe des Greenfield Festivals verlief friedlich.

  • loading indicator
Nathalie Günter@nathalieguenter

Greenfield-AG-Geschäftsführerin Iris Huggler sprach nach dem Festival von einem «sehr friedlichen und darum geilen Anlass».Mit 72 000 Besuchern über die drei Tage sei man wieder bei der erwarteten Anzahl Festivalgänger. Zum Vergleich: 2017 kamen nur 66 000 Personen, «das war klar weniger als unser normaler Durchschnitt».

Als Organisatoren würden sie jeweils kurzfristig entscheiden, ob Tickets für den letzten Festivaltag in den Verkauf gegeben werden. «Das haben wir dieses Jahr gemacht, die Nachfrage war ob des starken Programms rund um die Headliner Volbeat aussergewöhnlich.» Wie viele zusätzliche Tickets verkauft wurden, gab Huggler nicht preis. Letztes Jahr regnete es erstmals nicht, dieses Mal wurden die Besucher am Freitag und Samstag «geduscht».

Huggler: «Wir sind froh, dass wir dafür von Gewittern verschont blieben.»Auch die Neuerungen bei der 14. Ausgabe des Greenfield Festivals hätten sich gut ins Gesamtgefüge eingepasst. Etwa der Seelsorgedienst oder die Hochzeitskapelle im Rockstarblock. «Über 25 Hochzeiten gab es – und noch keine Scheidung», lacht Huggler.

So viele schöne und tolle Menschen an diesem Festival. Video: Martin Bürki

Nach zwei Jahren mit drei Bühnen standen 2018 wieder nur deren zwei auf dem Festivalgelände. «Wir werden noch die Besucherumfrage abwarten, aber wir werden es wohl so beibehalten.» Mit Blick auf die 15. Ausgabe im Jahr 2019 verriet Huggler noch nicht allzu viel, aber: «Wir werden für diese Jubiläumsausgabe sicher ein gutes Programm zusammenstellen.»

800 Patientenkontakte

«Friedliche Besucher», so betitelt Martin Hofer, Leiter Sanitätsdienst, die Festivalgänger. 800 Patientenkontakte verzeichnete sein Team, das nebst dem Rettungsdienst der Spitäler fmi AG vor allem aus Sanitätern der Organisation Docs besteht. Diese sind spezialisiert auf Sanitätshilfe an Events.

«Im Verhältnis zur Anzahl Besucher sind 800 Kontakte unter dem Durchschnitt», so Hofer. In anderen Jahren wären es 1000 bis 1300 gewesen. «Und da ist vom Pflästerliankleben bis zum Fussröntgen alles dabei.» Röntgen ist etwas, dass die Sanitäter nicht vor Ort machen können. «Die Anzahl der Patienten, die wir ins Spital schicken mussten, war unter zehn», sagt Hofer.

Gratis-Tattoos für die Bands

Nebst den Besuchenden liegt den Veranstaltern auch das Wohl der Musiker am Herzen. Dieses Jahr durften die Mitglieder der Bands gratis Tattoos stechen lassen. «Die Nadel hat den ganzen Tag gesurrt», verriet Organisatorin Iris Huggler.

Die Mitglieder der deutschen Band «Broilers» veröffentlichten auf Facebook ein Foto davon und kommentierten: «Weil wir uns einfach immer freuen, wieder in der Schweiz zu sein, haben wir uns alle ein 'Chäs'-Tattoo gegönnt.»

Der Sänger der Düsseldorfer Punkrocker Broilers im Interview. Video: Nathalie Günter, Martin Bürki.

«Alles in allem verlief das Festival aus polizeilicher Sicht ohne grössere Probleme», teilt die Kantonspolizei Bern mit. Sie führte rund ums Festival diverse Verkehrskontrollen durch.

«Über den gesamten Zeitraum wurden acht Verkehrsteilnehmende festgestellt, die unter Alkoholeinfluss standen.» Bei fünf weiteren Personen sei ein Drogenschnelltest positiv ausgefallen. Fünf Personen wurden wegen des Verdachts auf Diebstahl angehalten.

Nach dem Greenfield Festival ist vor dem Trucker- und Country-Festival: Der Camping- und Aussenbereich wird von heute Montag bis Mittwoch von Mitarbeitern der Seeburg gesäubert.

O-Ton

«Der Frass, der den Leuten hier vorgesetzt wird, muss ja grottenschlecht sein!»Ein anonymer WC-Putzer während seiner Arbeit auf dem Weg vom einen Toi-Toi-Klo zum nächsten, irgendwo zwischen Resignation, Verzweiflung und Ekel.

«Danke, dass ihr trotz dieses Sch***-Wetters mit uns diesen Abend feiert.»Der Frontmann der Metalcore-Band Bullet for My Valentine Matthew Tuck am Samstagabend. Just auf ihr Konzert hin setzte über dem Festivalgelände starker Regen ein.

«Es gibt Künstler, die vermeintlich unpolitisch sind wie dieser grausame Gabalier.»Sammy Amara, Sänger der deutschen Punkband Broilers, findet, dass alle Künstler sich politisch positionieren müssten.

«Helft einander, greift euch unter die Arme. Ihr seid wunderschön.»Kurz vor Ende des Konzerts machte Volbeat-Sänger Michael Poulsen dem Greenfield- Publikum eine Liebeserklärung, die von Herzen kam – und erinnerte ans Gemeinschaftsgefühl.

Berner Oberländer

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt