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Grenzensetzen ist nicht mehr reine Familiensache

lyssDie Gemeinde gibt ein «Haltungspapier» an Eltern und Erziehungsberechtigte ab. Darin sind auch Richtwerte für Ausgangszeiten und Taschengeld aufgeführt. Am Donnerstag wurde die Broschüre

«Alle andern dürfen, nur ich nicht», ist ein Satz, den Kinder und Jugendliche ihren Eltern oft entgegenschleudern. In Lyss gilt er nicht mehr. «Im ‹Mittelweg› steht es anders, und so handhaben wir das jetzt», wird wohl künftig die Antwort einiger Eltern lauten. Mit dem «Mittelweg» meinen sie ein Haltungspapier, welches die Gemeinde neu herausgibt. Am Donnerstag wurde die Ratgeberbroschüre der Öffentlichkeit vorgestellt. Das Interesse war gross, über siebzig Personen nahmen am Anlass teil. Entstanden sei die Idee eines Haltungsblattes im Elternrat, sagt Franziska Hess, Leiterin der Jugendfachstelle. «In einem Workshop wurden Themen festgelegt, die zur vertieften Bearbeitung an die Vertreter des Elternrates überwiesen wurden», erklärt Hess. Später habe die Arbeitsgruppe auch die Mitarbeit der Jugendfachstelle gewünscht. Und weil das erarbeitete Haltungspapier viel Anklang fand, entschloss sich die Gemeinde, die Broschüre möglichst allen Erziehungsberechtigten zukommen zu lassen. Künftig wird sie in regelmässigen Abständen verteilt. Handy-Beitrag und Ausgang Wer das Haltungspapier durchliest, findet neben allgemeinen Ratschlägen, wie «Achten sie darauf, wo ihr Kind hingeht», auch ganz Konkretes. Kinder bis zur 7.Klasse sollen nach Ansicht der Verfasser im Sommer nach 20 Uhr nicht mehr allein im Ausgang sein. Und für Kinder bis zu 12 Jahren wird ein monatlicher Beitrag von 10 bis 15 Franken für die Handykosten empfohlen. Mit solch präzisen Angaben setzen die Eltern, die an der Broschüre mitarbeiteten, ein klares Zeichen. Sie zeigen auf, was in Lyss als Norm gelten soll. «Die Angaben seien Richtwerte und könnten nicht als für jede Situation zutreffend angesehen werden», sagt Hess. Kinder brauchten aber Grenzen, das stelle sie bei ihrer Arbeit immer wieder fest. Eltern zu sein, sei eine nicht ganz einfache Aufgabe. «Beim Grenzensetzen stossen wir manchmal an die eigenen Grenzen», sagt die Fachfrau und Mutter. Da sei es hilfreich, zu wissen, was als normal gelte. Franziska Hess begrüsst, dass Eltern an der Ausarbeitung des Haltungspapiers beteiligt waren. So seien Richtlinien entstanden, die von vielen Einwohnern aus Lyss mitgetragen würden. Die Gemeinde bekennt sich mit den Richtlinien auch dazu, dass Kinder zu später Stunde nicht mehr allein auf die Strasse gehören. Für 7.- und 8.-Klässler soll unter der Woche um 21 Uhr Schluss mit Ausgang sein. Am Wochenende darf es auch mal 21.30 Uhr werden. Die Verfasser des Blattes weisen darauf hin, dass Kinder genügend Schlaf brauchen. Rückmeldungen erwünscht Die Broschüre beantworte längst nicht alle Erziehungsfragen, sagt Franziska Hess. Sie sei aber ein wichtiger Anfang. Nun werde die Jugendfachstelle noch ergänzende Merkblätter ausarbeiten. Sie nehme gerne Anregungen und Rückmeldungen zum «Mittelweg» entgegen. Auch Gemeinderätin Margrit Junker Burkhard sprach von einem gelungenen Start: «Unsere Kinder kommen ohne Gebrauchsanweisung zur Welt. Ihre Erziehung ist eine grosse Herausforderung. Haltungspapiere sind bei dieser Aufgabe hilfsreich.» Ursula Grütter >

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