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Grösste Agglomerationsgemeinde der Schweiz ist nun Vorbild

könizLändliche Idyllen gehören ebenso zu Köniz wie städtische Quartiere: Dem Schweizer Heimatschutz gefällt es, wie die Gemeinde mit fast 40000 Einwohnern diese Vielfalt pflegt. Deshalb verleiht er Köniz den diesjährigen Wakkerpreis.

Die Nachricht überrascht auf Anhieb. Manchem entlockte sie gestern auch ein Schmunzeln: Köniz erhält vom Schweizer Heimatschutz (SHS) den mit 20000 Franken dotierten und mit viel Prestige verbundenen Wakkerpreis 2012. Dabei hat die Agglomerationsgemeinde mit ihren fast 40000 Einwohnern längst nicht nur Bijou-Charakter. «Darum geht es gar nicht», sagt Architektin Monique Keller, die beim Heimatschutz die Vergabe des Preises unter sich hat. «Dieser Preis ist kein Käseglocken-Preis.» Schon lange sei man davon weggekommen, nur idyllische Orte auszuzeichnen. Letztes Jahr wurden Lausanner Agglomerationsgemeinden geehrt: «Nicht weil sie schön sind, sondern weil sie sich sehr um Verbesserungen bemühen und eine Vision haben», so Keller. Eine solche Vision sei auch in Köniz spürbar. «Die Gemeinde betreibt eine aktive Bodenpolitik und konnte ihre Seele erhalten.» Die Siedlungsentwicklung in Köniz ist für den SHS vorbildlich. Er lobt, dass städtische und ländliche Ortsteile klar voneinander abgegrenzt existieren und ihre Identität bewahren konnten. Auch die pionierhafte Verkehrslösung mit einer Tempo-30-Zone im Zentrum trug zum Preis bei. Anderen Mut machen «Die Agglomeration ist ein zentrales und brisantes Thema für uns», sagte SHS-Vizepräsidentin Ruth Gisi gestern an der Medienkonferenz zur Preisvergabe im Könizer Gemeindehaus. «Hier trifft man auf eine Agglomeration, auf die man echt Lust bekommt – egal ob jemand städtisch oder ländlich tickt.» Mit der Auszeichnung für Köniz wolle man anderen Agglomerationsgemeinden Mut machen, ihre Entwicklung sorgfältig zu planen. Für den Wakkerpreis bewerben können sich Gemeinden nicht. Vielmehr werden sie vom Heimatschutz auserkoren. Köniz habe man seit fast zehn Jahren «auf dem Radar» gehabt, sagt Monique Keller. Mehrmals haben Fachleute die Gemeinde besucht. Mehrmals fanden sie die Preisvergabe noch verfrüht. Letzten Herbst fiel dann laut SHS-Geschäftsleiter Adrian Schmid der einstimmige Entscheid, Köniz mit dem Preis zu ehren. Mit dem Bus auf Tour «Es ist die bedeutendste Auszeichnung, die wir bis jetzt erhalten haben», sagt Gemeindepräsident Luc Mentha (SP). Der Preis komme fast etwas zu früh, führte er vor den Medien selbstkritisch aus. «Wir sind noch nicht da, wo wir hinwollen.» Speziell im Wangental, das von Autobahn und Bahnlinie zerschnitten wird, gebe es noch viele Herausforderungen. Dafür sei der Preis natürlich eine grossartige Ermutigung. Köniz habe viele Gesichter. «Diese Gesichter wollen wir noch sichtbarer machen.» Bauernhof und Hochhaus, Fachmärkte und Dorfläden: Die Vielfalt von Köniz betonte auch die für die Planung zuständige Gemeinderätin Katrin Sedlmayer (SP). Köniz steckt mitten in einer Ortsplanungsrevision und hat bereits wichtige Weichen für eine schonende Entwicklung gestellt. Schliesslich lud der Gemeinderat Gäste und Medien per Extrabus auf eine kurze Entdeckungstour ein. Am Schloss vorbei liess der Bus das Zentrum rasch hinter sich und fuhr ins ländliche Herzwil mit seinen sechs Bauernhöfen und 50 Einwohnern. Neue Bauten will der Gemeinderat hier nicht. Vom Schulheim Niederwangen blickte die Gruppe auf das alles andere als idyllische Wangental und die noch grüne Wiese im Ried, wo die grösste neue Wohnsiedlung der Region geplant ist. Über die Gartenstadt ging es zurück in städtische Gefilde zum Liebefeld-Park, den neuen Wohnsiedlungen Weissenstein/Neumatt und zu den umgenutzten Vidmarhallen. Freude auch in Bern Führungen durch Köniz wird es dieses Jahr auch sonst geben. Am 23.Juni findet zudem auf dem Schlosshof die offizielle Übergabe des Wakkerpreises statt. Die 20000 Franken Preisgeld wird die Gemeinde für einen Teil der Aktivitäten rund um den Preis einsetzen. Freuen muss sich Köniz nicht allein. Auch aus Bern, das 1997 den Wakkerpreis erhielt, kamen gestern positive Signale: «Das ist super, ich freue mich sehr», sagt Stadtpräsident Alexander Tschäppät (SP). Köniz sei für Bern eine der wichtigsten Gemeinden und biete auch der Stadt Bern Naherholungsgebiete. Lucia Probst>

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