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Grosser Tag für holländische «Festhütten»

InterlakenHeute Abend ist in der Brasserie 17 der Bär los; wie jedes Jahr am 30.April, dem Koniginnedag. Der holländische Nationalfeiertag ist für Bart Stapel – den wohl grössten Patrioten der Oranje im Berner Oberland – Grund genug, ein grosses Fest für seine Landsleute steigen zu lassen.

Am Koniginnedag schlagen unsere Herzen höher – die Nationalhymne singen wir Wort für Wort aus tiefster Seele»: Bart Stapel ist ein echter Patriot – stolz, ein Holländer zu sein. Einer von jenen, die durch ihre Gelassenheit, ihr Freidenken und ihre Lebensfreude andre anzustecken vermögen. Brasserie 17 wird zu Holland Schon als kleiner Junge bestaunte Bart Stapel in seiner Heimatstadt Den Haag am 30.April die Königin, die vom Palast Voorhout aus der jubelnden Menschenmenge zuwinkte. Sein Umzug in die Schweiz, wo er vor 30 Jahren als Kellner anheuerte, änderte nichts an Barts Heimatgefühlen. Seit 16 Jahren führt Stapel gemeinsam mit seinem Partner Piet Swenker in Interlaken die Brasserie 17. Und wer während der Fussball-WM oder am Königinnentag schon mal dort eingekehrt ist, der weiss: Die Brass ist Holland; Interlaken ist Holland – und die Holländer können feiern wie kaum ein Volk sonst. Für Ursula Stapel-Sigrist, als Ehefrau von Bart auch nicht gerade ein Kind von Traurigkeit, ist der 1.August persönlich immer noch wichtiger: «Ich bin und bleibe Schweizerin. Aber unsere beiden Töchter sind natürlich schon stolz, dass sie einen Schweizer und einen Holländer Reisepass besitzen.» «Wir sind und bleiben Kinder» Heute Abend geht es wieder rund in der Brasserie 17: 400 Luftballons in Holländer Farben, DJ Hansi und kulinarische Festschmäuse bis zum Umfallen sind bei Bart Stapel und Piet Swenker am holländischen Nationalfeiertag seit vielen Jahren Tradition: «Ich fuhr letzte Woche extra nach Holland, um dort die frischen Originalzutaten für das Fest auf dem Markt einzukaufen.» Und so warten heute Pannekoeken, Poffertjes, Piets Patat, Hutspot met Klapstuk, Heringe und frittierte Bitterballen auf die Brasserie-Gäste. Die Leckereien werden heute zum Freundschaftspreis abgegeben, «denn da gehts uns nicht ums Geld, sondern um Spass und Lebensfreude. Wir Holländer sind und bleiben halt irgendwie Kinder – das ganze Leben lang.» Und so kommen heute Barts und Piets Landsleute samt Kindern aus dem ganzen Kantonsgebiet nach Interlaken zum Oranje-Fest. Letztere vergnügen sich mit Sackhüpfen, Büchsenwerfen und Schminken. Freier Markt für alle Robertus Laan, einer von Barts und Piets Landsmännern, lebt erst seit 12 Jahren in der Schweiz. «Und seither fuhr ich leider nie mehr zum Koniginnedag nach Hause», sagt er etwas wehmütig. Der in der «Käsestadt» Alkmaar aufgewachsene 48-jährige Alpinist assoziiert den Nationalfeiertag vor allem mit dem traditionellen Vrijmarkt: «Ich erinnere mich, wie alle Leute ihre alten Sachen am Strassenrand verkauften. Ein freier Markttag für jedermann. Und schon die Nacht vorher wird im ganzen Land durchgefeiert. Einfach schön!» Laan, der vor allem aus Liebe zu den Bergen ins Berner Oberland gezogen ist, spürt eine Ähnlichkeit zwischen den Schweizern und den Holländern: «Beide Länder sind klein, aber fein, und wir pflegen ähnliche Kulturen.» Doch da hält Bart entgegen: «Rasenmähen am Sonntag, das geht hier nicht – in Holland schon.»Bruno Petroni>

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