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Haftstrafen für zwei serbische Serienräuber

RegionalgerichtWegen eines Raubs in der Bijouterie Kirchhofer in Interlaken wurden zwei Männer gestern zu Haftstrafen verurteilt. Sie gehören zu einer Bande, die noch eine ganze Reihe anderer Raub- und Diebstahldelikte begangen hat.

Die Tat liegt schon einige Zeit zurück, doch zumindest die drei Mitarbeiterinnen der Kirchhofer-Filiale am Höheweg, die an diesem Tag im Laden waren, dürften sich noch gut daran erinnern, auch wenn alles ganz schnell ging. Am 7.Juli 2006 drangen mehrere Männer in das Interlakner Juweliergeschäft ein. Eine Person, offenbar mit einer Pistole bewaffnet, versprühte Tränengas, während zwei andere Männer mit Hämmern die Vitrinen einschlugen und Uhren im Wert von 563270 Franken erbeuteten. Nach zwei Minuten war der Überfall abgeschlossen, und die Täter flüchteten mit einem grauen VW Golf. Zum Raub gezwungen? Lange blieb die Fahndung der Polizei erfolglos, die Täter unbekannt. Nur das Fluchtfahrzeug, das zuvor im Elsass gestohlen worden war, wurde in Bönigen gefunden. Im November 2008 wurde dann einer der Täter zu einer Gefängnisstrafe von viereinhalb Jahren verurteilt. Gestern mussten sich zwei weitere Uhrenräuber vor dem Regionalgericht in Thun verantworten. Die beiden serbischen Staatsbürger, 30 und 33 Jahre alt, gaben ihre Teilnahme am Raubzug zu, bestritten aber den Einsatz von Waffen. Die Pistole, die in der Hand eines weiteren Komplizen auf einem Bild der Überwachungskamera zu sehen ist, charakterisierte der jüngere der beiden als Gaspistole zum Versprühen von Reizgas. Überhaupt habe der heute 30-Jährige nach der Darstellung seines Verteidigers nur an dem Raub teilgenommen, weil er gezwungen worden sei. Er habe einem Komplizen Geld geschuldet. Als «reine Schutzbehauptung» sah das Richter Peter Moser an, der beide Angeklagten wegen bandenmässigen Raubs verurteilte, denn die Tat in Interlaken war kein Einzelfall. Beide Männer waren bereits in Deutschland wegen schwerer Raubdelikte zu sieben beziehungsweise sechseinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Wegen «guter Führung» hatten sie nur die Hälfte ihrer Strafen absitzen müssen und waren anschliessend an die Schweiz ausgeliefert worden, wo sie in Untersuchungshaft auf das nächste Verfahren warteten. «Ein ungewöhnlicher Fall» «Das ist ein ungewöhnlicher Fall, dass wir hier zu einer hohen Strafe aus dem Ausland noch eine Zusatzstrafe aussprechen», erläuterte Richter Moser. Dies führte auch bei der Strafbemessung zu vollkommen unterschiedlichen Anträgen. Während Staatsanwalt Hans-Peter Schürch eine Zusatzhaftstrafe von vier beziehungsweise zwei Jahren forderte, sah der Antrag der Verteidiger eine Haftentschädigung für die Angeklagten vor. Begründung: Die Haftstrafen in Deutschland seien für Schweizer Verhältnisse aussergewöhnlich lang gewesen. Mit der U-Haft in der Schweiz, die bereits mehr als ein Jahr dauert, sei das übliche Strafmass für ein solches Delikt bereits überschritten. Das Gericht folgte diesem Antrag nicht, sondern setzte die Zusatzstrafen auf 18 und 24 Monate fest. «Daraus ergeben sich Gesamtstrafen von achteinhalb Jahren», rechnete Moser vor und begründete diese Entscheidung mit der «grossen kriminellen Energie», die aus den Taten spreche. «Einen solchen Überfall wie in Interlaken schüttelt man nicht einfach so aus dem Ärmel, das braucht viel Planung und Vorbereitung.» Jeder habe genau gewusst, was zu tun sei. Die zeitliche Nähe der begangenen Raubdelikte und die ähnlichen Täterzusammensetzungen sprechen laut Moser für eine Bandenmässigkeit. Der ältere der beiden Serben war zudem noch in zwei weitere Raubdelikte in Biel und St.Gallen im Mai und Juni 2006 verwickelt. Mit einem gestohlenen Audi 80 fuhr er mit weiteren Komplizen, darunter wohl auch sein Bruder, in die Schaufenster von Juweliergeschäften und entwendete Uhren und Schmuck im Wert von 48000 Franken. Obwohl mit dieser Methode mehrere Male schweizweit Juweliergeschäfte überfallen worden waren, sah das Gericht eine Beteiligung des Angeklagten an anderen «Rammbock-Diebstählen» als nicht erwiesen an. Beteiligt war der 33-Jährige aber nach Auffassung des Gerichts an 17 banden- und gewerbsmässigen Einbruchdiebstählen bei Lausanne im Dezember 2002. Claudius Jezella>

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