Mit dem Alphorn unterwegs

Erlenbach

Mikado heisst die neue CD des Quartetts Alphorn Experience. Drei der vier Musiker stammen aus dem Berner Oberland. Der ausge­bildete Jazztrompeter Mike Maurer hatte die Idee zum experimentellen Alphorn­projekt.

Alphornist und Trompeter Mike Maurer.

Alphornist und Trompeter Mike Maurer.

(Bild: zvg)

«Das Alphorn ist ein Musikins­trument, kein nur Swissness transportierendes Objekt», sagt Mike Maurer aus Erlenbach, der als Musiker und Lehrer stark mit dem Oberland verbunden ist.

Der ausgebildete Jazztrompeter und Berufsmusiker muss es wissen: Schliesslich kennen er und seine Mitmusiker – Sami Lörtscher, Christian Schmitter und Heinz Maeder – das Instrument seit Jahren bestens: Sie experimentieren mit ihm, lassen es mal traditionell, mal funkig erklingen. «Wir konnten durch Auftritte in der ganzen Welt und durch Probearbeit unsere Musik verfeinern und von der Tradition in die Moderne vertiefen.»

So spielten die Vier mit ihren Hörnern auf der Strasse, auf Bühnen und in Kirchen. Sie vermochten Bundesrätin Simonetta Sommaruga zu begeistern und sogar Popstar Tina Turner.

Musik ohne Grenzen

Die neue CD der Alphorn Ex­perience folgt auf die vor drei Jahren herausgebrachte CD ­«Axxalp».

«Uns ist es sehr wichtig, alle musikalischen Arten des Alphorns auszuloten», sagt Maurer. Es gebe Menschen, die genau wissen wollten, wie das traditionelle Alphorn zu klingen habe.

Maurer hat recherchiert: Schon der Ursprung des Unspunnenfests, an dem er mal gern spielen würde, beweise etwas anderes: «Der Alphornmusik waren keine Grenzen gesetzt!» Dementsprechend beinhaltet die CD sowohl alte Schweizer Weisen, die zur Quartettversion arrangiert wurden, als auch Lieder, die mit vier oder gar fünf – Maurer spielt auch mal zwei Alphörner gleichzeitig – verschieden gestimmten Instrumenten gespielt werden.

Wie aber stimmt man Alphörner? «Ganz einfach», lacht er. «Die Instrumente sind ungleich lang. Dadurch würden neue harmonische Möglichkeiten eröffnet. Ebenso mit dem Alperidoo: Hierbei wird das Alphorn mit der Ansatztechnik des australischen Didjeridoo geblasen.»

Schlüsselerlebnis mit 13

Einerseits gehen sie ans Herz, die Stücke dieser «alpinen Weltmusik». Anderseits fordern sie heraus – und entsprechen dem Lebensweg Maurers, der die Idee zum Projekt hatte.

Der 53-Jährige wuchs in Erlenbach auf, sein Vater sang im ­Männerchor, die Mutter war Organistin in der Kirche. «Mein Schlüsselerlebnis hatte ich als 13-Jähriger, als ich kurz ins Alphorn des Nachbarn blasen durfte.»

Dennoch hielt Maurer vorerst nichts von der traditionellen Musik, sondern gründete 1978 mit Silent Crash die erste Simmentaler Rockband. An der Swiss Jazz School in Bern liess er sich zum Berufsmusiker ausbilden und kam erst nach vielen Jahren und beeinflusst von vielen Musikstilen der Welt zu seinen Wurzeln zurück.

«Das Alphorn kann von Jung und Alt geblasen werden.» Aber braucht es denn nicht enorm Atem, das lange Holz zu spielen? «Nein», lacht der Vater von zwei erwachsenen Söhnen, «die Luft ist ja schon drin.» Es ist die Technik, welche diese im Ins­trument in Schwingung versetzt.» Er macht es vor und lässt die Lippen vibrieren. «Ich habe gar einen achtzigjährigen Schüler!» Auch Kinder könnten das Instrument lernen.

Wie Maurer in Erlenbachbietet Sami Lörtscher, der fürdie Kompositionen mitverantwortlich ist, Unterricht in der Musikschule Oberland Ost an. Selbst den Kühen gefielen dieNaturtöne des Alphorns, erklärt Maurer.

Hier liege schliesslich auch sein Ursprung: «Wer mal gesehen hat, wie sie von der Weide zum Klang herströmen, wenn der Senn ins Alphorn bläst, der ist berührt.»

Kürzlich wurden Mike Maurer und Sami Lörtscher nach Nepal eingeladen, damit sie die Schweiz am World Wood Day in Kathmandu vertreten. «Unsere Musik wurde gern als Welt­musik alpinen Ursprungs aufge­nommen.»

Berner Oberländer

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